Landgericht: 20-Jähriger aus Hövelhof hat in Notwehr gehandelt Freispruch nach Messerattacke

Hövelhof (WV). Es ist eine Tat, wie sie aus der Verkettung vermeidbarer Umstände entstehen kann. Alkohol, Aggression, und ein Messer im Hosenbund. Ein 20-Jähriger aus Hövelhof hat sich auf eine solche Situation eingelassen – und einen Freund schwer verletzt. Die Jugendkammer des Landgerichts Paderborn aber sprach ihn frei: Notwehr.

Von Ulrich Pfaff
Ein psychiatrischer Gutachter hielt den Angeklagten für voll schuldfähig. Der Einsatz des Messers sei nach Ansicht der Richterin in dieser Situation jedoch verhältnismäßig gewesen
Ein psychiatrischer Gutachter hielt den Angeklagten für voll schuldfähig. Der Einsatz des Messers sei nach Ansicht der Richterin in dieser Situation jedoch verhältnismäßig gewesen Foto: dpa

 Zugetragen hatte sich der Vorfall im Oktober 2013 nachts auf dem Schulhof der Krollbachschule Hövelhof. Nach einem verbalen Streit und einem Gerangel hatte der Angeklagte einem 18-Jährigen einen Fausthieb ins Gesicht verpasst, dann drei Mal mit einem so genannten Rambomesser mit einer 17 Zentimeter langen Klinge zugestochen.

Die Stichverletzungen waren nach Ansicht eines Mediziners nicht lebensbedrohlich, der Fausthieb zertrümmerte dem 18-Jährigen das Jochbein. Der Angeklagte, der die Tat zunächst von seinem Verteidiger Burkhard Hecker einräumen ließ, sagte am Nachmittag aus. Dazu gehörte die Entschuldigung an die Adresse seines ehemaligen guten Freundes: »Wenn ich könnte, würde ich es rückgängig machen.«

Widersprüchliche Zeugenaussagen

Zwischen der von Staatsanwalt Fabian Klein geforderten dreijährigen Haftstrafe für versuchten Totschlag und einem von der Verteidigung beantragten Freispruch wegen Notwehr musste die Jugendkammer den richtigen Weg finden – und erkannte auf Notwehr. Maßgeblich dabei waren die widersprüchlichen Zeugenaussagen.

Das 18-jährige Opfer schilderte die Situation so, dass er einen Streit zwischen dem Angeklagten und einem weiteren Freund habe schlichten wollen – dabei sei er vom Angeklagten von hinten mit dem Messer traktiert worden.

Der Angeklagte wiederum gab an, Schläge bekommen zu haben, woraufhin er sich mit dem Messer gewehrt habe. Dies hatte er nach eigenen Worten nach dem Anruf eingesteckt, da sein Freund – das spätere Opfer – behauptet hatte, er selbst solle verprügelt werden und brauche seinen Beistand. »Ich habe keine Ahnung, wie ich auf die Idee gekommen bin, das Messer mitzunehmen«, sagte der 20-Jährige. Er könne sich an die Tat selbst kaum erinnern: »Ich weiß nur noch, dass ich mich vor Schlägen gebückt habe, dann hatte ich das Messer in der Hand.«

Richterin: »nicht gezielt zugestochen«

Ein psychiatrischer Gutachter hielt ihn für voll schuldfähig – der Angeklagte habe zwar am Tatabend Alkohol und Haschisch konsumiert, allerdings nur in geringen Maße. Das Opfer hingegen hatte bei der Einlieferung ins Krankenhaus 1,1 Promille Alkohol im Blut.

Als unglaubwürdig bewertete Vorsitzende Richterin Margret Manthey die Aussagen der Belastungszeugen: Angesichts der Bedrohung durch zwei Gegner habe der 20-Jährige mit dem Messer »herumgefuchtelt« und nicht gezielt zugestochen. Der Einsatz des Messers sei in dieser Situation verhältnismäßig gewesen.

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