Georg Heukamp und seine Mitstreiter packen in einem der ärmsten Länder der Welt an Rentner sanieren Schule in Nicaragua

Bad Lippspringe (WB). Nicaragua ist ein Land der großen Gegensätze: Der Glitzerwelt von Managua, der pulsierenden Hauptstadt, stehen nur etwa eine Autostunde entfernt die Armenviertel von Masaya gegenüber. »Und dennoch habe ich nie zuvor so viel Herzlichkeit und Lebensfreude erlebt wie hier«, sagt Georg Heukamp aus Bad Lippspringe.

Von Klaus Karenfeld
Halfen drei Wochen in Nicaragua (von links): Peter Schlangenotto, Hermann Altemeier, Georg Heukamp, Hans Friedrich Ludmann, Raphael Athens, Josef Niehoff, Schulleiterin Heidy del Socorro, Heiner Buss, Benno Schulte und Josef Thomas. Es fehlt Reinhard Fiege.
Halfen drei Wochen in Nicaragua (von links): Peter Schlangenotto, Hermann Altemeier, Georg Heukamp, Hans Friedrich Ludmann, Raphael Athens, Josef Niehoff, Schulleiterin Heidy del Socorro, Heiner Buss, Benno Schulte und Josef Thomas. Es fehlt Reinhard Fiege.

Gemeinsam mit zehn Rentnern half er, ein in die Jahre gekommenes Schulgebäude in Masaya zu sanieren. Ein dreiwöchiger Arbeitseinsatz in Nicaragua will gut vorbereitet sein. Die Infrastruktur in einem der ärmsten Länder der Welt lässt aus mitteleuropäischer Sicht sehr zu wünschen übrig. In Monimbo, dem Armenviertel von Masaya, gibt es beispielsweise nur unregelmäßig Wasser.

Mit diesen und vielen anderen Informationen über Land und Leute im Gepäck bestiegen die elf Senioren das Flugzeug Richtung Nicaragua – begleitet mit den besten Wünschen des Kolping-Diözesanverbandes Paderborn, dem Initiator der Reise.

Finanzielle Probleme

In Masaya gibt es drei Schulen, eine davon ist das »Colegio Adolfo Kolping«. Die Volksschule besuchen aktuell etwa 80 Jungen und Mädchen. Die Eltern zahlen ein kleines Schulgeld. Finanzielle Probleme gab und gibt es immer wieder. »Viele Lehrer müssen ihr Einkommen mit einen Zweitjob aufbessern, kein Wunder bei einem Gehalt, das mit etwa 125 Euro im Monat nur schmal bemessen ist«, weiß Heukamp zu berichten. »Für die Sanierung des alten Schulgebäudes fehlte da natürlich auch das Geld.«

Die Nachricht, dass ein Helferteam aus Deutschland anreisen würde, verbreitete sich schnell vor Ort. Aufnahme fanden die Gäste bei den Familien des Lehrerkollegiums. »Gastfreundschaft wird hier groß geschrieben«, betont Heukamp. »Und natürlich haben wir auch das sehr leckere Nationalgericht Gallo Pintos (Reis mit Bohnen, Anm. der Redaktion) probiert.«

Die elf Rentner haben ein langes wie bewegtes Arbeitsleben hinter sich, ob als Tischler, Maler oder Installateur. Der eine oder andere ist sogar Meister seines Fachs, darunter auch zwei »Bürger-Meister«. Das dreiwöchige Arbeitsprogramm war eng abgesteckt. Zumindest zwei Klassenräume sollten in dieser Zeit komplett saniert werden – vielleicht auch mehr. Und tatsächlich gab es einiges zu tun im Colegio Adolfo Kolping. Marode Türen und Fenster mussten umfassend aufgearbeitet werden, ebenso die in die Jahre gekommenen Holz- und Steinwände. Neue Leuchtstoffröhren sollen für ein angenehmes Licht in den Klassenzimmern sorgen. Auf den Prüfstand kam auch die Elektrik.

Sanierungsbedürftige Sanitäreinrichtungen

Kopfzerbrechen bereitete den Handwerkern der Zustand der Sanitäreinrichtungen. »Hier war wirklich Eile geboten«, sagt Heukamp. Nicht nur neue Toiletten und Waschbecken wurden installiert. Es gab noch ein anderes, dringenderes Problem. Denn die Schule liegt in einem Stadtteil, so Heukamp, in dem es nur etwa alle zwei bis drei Tage fließend Wasser gibt. Und das auch nur nachts.

Doch Not macht bekanntlich erfinderisch. Bisher ließ die Hausmeisterin der Schule das ankommende Wasser in ein großes Bassin laufen. Das Wasser schöpfte sie dann in Eimer und brachte es in die Toiletten. »Das sollte natürlich kein Dauerzustand bleiben«, waren sich die Helfer aus Deutschland einig. Ein 2500 Liter fassendes Bassin wurde angeschafft und mit einer Druckpumpe verbunden. Über die reparierten Leitungen gelangt das Wasser seitdem direkt in die Toilettenräume.

Die elf Rentner fanden schnell Unterstützung. Das Lehrerkollegium war ebenso eifrig bei der Sache wie eine Gruppe Jugendlicher der örtlichen Kolpingfamilien. »Unser Plan, den Menschen vor Ort Hilfe zur Selbsthilfe zu geben, ging auf«, freut sich Heukamp rückblickend. Am Ende der drei Wochen gab es eine kleine Dankesfeier. Bevor die Senioren-Gruppe ihre Heimreise nach Deutschland antrat, konnte sie sogar vier komplett sanierte Klassen und das vollständig sanierte Toilettengebäude an das Lehrerkollegium und an die 80 Schüler übergeben. Besonders freuten sie sich, dass die übrigen fünf Klassenzimmer, deren Renovierung ebenfalls begonnen wurde, durch die Lehrer in den darauffolgenden Wochen komplett erneuert werden konnten.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.