Bücherinsel oft vollgestopft: Heimatverein findet viel Unbrauchbares Weitergeben statt entsorgen

Bad Wünnenberg (WB). Brehms neue Tierenzyklopädie in zwölf Bänden, ein Buch zur Haushaltsführung aus den 1950er Jahren und Fachliteratur für Ingenieure von 1975: Regina Neumann hat schwer zu schleppen, wenn sie die Regale in der zur Bücherinsel umfunktionierten alten Telefonzelle in Bad Wünnenberg aufgeräumt hat.

Von Marion Neesen
Kaputte, dreckige und uralte Bücher finden Dagmar Leven-Tietze (links) und Regina Neumann jede Woche in der zur Bücherinsel umfunktionierten Telefonzelle.
Kaputte, dreckige und uralte Bücher finden Dagmar Leven-Tietze (links) und Regina Neumann jede Woche in der zur Bücherinsel umfunktionierten Telefonzelle. Foto: Neesen

Körbe und Kisten voll gepackt mit Büchern, die offenbar eher entsorgt als an Zweit- und Drittleser weitergegeben werden sollen, verstopfen die gelbe Zelle. So war das eigentlich nicht gedacht, als der Heimatverein Ende 2016 die Bücherzelle im Aatal in der Nähe des Wohnmobilhafens eröffnete. »Bücher sind teuer. Nicht jeder kann sich ständig neue Literatur leisten. Außerdem ist es ein Beitrag zum Umweltschutz, wenn Bücher mehrmals gelesen werden«, erläutert Dagmar Leven-Tietze, Schriftführerin des Heimatvereins die Idee, die hinter dem Projekt steckt. Ein- bis zweimal in der Woche muss Regina Neumann nun Ordnung schaffen, gammelige und kaputte Bücher über die blaue Tonne entsorgen.

Ungewollte Bücher

»Die Bücherinsel ist zum beliebten Treffpunkt geworden. Jung und Alt können sich hier bedienen, etwas herausnehmen oder Bücher hineinstellen, auf der Bank daneben Platz nehmen und ins Gespräch kommen«, ist Dagmar Leven-Tietze begeistert, wie gut die Büchertauschbörse angenommen wird. Doch in jüngster Zeit würden vermehrt Bücher dort hineingestopft, die vermutlich niemand mehr will. »So wird es unübersichtlich und man findet nichts mehr«, ergänzt Regina Neumann, »wir wollen die Messlatte gar nicht so hoch legen, ein Eselsohr im Buch ist kein Problem. Aber manche Bücher sind wirklich dreckig und speckig. Die möchte keiner mehr in die Hand nehmen.«

Keine Ablage für nicht mehr lesbare Bücher

Die Stadt Bad Wünnenberg hatte der Einrichtung der Bücherinsel seinerzeit unter der Voraussetzung zugestimmt, dass sich der Heimatverein auch darum kümmert. »Wir machen das im Ehrenamt. Aber wenn wir jede Woche kistenweise Bücher entsorgen müssen, wird das zuviel«, sagt Regina Neumann. Die Mitglieder des Heimatvereins appellieren an alle Nutzer, nicht mehr lesbare Bücher selbst zu entsorgen.

Denn schließen wollen sie die Telefonzelle keinesfalls. »Die Freude darüber, dass Jung und Alt hier zusammenkommen und der Ort zur Kommunikationsstätte geworden ist, überwiegt«, stellt Dagmar Leven-Tietze deutlich klar.

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