Opfer bleibt nach Säureangriff entstellt Staatsanwalt erhebt Anklage wegen versuchten Mordes

Hövelhof (WB). Vier Monate nach dem Säureangriff auf eine Frau (39) aus Hövelhof sind die Ermittlungen beendet. Die Staatsanwaltschaft Paderborn hat Anklage wegen schwerer Körperverletzung und versuchten Mordes gegen den Ex-Freund (38) erhoben.

Von Christian Althoff
Einsatzkräfte untersuchen den Tatort in Hövelhof.
Einsatzkräfte untersuchen den Tatort in Hövelhof. Foto: Jörn Hannemann

»Das Opfer wird auf unabsehbare Zeit durch Narben entstellt bleiben«, sagte Oberstaatsanwalt Marco Wibbe gestern. Die Frau habe wochenlang in einer Bochumer Spezialklinik gelegen und sei mehrfach operiert worden.

Der Italiener Samuele F. aus Altenbeken soll seiner Ex-Freundin am 11. September aufgelauert haben, als die Frau nachmittags mit ihrem Fahrrad von ihrer Arbeitsstelle in einer Kunststoffteilefabrik nach Hause kam. Er soll die 39-Jährige vor dem Sechsfamilienhaus mit hochkonzentrierter Schwefelsäure übergossen haben – »gezielt und aus nächster Nähe«, wie Oberstaatsanwalt Wibbe sagte.

Die 39-Jährige, die mit ihrem Sohn in dem Haus lebte, erlitt durch das Einatmen auch innere Verätzungen und verlor das Bewusstsein. »Sie wurde lebensgefährlich verletzt und überlebte den Anschlag nur, weil sie umgehend notärztlich versorgt wurde«, sagte Wibbe. Die Säure, deren Herkunft nicht geklärt werden konnte, war derart aggressiv, dass auch die Ersthelfer behandelt werden mussten.

Geschah die Tat aus Eifersucht?

Verwandte des Opfers sagen, die beiden seien nur kurz ein Paar gewesen. Die Frau habe sich von Samuele F. wieder getrennt, weil er oft aus nichtigen Gründen ausgerastet sei. Samuele F. schweigt bis heute zu der Tat. Sein Anwalt Matthias Cramer: »Er hat seiner Ex-Freundin allerdings mehrere Briefe geschrieben und sich wohl auch entschuldigt. Was geschehen ist, tut ihm leid.«

Mutmaßlicher Täter saß bereits in Haft

Das Säure-Attentat ist nicht die erste Gewalttat des 38-Jährigen. 1998 wurde er in Paderborn zu sieben Jahren und drei Monaten Haft verurteil, weil er versucht hatte, einen Menschen zu töten. Nachdem er einen Teil der Strafe verbüßt hatte, wurde Samuele F. in sein Heimatland Italien abgeschoben. Weil er trotz Verbots wieder nach Deutschland einreiste, musste er auch den Rest der Strafe absitzen.

Im März 2013 wurde er aus der Justizvollzugsanstalt Detmold entlassen. Dort hatten Vollzugsbeamte ein Musikvideo mit ihm produziert, das sich an junge Täter richtet und sie auffordert, den Jugendarrest ernstzunehmen.
Staatsanwalt Fabian Klein, der die Anklage verfasst hat, hat Samuele F. in der Untersuchungshaft untersuchen lassen. Das Gutachten liegt allerdings noch nicht vor. Der Prozess soll spätestens im März beginnen.

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