Nach Diskussionen über Essener »Tafel«: In Delbrück werden weiterhin alle Bedürftigen versorgt Füllhorn: »Wir machen keinen Unterschied«

Delbrück (WB). Das Delbrücker Füllhorn wird auch künftig alle Bedürftigen mit Waren versorgen. Das Füllhorn reagiert damit auf eine Ankündigung der Essener Tafel, die einen Aufnahmestopp für Ausländer verhängt hat.

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Symbolbild Foto: dpa/Roland Weihrauch

»Das Delbrücker Füllhorn macht keinen Unterschied zwischen Menschen mit deutschem Pass und Flüchtlingen. Alle Bedürftigen, die sozialhilfeabhängig sind, Hartz VI beziehen, Asylbewerber, alleinerziehende Mütter mit kleinen Kindern und Rentner mit sehr geringen Renten können zu uns kommen«, sagt Ingrid Walden, stellvertretende Vorsitzende des Delbrücker Füllhorns.

Hintergrund: Die Essener Tafel hat einen Aufnahmestopp für Ausländer verhängt und nimmt zunächst nur Bedürftige mit deutschem Pass als neue Kunden auf. Der Anteil der Migranten unter den 6000 Nutzern der Tafel sei auf 75 Prozent angestiegen, erklärte die Tafel zur Begründung auf ihrer Internetseite.

»Wir sehen uns nicht als ›Erfüllungsgehilfen‹ eines Staates, Bedürftige mit Waren zu versorgen, sondern arbeiten ehrenamtlich aus eigener Verantwortung den Nächsten gegenüber. Dabei gebührt selbstverständlich der Stadt ein Dank für die kostenlose Unterkunft am Nordring«, ergänzte Vorsitzender Helmut Suren.

Die etwa 40 freiwilligen Helfer, darunter auch ein ehemaliger Bürgermeister Delbrücks und zwei frühere Amtsleiter, sähen es auch als ihre Aufgabe an, noch essbare Ware, die anderenfalls von Supermärkten in den Müll geworfen würden, Woche für Woche einzusammeln und diese Überschüsse an Bedürftige zu verteilen.

Ingrid Walden: »Wir werden auch dankenswerterweise großzügig von Geldspendern unterstützt und können Grundnahrungsmittel wie Milch, Kartoffeln oder Reis über das Jahr hin preiswert zukaufen.«

Jeder Haushalt zahle als Beitrag einen Euro pro Besuch. So könnten die Füllhorngäste das gezahlte Geld in Form von Eiern oder Kartoffeln wieder mitnehmen. »Um einen im wahren Sinne reibungslosen Ablauf bei der Ausgabe zu gewährleisten, weisen die Besucher ihre Bedürftigkeit nach«, erklärte Kassiererin Uschi Strube. Jeder Haushalt erhalte eine Nummer, die in einem rollierenden System aufgerufen würde, so dass jeder Ausgabetag mit einer anderen Nummerngruppe beginne. Damit werde Gedränge und Geschubse vermieden. Jeder wisse, wann er an der Reihe ist und könne entsprechend früher oder später kommen. »So werden lange Wartezeiten vermieden und eine gerechte Verteilung bewirkt«, sieht Helmut Suren große Vorteile im Füllhorn-System.

Ein einziges Mal habe das Delbrücker Füllhorn in den 16 Jahren seiner Arbeit ein Hausverbot ausgesprochen. Der Betroffene habe einen deutschen Pass gehabt.

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