Bundesgerichtshof setzt im »Scheunenmord«-Fall Termin in Karlsruhe an Sohn (17) getötet: Eltern fordern härteres Urteil

Büren (WB). Leon M. wurde nur 17 Jahre alt. Im Juni 2014 schlug ihm sein bester Freund den Schädel ein und schnitt ihm den Hals durch. Der Täter wurde bestraft – nicht hart genug, wie die Eltern des Opfers meinen. Vor dem Bundesgerichtshof haben sie jetzt einen Etappensieg errungen.

Von Christian Althoff

Das Gericht ging von zwei Taten aus: Den Schlag mit einer Eisenstange von hinten auf den Kopf wertete es als versuchten Mord. Dass Marc E. dem Sterbenden später noch die Kehle durchschnitt, war nach Auffassung der Richter nur Totschlag.

Rechtsanwalt Martin Pohlmann, der die Eltern des Opfers vertritt, legte Revision ein, um das Urteil vom Bundesgerichtshof überprüfen zu lassen. Denn seiner Auffassung nach war das gesamte Geschehen eine einzige Tat, nämlich Mord. Und dafür können selbst Angeklagte, die nach dem Jugendstrafrecht verurteilt werden, für 15 Jahre ins Gefängnis gehen. Wie gestern bekannt wurde, setzte der Bundesgerichtshof für den 8. Oktober eine mündliche Verhandlung in Karlsruhe an. Offenbar vertritt auch der Generalbundesanwalt die Ansicht, dass hier eine einzige Tat, nämlich ein Mord, vorliegen könnte.

Beate und Bernhard M., die Eltern des getöteten Jungen, sind erleichtert, dass der BGH das Paderborner Urteil aus dem Januar nicht einfach absegnete. Jerrit Schöll, der Anwalt des Verurteilten: »Dass mein Mandant noch bis Oktober warten muss, bis er klar sieht, belastet ihn natürlich.« Schöll sieht in der Verhandlung beim BGH allerdings auch eine Chance: »Ich haben ja ebenfalls Revision eingelegt, und zwar, weil ich den Angriff mit der Eisenstange nur als versuchten Totschlag sehe.«

Der BGH kann nach der Verhandlung das Paderborner Urteil bestätigen oder den Fall ans Gericht zurückverweisen – mit dem Hinweis, dass er eine andere Tat sieht oder eine andere Strafe für angemessen hält.

Bis heute ist das Motiv für das Verbrechen nicht bekanntgeworden. Der Prozess ergab zwar Hinweise darauf, dass das Opfer Leon M. ungleich bessere Chancen bei Mädchen hatte als Marc E. Aber das kann nach Auffassung der Richter nicht zu diesem Gewaltexzess geführt haben, zumal sich die beiden seit dem Kindergarten kannten und fast jeden Tag etliche Stunden zusammen verbrachten.

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