Martin Kolek im Gymnasium Delbrück: Kinder stellen Fragen zu Toten im Mittelmeer »Warum lässt man das zu?«

Delbrück (WB). Der Besuch eines Aktivisten im Deutschunterricht einer Schulklasse ist eher ungewöhnlich. Wenn Deutschunterricht aber über das Fachliche hinaus auch als Ort der Werteerziehung verstanden wird, finden beide schnell zueinander. So beschloss die Begegnung mit dem Delbrücker Martin Kolek, der auf der »Seawatch 2« selbst an Rettungseinsätzen im Mittelmeer teilgenommen hat, ein mehrwöchiges Leseprojekt im Deutschunterricht der Klasse 6b des Städtischen Gymnasiums Delbrück.

Martin Kolek berichtet Kindern der Klasse 6b des Städtischen Gymnasiums Delbrück über seinen Einsatz.
Martin Kolek berichtet Kindern der Klasse 6b des Städtischen Gymnasiums Delbrück über seinen Einsatz.

Das im Deutschunterricht thematisierte Jugendbuch »Der Schrei des Löwen« von Ortwin Ramadan beleuchtet die aktuelle Flüchtlingskrise im Mittelmeer anhand der fiktiven Gestalt des nigerianischen Jungen Yoba, der durch Terror, Gewalt und religiösen Fanatismus zum Straßenkind wird und seine ganze Hoffnung darauf setzt, im weit entfernten Europa, das er nur vom Hörensagen kennt, ein besseres Leben zu finden. Gemeinsam mit seinem kleinen Bruder Chioke macht er sich auf einen langen Weg voller Gefahren, bis er das große Wasser an der libyschen Küste erreicht und das Ziel schon zum Greifen nah erscheint. Doch dieses Ziel wird er – wie viele Flüchtende in der Realität – nie erreichen.

Das Schicksal des Jungen Yoba ließ die zwölfjährigen Leser nicht mehr los und warf viele Fragen zum Thema Flüchtlinge auf – vor allem die Tragödie im Mittelmeer »in echt« war für die Kinder unbegreiflich.

Mit ausgewählten Bildern und Filmmaterial von seinem Einsatz auf dem Rettungsschiff führte Martin Kolek die Kinder äußerst sensibel an diese Realität heran und beantwortete geduldig alle Fragen. Aber besonders die beiden Kleinkinder Mohamed und Maryam, die auf Fotos wie schlafend in Martin Koleks Armen liegen, wird die Klasse im Gedächtnis behalten. Noch kaum auf der Welt, sind sie im Mittelmeer ertrunken.

Angesichts solcher Bilder bleiben Erwachsene und Kinder sprachlos – aber nicht tatenlos. Deshalb will die Klasse kleinere Aktionen starten, um Spenden für den Kauf von Rettungswesten zu sammeln für die vielen namenlosen Kinder, die von der libyschen Küste den gefährlichen Weg über das Mittelmeer antreten werden.

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