Reaktivierung der TWE-Strecke mit selbstfahrenden Wagen wird geprüft Führerlos im Zug von Hövelhof nach Verl?

Hövelhof/Verl (WB). Der Verler Bürgermeister Michael Esken lässt prüfen, ob eine spannendes Projekt technisch und finanziell umsetzbar ist: Er möchte autonom fahrende kleine Züge (ohne Lokführer) auf der alten TWE-Strecke zwischen Verl und Hövelhof pendeln lassen, die Passagiere unabhängig von festen Fahrplänen per Handy-App anfordern können.

Von Meike Oblau
Verls Bürgermeister Michael Esken und sein Hövelhofer Kollege Michael Berens wollen prüfen lassen, ob man die TWE-Strecke zwischen den beiden Kommunen mit autonom fahrenden kleinen Zügen (ohne Lokführer) reaktivieren kann
Verls Bürgermeister Michael Esken und sein Hövelhofer Kollege Michael Berens wollen prüfen lassen, ob man die TWE-Strecke zwischen den beiden Kommunen mit autonom fahrenden kleinen Zügen (ohne Lokführer) reaktivieren kann Foto: Heinrich Schwarze-Blanke/Karikatur

Eskens Hövelhofer Amtskollege Michael Berens nennt es »eine charmante Idee, die man weiterverfolgen sollte.« Die alte TWE-Strecke zwischen Verl und Hövelhof ist etwa 13,4 Kilometer lang und führt über Bornholte, Kaunitz und Riege. Eskens »Kind« hat sogar schon einen Namen: »Urban Rail« heißt das Projekt.

Gemeinsam mit dem Institut für Systemdynamik und Mechatronik der Fachhochschule (FH) Bielefeld und Fachleuten des Besitzers der Strecke, dem Eisenbahnunternehmen Captrain, soll in den kommenden Monaten untersucht werden, ob und wenn ja wie die Idee realisierbar ist. »Ich hoffe, dass wir im Frühsommer sagen können, ob wir den Plan an den Start bringen können oder nicht«, sagt Verls Bürgermeister Michael Esken im Gespräch mit dem WESTFÄLISCHEN VOLKSBLATT.

Verl sucht Anschluss an die Sennebahn

Der Gedanke zu der möglichen interkommunalen ÖPNV-Verbindung kam Esken, weil es im Kreis Gütersloh Pläne gibt, die TWE-Strecke zwischen Harsewinkel und Verl »wiederzubeleben«. »Wenn das so käme, wäre Verl Sackbahnhof. Mir würde viel daran liegen, einen Anschluss an den Hövelhofer Bahnhof und damit nach Bielefeld und Paderborn zu bekommen. Die Sennebahn ist eine echte Erfolgsstory, ich fahre selbst manchmal zum Bahnhof Hövelriege, um nach Bielefeld zu kommen. Die Züge sind voll«, sagt Esken, der in Kaunitz lebt.

»Auf der stillgelegten Strecke von Verl nach Hövelhof wachsen Pusteblumen, die Schienen liegen dort. Es wäre toll, wenn wir sie wieder nutzen könnten, gerade auch unter dem Aspekt Mobilität auf dem Land und im Alter«, sagt Esken und hofft auf Fördermittel. Autonomes Fahren in führerlosen, kleinen Waggons für fünf bis zehn Personen, das ist es, was dem Bürgermeister der Hövelhofer Nachbarkommune vorschwebt. »Die Wagen könnte man per App anfordern, wir könnten zum Beispiel neue Haltepunkte in den Indus­triegebieten wie bei Nobilia in Kaunitz oder am Schierbusch in Hövelhof einrichten«, erklärt er das Projekt.

Begegnungsverkehr müsste ermöglicht werden

Da der Schienenstrang nur einspurig ist, müssten an gewissen Punkten sicherlich Ausweichplätze eingeplant werden, um Begegnungsverkehr zu ermöglichen.

»Bisher haben wir nicht mehr als eine zehnseitige Präsentation. Es kann sein, dass wir an einen Punkt kommen, wo wir sehen, dass es keinen Sinn macht, die Idee weiterzuverfolgen, aber ich möchte sie auf jeden Fall prüfen lassen. Bevor es zu einem konkreten Förderantrag käme, würden natürlich die politischen Gremien in Verl und Hövelhof beteiligt und informiert, aber noch sind wir über das Stadium einer ersten Idee nicht hinaus«, sagt Michael Esken.

Seinen Hövelhofer Kollegen Michael Berens habe er aber vor einigen Monaten mit ins Boot geholt. »Mir ist bewusst, dass dieses Projekt für die Verler interessanter wäre als für die Hövelhofer, die über ihren Bahnhof ja bereits gut angebunden sind«, meint Esken, der aber dennoch auf positiv gestimmte Mitstreiter aus der Sennegemeinde hofft.

Interessant für Riege und Espeln

Besonders für Riege und Espeln und für Pendler, die in Hövelhof wohnen, aber in Verl arbeiten (oder umgekehrt), sei das Projekt aus seiner Sicht interessant, sagt Sennebürgermeister Michael Berens: »Wir sollten die Chance nutzen, zu erforschen, ob die Pläne umsetzbar sind. Dann könnten wir ins Detail gehen.«

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Autonome Kleinbusse in Fußgängerzonen vor Kindergärten und Altenheimen sind schon in täglicher Erprobung. Ebenso Autobahnbetrieb mit Lkw Kolonen und schnittigen Pkw. Ungenutzte Nebenbahnen für autonomen öffentlichen Betrieb zu nutzen, ist daher eine an sich nahe liegende Überlegung , denn das Betreten von Gleisen ist im Gegensatz zu Fußgängerzonen grundsätzlich verboten oder bei Bahnübergängen nur unter Beachtung der Vorfahrt des Zugverkehrs zulässig. Viel Erfolg und Unterstützung seitens Wirtschaft, Wissenschaft und Politik dieser Idee.

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