Pilotprojekt in Borchen mit zentraler Wärmeversorgung Auf Gastherme wird verzichtet

Borchen (WB/bel). Im neuen Baugebiet Hessenberg in Nordborchen wird ein Energiekonzept der Zukunft umgesetzt. Erstmals in Borchen wird das gesamte Baugebiet mit 50 Bauplätzen zentral mit Warmwasser versorgt. Die bislang üblichen Gasanschlüsse sind damit Vergangenheit.

Die Erschließungsarbeiten am Hessenberg haben begonnen. Erstmals in Borchen soll hier ein zentrales Blockheizkraftwerk das gesamte Neubaugebiet mit Warmwasser und Heizungswärme versorgen.
Die Erschließungsarbeiten am Hessenberg haben begonnen. Erstmals in Borchen soll hier ein zentrales Blockheizkraftwerk das gesamte Neubaugebiet mit Warmwasser und Heizungswärme versorgen. Foto: Jörn Hannemann

Der Bauausschuss der Gemeinde gab in seiner jüngsten Sitzung grünes Licht für das Vorhaben, dass von Westfalen Weser umgesetzt wird und für Borchen ein Pilotprojekt ist. Beim Neubaugebiet Springbachhöfe in Paderborn kommt ein vergleichbares Konzept der Nahwärmeversorgung zum Zuge.

Verkaufsstart von 50 Bauplätzen im April

Bereits im April mit Abschluss der Erschießung will die Gemeinde Borchen mit dem Verkauf der 50 Bauplätze beginnen. Bürgermeister Reiner Allerdissen rechnet damit, dass zumeist Einfamilienhäuser hier entstehen werden, aber auch Doppelhausbebauungen seien möglich. Um die Erschließung mit den Versorgungsleitungen schnell umsetzen zu können, wurde zum Jahresende der entsprechende Auftrag an die Energieservice Westfalen-Weser erteilt, damit über ein zentrales Blockheizkraftwerk alle Häuser bei Warmwasser und Heizung zentral versorgt werden können. Sowohl bei den Wärmekosten als auch bei den Kohlenstoffdioxidemissionen schneide dieses Konzept energieeffizienter und umweltfreundlicher ab als die herkömmlichen Gasversorgungsnetze. Bei dem Konzept haben die unterirdischen Warmwasserversorgungsleitungen eine Vorlauftemperatur von etwa 70 Grad und einen Rücklauf von 40 Grad.

Kleines Kraftwerk kann komplette Wohnsiedlung versorgen

Für die Häuslebauer gibt es keinen Anschlusszwang, gerechnet wird aber mit einer Nutzungsquote von 90 Prozent. Die Anschlüsse werden zu jedem Grundstück gelegt, und bei jeder Wohneinheit gibt es eine Übergabestation, an dem die Wärme auf einen hausinternen Wasserkreislauf übertragen wird. Damit kann auch die verbrauchte Wärmemenge mit einem Zähler ermittelt werden. Berechnet wird der Verbrauch in Kilowattstunden. Zusätzlich wird es einen Grundpreis geben, der die verbrauchsunabhängigen Kosten der zentralen Versorgung decken soll.

Wo der Standort des kleinen Kraftwerkes sein wird, ist derzeit noch offen, so der Bürgermeister. Eventuell wird er auch außerhalb des jetzigen Baugebietes liegen, um künftig auch weitere Wohnflächen zu versorgen, die im Umfeld entstehen könnten. Schließlich sei dieser östliche Teil Nordborchens ein zentrales Potenzial für die weitere Wohnbauentwicklung. Dies beinhalte auch die Überlegungen für eine neue Erschließungsstraße (wir berichteten mehrfach).

Verbraucher können sich Energieversorgung aussuchen

Wer dennoch unabhängiger bei der Energieversorgung sein möchte, hat ebenfalls Alternativen. So können Wärmepumpen oder Pelletkessel geplant und verbaut werden. Wer das Wärmeversorgungsnetz aber nutzen will, ist nach Angaben aus dem Haus Westfalen Weser aber auch daran gebunden. Versorgerwechsel wie bei bisherigen Gasthermenutzungen seien dann nicht mehr möglich.

Offen bleibt beim Neubaugebiet allerdings noch die Verkehrserschließung über eine zweite Straße. Sie ist umstritten. Während der Planer unter Berücksichtigung der zu erwartenden Verkehrsprognose eine Erschließung des Baugebietes nebst neuem Kindergarten über die Kreuzricke als ausreichend erachtet, setzte die neue Jamaica-Koalition im Borchener Rat (CDU/GRÜNE/FDP/FWB) die erneute Prüfung einer zweiten Zufahrt insbesondere über den Dahlberg oder alternativ über den Anhalter Weg durch (wir berichteten am 11. November). Beim Dahlbergweg würde allerdings die Zufahrt direkt zwischen HoT und Sportplatz führen, und außerdem müsste dann die gerade neue gebaute Bushaltestelle wieder abgebaut und versetzt auf der Bergspitze neu gebaut werden. Auch über einen Kreisverkehr müsse dann nachgedacht werden, so die Verwaltung.

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