Demenz-Parcours macht Station in Haaren und Fürstenberg Alltag voller Hindernisse

Bad Wünnenberg-Haaren (WB). Der Alltag von Menschen mit Demenz ist voller Hindernisse, der Umgang mit ihnen oft schwierig. Einen Einblick in diese Welt vermittelt der Demenz-Parcours, der zurzeit im Haus Emma Rose in Haaren und dann im Haus St. Clemens in Fürstenberg zu erleben ist.

Der Demenz-Parcours ist ganz schön schwierig: Pflegedienstleiter Hans-Josef Krois probiert eine Station aus, Unterstützung leisten ihm (von links) Stephan Ihmor, Einrichtungsleitung, der Vorsitzende des Caritasrats, Ludger Eilhard-Chrobak, Referentin Anne Blank, Caritas-Vorstand Antje Blettermann sowie Fachbereichsleitung Stephanie Neumann.
Der Demenz-Parcours ist ganz schön schwierig: Pflegedienstleiter Hans-Josef Krois probiert eine Station aus, Unterstützung leisten ihm (von links) Stephan Ihmor, Einrichtungsleitung, der Vorsitzende des Caritasrats, Ludger Eilhard-Chrobak, Referentin Anne Blank, Caritas-Vorstand Antje Blettermann sowie Fachbereichsleitung Stephanie Neumann.

»Das gibt es doch gar nicht«, sagt Carina Gläßgen, als sie versucht, ein Spielzeugauto über eine Straße zu steuern, die auf ein Blatt Papier gezeichnet ist. Doch der kleine Wagen kommt immer wieder von der Fahrbahn ab. Carina Gläßgen hört sich frustriert an. Das Spielzeugauto steht in einer Kiste und ist nur über einen Spiegel, also spiegelverkehrt, zu sehen. Das macht die Sache schwierig. Nichts funktioniert so, wie es sollte. Der »Fahrtest« ist eine von 13 Stationen des Demenz-Parcours, den der Caritasverband für das Dekanat Büren im Haus Emma Rose vorgestellt hat. An anderen Stationen scheiterte der Versuch, mit Messer und Gabel zu essen oder einen Kittel mit dicken Schutzhandschuhen zuzuknöpfen.

Die Caritas-Fachbereichsleitung Stationäre Dienste, Stephanie Neumann, und Stephan Ihmor, Einrichtungsleitung im Haus Emma Rose, hatten den Parcours nach Haaren geholt. Sie versprechen sich Lerneffekte selbst bei erfahrenen Pflegekräften oder Angehörigen, die einen Menschen mit Demenz pflegen. »Das Thema ist von allgemeinem Interesse«, weiß Caritas-Vorstand Antje Blettermann. Allein in NRW leben 300.000 Menschen mit Demenz.

Der Demenz-Parcours erlaube den Teilnehmern einen Blick in die Welt von Menschen mit dieser Erkrankung. Die einfachsten Aufgaben werden zu Problemen. Deshalb sind sie gereizt, wütend oder haben Angst vor der Herausforderung. Pflegekräfte und Angehörige von Menschen mit Demenz sind oft in der Situation derjenigen, die im Umgang mit Menschen mit Demenz von außen nach innen schauen. Sie können fühlen oder vermuten, wie es dem anderen geht. Wissen können sie es nicht. Das geht auch Carina Gläßgen so. Sie leitet die Tagespflege der Caritas in Büren. Mit Demenzerkrankten umzugehen, gehört zu ihrem Alltag. Doch gegen die Frustration und den Ärger über das Spielzeugauto kann sie sich nicht wehren.

Fachärztin Anne Blank hatte erklärt, wie Verwirrung, Desorientierung und daraus folgend Wut und Angst das Leben von Menschen mit Demenz bestimmen. Blank ist seit acht Jahren Oberärztin der Gerontopsychiatrischen Ambulanz in Paderborn. Menschen mit Demenz brauchen vor allem Verständnis, aber auch feste Routinen, die den Alltag durchziehen und Sicherheit bringen, sagte sie im Haus Emma Rose.

Demenzkranke davon zu überzeugen, dass ihre Wahrnehmung der Realität falsch ist, habe wenig Aussicht auf Erfolg. Jeder Mensch habe seine eigene Wirklichkeit. Das gelte noch stärker für Menschen mit Demenz. »Man muss den Anderen so akzeptieren, wie er ist. Bei Demenz kommt es auf Offenheit und Gelassenheit an«, sagt Anne Blank.

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