Eichenzweige aus Ettelner Forst werden für künftige Zuchtbäume geerntet Klettern für den Superwald der Zukunft

Borchen (WB/bel). Aus der 35 Meter hohen Krone werden die besten Triebe herausgeschnitten für den Superwald der Zukunft. Einige Äste von ausgewählten Eichen bei Etteln sind die Zuchtbäume für die Plantagen der forstlichen Versuchsanstalt, um eine neue Generation von Wald zu züchten.

Regionalforstamtsleiter Roland Schockemöhle mit Baumkletterin Erika Luppi an einer der ausgewählten Eichen. In 35 Meter Höhe werden die 25 Zweige für die Zuchtbäume geerntet.
Regionalforstamtsleiter Roland Schockemöhle mit Baumkletterin Erika Luppi an einer der ausgewählten Eichen. In 35 Meter Höhe werden die 25 Zweige für die Zuchtbäume geerntet.

»Es sollen die Wälder für übermorgen werden«, beschreibt Roland Schockemöhle, Leiter des Regionalforstamtes Hochstift das Projekt, bei dem auch im Kreis Paderborn einige etwa 150 Jahre alte Eichen Teile eines bundesweiten Projektes bilden. Zwei Baumkletterer »ernten« aus den zwei Eichen je 25 junge Äste, die später zunächst in einem Gewächshaus in Niedersachsen an bestehende Eichenstämme aufgepfropft werden. Wenn diese jungen Bäume etwa 40 Zentimeter groß sind, werden sie in so genannten Klon-Archiven angepflanzt, um dann nach etwa weiteren zehn Jahren mit deren Eicheln die lohnende Ernte für weitere Anpflanzungen zu bekommen. Ziel des Projektes »FitForClim« ist, hochwertiges Forstvermehrungsgut für den Wald der Zukunft zu gewinnen.

»Wir wollen so einen Wald, der dem Klimawandel standhält und zugleich auch forstwirtschaftlich optimal nutzbar ist«, beschreibt wissenschaftlicher Mitarbeiter André Hardtke von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt das Gesamtprojekt, das über den Waldklimafond der Bundesrepublik mit insgesamt acht Millionen Euro gefördert wird. Allein bei der Eiche sind bundesweit 1039 Bäume ausgesucht worden, die im Rahmen des fünfjährigen Projektes beschnitten werden, damit diese Samenplantagen angelegt werden können. Weitere Hauptbaumarten sind der Bergahorn, Douglasie, Fichte, Lärche und Kiefer. Auch bei diesen Baumarten wird wie bei der Eiche (Stiel- und Traubeneiche) vorgegangen. Die Äste der Eichen aus Etteln wachsen dann in den zwei Klon-Archiven in Niedersachsen und in Hessen auf. Hier werden sie dann durchmischt, um dann die besten Eicheln zu ernten. Gestartet ist das Projekt im Jahr 2014, abgeschlossen wird die bundesweite Sammelaktion im Jahr 2019. Bei der Zucht von solchen Wäldern wird natürlich auch auf die regionalen Besonderheiten Rücksicht genommen, deshalb sind die Baumkletterer auch in ganz Deutschland unterwegs.

Die Äste von älteren, gut gewachsenen Eichen sind deshalb wertvoll, weil sie ein genetisches Gedächtnis haben, um auch nach dem Pfropfen auf junge Stämme schnell wieder Saatgut zu produzieren. »Im Gegensatz zu einer Genmanipulierung nutzen wir damit eine Jahrhunderte alte Technik zu Veredelung« sagen Schockemöhle und Hardtke. Die hohe Anzahl von Schnittgut sei deshalb notwendig, weil beim Pfropfen und Anpflanzen natürlich ein Teil der Anpflanzung verloren geht. Im Schnitt wird man diesen neuen Wald dann voraussichtlich erst im 40 Jahren mit zunächst kleinen Bäumen haben. »Wir Forstleute denken aber in Generationen«, schmunzelt Schockemöhle zu dem langen Atem, den man dabei braucht.

Nach zehn Jahren etwa hat man im jährlichen Durchschnitt etwa 100 Eicheln pro Baum, die man für Saatgut verwenden kann. Die Bundesrepublik ist nicht die Erfinderin eines solchen langfristig angelegten Züchtungsprogramm. Die Skandinavischen Länder haben bei der Fichte vorgelegt und so qualitativ hochwertige Bestände gezüchtet.

Weitere und detailliertere Informationen zu dem Projekt auch auf der Homepage der Versuchsanstalt:

www.nw-fva.de

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