Seltener SS-Ehrenring aus Familienbesitz ergänzt die Sammlung des Kreismuseums Fundort Australien

Kreis Paderborn (WB). Mit der Entdeckung des Goldbarrens im Königssee und den aktuellen Meldungen über einen verschollenen Nazi-Goldzug in Polen tauchen in den Foren von Schatzsuchern nicht nur etliche Spekulationen über verschwundene Schätze aus dem Dritten Reich auf. Immer wieder wird auch die Wewelsburg genannt als ehemaliger Aufbewahrungsort für eine besondere Sammlung: Die SS-Ehrenringe.

Von Bernhard Liedmann
Im Kreismuseum mit der Dauerausstellung »Ideologie und Terror der SS« befinden sich zwei Ehrenringe der SS: ein Original (links) und eine Fälschung. Aus Australien erreichte Museumsleiterin Kirsten John-Stucke nun ein weiteres Exemplar.
Im Kreismuseum mit der Dauerausstellung »Ideologie und Terror der SS« befinden sich zwei Ehrenringe der SS: ein Original (links) und eine Fälschung. Aus Australien erreichte Museumsleiterin Kirsten John-Stucke nun ein weiteres Exemplar. Foto: Besim Mazhiqi

Zwei dieser Ringe sind auch in der Dauerausstellung »Ideologie und Terror der SS« ausgestellt: ein Original und eine Fälschung. Aus Australien kam jüngst ein weiterer hinzu. Dessen Echtheit und Herkunft wird von Fachleuten derzeit noch überprüft.

Eine Museumsmitarbeiterin aus Australien war im April von einer deutschstämmigen Freundin auf diesen besonderen Nachlass ihrer Mutter angesprochen worden. Der SS-Ehrenring war auch nach Auswanderung der Mutter nach Australien im Jahr 1949 in Familienbesitz geblieben. Der Museumsmitarbeiterin war das Wewelsburger Museum bekannt, und nachdem ihre Freundin diesen Ring weder behalten noch auf Militaria-Foren verkaufen wollte, wurde der Ring schließlich im Juli in die Obhut des Museums übergeben.

Bereits zwei Ringe in der Ausstellung

Dieser Ehrenring, so Museumsleiterin Kirsten John-Stucke, wird eventuell im Rahmen einer Dauerausstellung zu besichtigen sein oder anderen Museen als Leihgabe zur Verfügung gestellt. Zwei Ringe befinden sich bereits in der Dauerausstellung. Ein Original, das in den 80-er Jahren vom Museum aus gesicherten Quellen angekauft wurde, und eine Fälschung zur Dokumentation liegen in der Vitrine.

Die SS-Ehrenringe waren ein persönliches Geschenk von Reichsführer SS Heinrich Himmler an die Führungselite der SS. Er war aus Silber gefertigt und trug auf der Stirnseite einen Totenkopf mit gekreuzten Knochen. Außerdem waren Runenzeichen angebracht. Auf der Innenseite war die persönliche Widmung an den Träger mit Datum und »H. Himmler« eingraviert. Der Sammlerwert eines solchen Ringes kann eine vierstellige Summe durchaus erreichen. Zu dem Ring gab es ein Schreiben Himmlers, in dem die Bedeutung des Rings erläutert wurde.

In einer Truhe gelagert

Zentraler Aufbewahrungsort dieser Ringe war die Wewelsburg. Mit dem Tod des Ringträgers sollte eigentlich der Ring an Himmler zurückgehen. Insgesamt haben etwa 16 000 SS-Angehörige diesen Ring erhalten. Auf der Wewelsburg sollen diese Ringe bis zum Kriegsende in einer Truhe gelagert worden sein. Mit der Sprengung der Burg lösen sich die Spuren der Ringe jedoch auf.

Erzählt wird die Variante, dass die US-Truppen diese Sammlung mit einem geschätzten Wert in Höhe einer zweistelligen Millionen-Summe beschlagnahmt und spurlos weggebracht haben. Andere Mutmaßungen gehen dahin, dass diese Sammlung irgendwo in den Bergen rund um die Wewelsburg vergraben worden sein soll.

Andere Unikate 

Auch 70 Jahre nach Kriegsende finden solch seltene Unikate ihren Weg ins Museum. So wie der silberne Hochzeitsbecher der SS, der von Himmler einem Hochzeitspaar als Geschenk zur Zeremonie in der Wewelsburg überreicht worden war. In Familienbesitz wurde dieser Becher dem Museum vor mehr als einem Jahr als Dauer-Leihgabe zur Verfügung gestellt und ist derzeit in der Quartalsausstellung zu sehen.

Aber auch von weniger erfreulichen Offerten weiß Museumsleiterin Kirsten John-Stucke zu berichten. So beispielsweise von einem Kaufangebot eines Briefes aus einem Konzentrationslager. Nicht aus finanziellen Gründen, sondern aus grundsätzlichen Erwägungen heraus wurde dieses Angebot abgelehnt.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.