Flughafen Paderborn-Lippstadt: Die einen landen, die anderen fliegen trotz des Anschlags Erleichtert und unverletzt: Tunesien-Urlauber sind zurück

Büren (WB). Stürmische Begrüßungsszenen am Flughafen Paderborn-Lippstadt in Büren. Dort sind Urlauber aus Tunesien angekommen. Sie haben den Terror unverletzt überstanden. Unter der Sommerbräune sind sie schockiert und erleichtert zugleich.

Von Christina Ritzau
So stürmisch wie Jennifer Beckmann   ihrer Schwiegermutter um den Hals fällt, könnte man meinen, sie hätten sich jahrelang  nicht gesehen. Dabei waren es nur zwei Wochen. Aber die hatten es  für  die Tunesien­Urlauberin Christa Pitzer und  die Familie in sich.
So stürmisch wie Jennifer Beckmann ihrer Schwiegermutter um den Hals fällt, könnte man meinen, sie hätten sich jahrelang nicht gesehen. Dabei waren es nur zwei Wochen. Aber die hatten es für die Tunesien­Urlauberin Christa Pitzer und die Familie in sich. Foto: Besim Mazhiqi

Um 14.35 Uhr landet der Flug BJ2204 aus Enfidha. Die Stadt ist gerade einmal 40 Autominuten entfernt von Sousse, dem beliebten Badeort, in dem ein Attentäter am Freitag 38 Menschen erschoss.

Unter den Menschen, die ungeduldig in der kleinen Ankunftshalle warten, um Angehörige oder Freunde abzuholen, ist auch Jennifer Beckmann. Ihre Schwiegermutter kommt aus dem Tunesien-Urlaub zurück, aus Hammamet, etwa eine Stunde von Sousse entfernt. Zwei Wochen war sie dort.

Die vergangenen Tage seien die schlimmsten gewesen – auch für sie zu Hause, erzählt die junge Frau. Dann sprintet sie los und fällt stürmisch ihrer Schwiegermutter Christa Pitzer in die Arme, die gerade ankommt. Die 66-Jährige fliegt seit mehr als 30 Jahren nach Tunesien – aber eine vergleichbare Situation hat sie noch nicht erlebt. »Wir hatten sogar einen Scharfschützen bei uns im Hotel«, erzählt die Urlauberin. »Und am Strand waren viele Soldaten. Die haben uns alle zugewunken, als wollten sie sagen: ›Euch passiert nichts.‹ Wir waren beschützt.«

Auch Urlauber Manfred Grons war in der Nähe des Anschlagsortes. Er war berührt von der Solidarität vor Ort, von Schweigeminuten im Hotel. Trotzdem war die Angst überall – »selbst, wenn am Strand jemand herumlief, um Decken zu verkaufen. Da ist jetzt alles tot«, bedauert der 59-Jährige aus Lengerich.

Stornieren oder fliegen? Diese Frage haben sich in den letzten Tagen viele gestellt. Einige Kunden hätten umgebucht oder ihren Urlaub ganz abgesagt, sagt Vanessa Wienecke vom Airport-Reisecenter im Flughafengebäude. »Grade bei Familien mit kleinen Kindern kann ich das gut verstehen«, meint sie. Andere seien etwas hartgesottener. »Sie denken, momentan ist es dort am sichersten, jetzt wird nicht direkt wieder etwas passieren«, berichtet die 30-Jährige. Ein Kunde habe sogar ganz gezielt nach einem Tunesien-Angebot gefragt, das sie gerade aus dem Schaufenster nehmen wollte – und es dann auch gebucht.

»Wir fliegen mit einem sicheren Gefühl«: Carmen und Markus Hesse mit den Zwillingen Maja und Magnus sind gestern nach Tunesien geflogen. Foto: Besim Mazhiqi

Diejenigen, die am Nachmittag am Check-In-Schalter von Nouvel­air stehen, sind überzeugte Tunesienurlauber. So auch Familie Hesse mit den neunjährigen Zwillingen Maja und Magnus. »Wir fliegen zum vierten Mal nach Tunesien, und wir fliegen mit einem sicheren Gefühl«, sagt Vater Markus Hesse. »Wir kennen da unten jeden Kellner. Aber wenn jemand zum ersten Mal dorthin fliegt, ist das sicher etwas anderes«, meint der Dachdecker aus Bestwig im Sauerland.

Seine Frau Carmen trägt um den Hals ein Souvenir aus ihrem ersten Tunesienurlaub 1996: eine Kette mit ihrem Namen auf Arabisch – »als kleines solidarisches Zeichen«.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.