Betroffene Landwirte in Etteln gründen Interessengemeinschaft Gondel wird abgebaut

Borchen-Etteln (WB/bel). Die Aufarbeitung der Havarie der Windkraftanlage in Etteln wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen . Das Gutachten zur Schadensursache steht noch aus, inzwischen hat sich eine Interessengemeinschaft von betroffenen Landwirten gegründet. Am Freitag soll die Gondel mitsamt Flügeln abmontiert werden.

Bei einer Windgeschwindigkeit von etwa 43 Stundenkilometern wurden die Blätter dieser Enercon E-115 regelrecht zerlegt.
Bei einer Windgeschwindigkeit von etwa 43 Stundenkilometern wurden die Blätter dieser Enercon E-115 regelrecht zerlegt. Foto: Besim Mazhiqi

Zeitgleich zu einer Versammlung mit den betroffenen Grundstückeigentümern in der vergangenen Woche hat die Firma Enercon begonnen, rund um die Anlage Teile der zerfetzten Flügel aufzusammeln und zu entsorgen. Zu der Informationsveranstaltung vor Ort hatte Enercon insgesamt 62 Betroffene wie Grundstückeigentümer und Pächter eingeladen. Mehr als 20 Betroffene kamen, Vertreter von Enercon führten vor Ort aus, dass man eine Firma beauftragt habe, Reste der zerborstenen Flügel per Hand und maschinell aufzusammeln. Vor Ort wurde dies zunächst mit einem Laubsauger demonstriert, was allerdings nach Aussagen von Anwesenden nicht optimal gelang. Sie hinterfragen zudem, wie eine Säuberung von Kleinsplittern in Büschen oder im Wald erfolgen soll.

Enercon prüft Entschädigung

Im Nachgang zu dem Treffen vor Ort sicherte Enercon den betroffenen Landwirten grundsätzlich eine Prüfung von Entschädigungen zu. Zunächst müsse die Erfassung der aktuellen und geplanten Nutzung der betroffenen Flächen erfolgen. Gesperrt bleiben zunächst die Flächen, die zur Futtermittelproduktion genutzt werden. Eine Prüfung von möglichen Entschädigungen solle in enger Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer erfolgen, so Enercon. Zur Überprüfung ist ein Sachverständiger der Landwirtschaftskammer hinzugezogen worden, so Enercon auch in einer schriftlichen Mitteilung an die Betroffenen.

Doch vielen Betroffenen waren die Zusagen nicht ausreichend genug und so gab es am Dienstag in dieser Woche ein weiteres Treffen mit mehr als zehn betroffenen Landwirten, die eine Interessengemeinschaft gründeten. Sie wählten drei Sprecher und wollen jetzt in Zusammenarbeit mit dem Landwirtschaftsverband einer möglichen Bodenbelastung durch abgebrochene Teile gegebenenfalls mit einem eigenen Gutachter nachgehen. Immerhin hätten sich kleine Glasfaser-Teile der abgerissenen Flügel in einem Umkreis von bis zu einem Kilometer rund um das Rad verteilt.

Gegengewichte an Windkraftanlage

Am Mittwoch sind an der havarierten Windkraftanlage zunächst Gegengewichte befestigt worden, damit in den kommenden Tagen bei entsprechender Windstille die Gondel mitsamt der drei Flügel abgenommen werden kann. Das Gewicht soll die Balance herstellen, damit der gesamte Kopf der Anlage mit einem Gewicht von mehr als 60 Tonnen in einem Stück abgenommen werden kann. Zur Abnahme braucht man ein Zeitfenster von etwa sechs bis acht Stunden, so Daniel Saage, Pressesprecher von Westfalen-Wind, dem anstehenden Eigentümer der Anlage. Angepeilt ist hierfür der Freitagvormittag.

Wann das Gutachten zur Schadenursache selbst vorliegen wird, ist noch offen. Enercon und Westfalenwind gehen weiterhin von einem menschlichen Versagen bei der Montage des Rades aus (wir berichteten mehrfach). Das Gutachten zur Schadensursache soll jedoch in der kommende Woche vorliegen. Es sei auch wichtig für versicherungstechnische Fragen, so Enercon. Der Kreis Paderborn wartet nicht nur auf das Untersuchungsergebnis zur Ursache selbst, sondern will über ein Gutachten auch die Statik des Fundamentes und des Turms für einen möglichen Wiederaufbau der Anlage überprüft wissen. Auch dieses Gutachten steht noch aus. Zu einer möglichen Bodenbelastung warte man zudem ein weiteres Untersuchungsergebnis ab, so Kreisbaudezernent Martin Hübner. Eingeschaltet wurde auch das Kreisveterinäramt, damit ein Risiko insbesondere für weidende Tiere ausgeschlossen werden kann. Durch den Bodenfrost hätten sich die Untersuchungen verzögert. Bis zu der Bescheinigung einer Unbedenklichkeit sei beispielsweise auch eine Weidenutzung untersagt.

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