Kulturausschuss schickt Denkmalbereichssatzung für die Auguste auf den Weg Gordischer Knoten wird gelöst

Bad Lippspringe (WB/bel). Das »Herz« der Auguste soll auch kommenden Generationen erhalten bleiben. Der Kulturausschuss der Stadt Bad Lippspringe brachte am Mittwochabend eine Denkmalbereichssatzung auf den Weg, die wesentliche Bereiche der Klinik nebst Umfeld dauerhaft erhalten soll. Gleichzeitig sind aber auch Umbauten und Veränderungen an Gebäuden und auf dem Areal möglich.

Die erhaltenswerten Elemente im Entwurf der Denkmalsbereichssatzung. Im Süden kann die Wohnbebauung stattfinden, es muss allerdings die Sichtachse zur Vom-Stein-Straße bleiben. Im nördlichen Bereich ist mit Ausnahme des Wirtschaftsgebäudes viel möglich, ebenso wie im Gesamtkomplex. Mit in den Satzungsbereich hineingenommen wurden die beiden Häuser des Chefarztes und des Schriftführers des Heilstättenvereins, Prof. Rapmund.
Die erhaltenswerten Elemente im Entwurf der Denkmalsbereichssatzung. Im Süden kann die Wohnbebauung stattfinden, es muss allerdings die Sichtachse zur Vom-Stein-Straße bleiben. Im nördlichen Bereich ist mit Ausnahme des Wirtschaftsgebäudes viel möglich, ebenso wie im Gesamtkomplex. Mit in den Satzungsbereich hineingenommen wurden die beiden Häuser des Chefarztes und des Schriftführers des Heilstättenvereins, Prof. Rapmund. Foto: Büro Astoc

Im vergangenen Jahrzehnt blieb der Konflikt zwischen Erhalt, Denkmalschutz und Abriss ungelöst. Bis zum Landesministerium nach Düsseldorf zogen die Beteiligten, allerdings ohne konkretes Ergebnis.

Mehrheitlich verabschiedete der Kulturausschuss jetzt jedoch die Offenlegung der 70-seitigen Satzung für die erste Bürgerbeteiligung. Die Satzung, die von Planerin Dipl.-Ing. Architektin Heike Kussinger-Stanković aus Aachen vorgestellt wurde, enthält die Grundzüge der Planungsmöglichkeiten, damit Kernbereiche des historischen Gebäudes dauerhaft erhalten werden können. So muss unter anderem die südliche Hauptfassade des 270 Meter langen Gebäudes weitgehend erhalten bleiben und auch das Wirtschaftsgebäude im Norden mit seinem Turm. Besonderen Schutz genießt zudem die Parkanlage in den Flächen vor der Klinik mitsamt der Sichtachse bis zur Grabanlage von Prof. Dr. med. Otto Rapmund.

Ungenaue Satzung

Die Grundzüge der Satzung seien mit dem Amt für Denkmalschutz abgestimmt, unterstrich Stanković. Die Satzung lässt aber zugleich auch offen, dass in der Substanz Änderungen vorgenommen werden. »Dazubauten sind möglich«, unterstrich die Planerin, wenn sie in Absprache mit dem Denkmalschutz das Gesamtbild der historischen Anlage nicht beeinträchtigen. Darauf nehme beispielsweise der Bebauungsplan 64 a mit seiner geplanten Wohnbebauung parallel zur Vom-Stein-Straße bis zum Parkplatz Friedhof bereits Rücksicht. Hier sind insgesamt etwa 50 Häuser geplant und einige Mehrfamilienhäuser. In dem Bebauungsplan seien bereits helle Putzfassaden, Durchgrünung und eine Anpassung der Dächer an die Dachkonstruktion der Klinik mit ihrer roten Eindeckung festgeschrieben. Diese enge Abstimmung mit dem Denkmalschutz gelte für das gesamte Areal der Auguste mit etwa 82.000 Quadratmetern. Bereits herausgenommen worden sei aus dem Satzungsbereich in Absprache mit dem LWL die kleine Spitze beim östlichen Friedhofsparkplatz, wo künftig der Wohnmobilplatz angesiedelt werden soll. Nicht schützenwert sei beispielsweise auch die alte Schule.

Über diverse Anbauten am Hauptgebäude im nördlichen Bereich könne man sicherlich reden, auch über eine Freilegung der insgesamt 16 Liegehallen, die sich zwischen den Hauptgebäuden befanden und zugemauert wurden. Beim Gesindehaus sah die Architektin keine Abgängigkeit des Gebäudes. Zu erhalten sei hier beispielsweise die äußere Form mit Turm, im Kern könnten hingegen Umbauten stattfinden. Ausschussvorsitzender Markus Wille führte hier beispielsweise die Paderborner Stadtbibliothek an. Beim nördlichen Bereich der Hauptgebäude sei, so Kussinger-Stanković, eher ein »Sammelsurium« vorhanden. Auch einige Anbauten seien sicherlich nicht schützenswert. Die Satzung reduziere sich letztlich auf das Grundsätzliche, damit alles noch »händelbar« bleibe.

Fülle von Gestaltungsmöglichkeiten

Für die Stadt Bad Lippspringe führte Bauamtsleiter Ferdinand Hüpping in der Diskussion aus, dass der derzeitige Satzungsentwurf auch der Stadt eine Fülle von Gestaltungsmöglichkeiten gebe. Natürlich könne man im Auguste-Saal nicht einfach eine Zwischendecke einziehen, aber auch nicht jeder Handschlag sei mit dem Denkmalschutz abzustimmen. Im Gegensatz zur bisherigen jahrelangen Diskussion habe man mit der jetzigen Satzung eine »geschmeidige« Lösung. Letztlich habe man beim Hauptkomplex sieben Einzelkörper, die in der Satzung auch »aufgebröselt würden«. Dies ergebe eine Fülle von Gestaltungsvarianten.

Grundsätzlich gegen jegliche Satzung sprach sich CDU-Ratsherr Heinrich Strate aus: »Wenn wir das Ding an die Backe kriegen, dann sind wir pleite!« Auch Spielplätze oder das Freibad könnten dann nicht mehr erhalten werden.

Dieter Bursch von der Linken wiederum befürchtete, dass durch diese Satzungsform »zuerst abgerissen und dann der LWL benachrichtigt wird.« Norika Creuzmann von den Grünen sah im Satzungsentwurf einen guten Zwischenweg: Viele Bad Lippspringer wollten die Auguste erhalten, jetzt würden Möglichkeiten eröffnet. Die öffentliche Auslegung der Satzung muss jetzt noch der Rat am 21. März beschließen.

Kommentar von Bernhard Liedmann

Flexibilität kennzeichnet den ersten Entwurf der Satzung für das Auguste-Areal, den Bad Lippspringes Bauamtsleiter auch mit dem Begriff »Geschmeidigkeit« belegte. Bis zum Beschluss ist es sicherlich noch ein langer Weg, und auch Modifizierungen sind möglich. Ablehner und Befürworter erhalten Gestaltungsmöglichketen. Ob jemand gewonnen oder verloren hat, ist jedoch nicht entscheidend. Entscheidend ist, dass nach einer jahrelangen Diskussion mit den starren Fronten »Total-Erhalt« und »Komplett-Abriss« endlich Bewegung hineinkommt. Auch für die Zukunftsplanung der Stadt.

Auch die erfahrene und renommierte Planerin Heike Kussinger-Stanković gab zu zahlreichen Planvarianten und Gestaltungsmöglichkeiten die Grundsatz-Devise aus: »Da kann man mal gucken«. Vielleicht sollte jetzt eine lange Lebensweisheit von Eltern Anwendung finden: »Was kommt, wird gewickelt!«

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