Bad Lippspringer Gemeinde St. Martin übergibt Gotteshaus an neue Eigentümer Abschied von St.-Maximilian-Kirche

Bad Lippspringe (WB/MH). Wenn eine Wohnung den Besitzer wechselt, dann ist das keine große Sache. Möbel einpacken, ausziehen, der neue Eigentümer zieht ebenso geräuschlos ein. Wenn eine Kirche den Besitzer wechselt, geht der Prozess nicht ganz so geräuschlos vonstatten. Nach 18 Jahren wurde die Kirche St. Maximilian in Bad Lippspringe aufgegeben.

Mit einem feierlichen Gottesdienst nahm die Bad Lippspringer Kirchengemeinde Abschied von St. Maximilian. Das Gotteshaus war 1999 eingeweiht worden und sollte ein Zeichen des Glaubens in den Neubaugebieten der Stadt im Nordosten sein. Jetzt ist sie Kirche der russisch-orthodoxen Kirchengemeinde.
Mit einem feierlichen Gottesdienst nahm die Bad Lippspringer Kirchengemeinde Abschied von St. Maximilian. Das Gotteshaus war 1999 eingeweiht worden und sollte ein Zeichen des Glaubens in den Neubaugebieten der Stadt im Nordosten sein. Jetzt ist sie Kirche der russisch-orthodoxen Kirchengemeinde. Foto: Marc Heinemann

Am Sonntagabend feierten die Bad Lippspringer Pfarrgemeinde St. Martin und die neue Eigentümer, die russisch-orthodoxe »Gemeinde zu Ehren der wundertätigen Gottesmutter-Ikone Feodorowskaja«, einen gemeinsamen Gottesdienst in der St.-Maximiliankirche.

Im voll besetzten Kirchenraum blickte Pfarrer Georg Kersting dabei noch einmal auf die Geschichte der Filialkirche zurück: »Die Kirche hat beim Bau die Gemeinde auch gespalten. Umso schöner ist, dass diese Spaltung mit der Zeit überwunden wurde und das Gotteshaus nun sogar ein Ort ist, in dem Religionen enger zusammenrücken.«

Pater Peter Hellensberg (links), Diözesanpräses Sebastian Schulz und Pfarrer Georg Kersting (hinten) nahmen bereits sakrale Gegenstände für das Abendmahl aus dem Tabernakel mit. Foto: Marc Heinemann

Zum Verkauf kam es, da das Erzbischöfliche Generalvikariat in Paderborn der Bad Lippspringer Gemeinde geraten hatte, sich räumlich zu verkleinern. »So können die Kirchengemeinde St. Martin und der pastorale Raum künftig die Aufgaben und Herausforderungen konzentrierter bewältigen«, sagte Pfarrer Kersting.

Pfarrer Kersting: »Es ist nun Zeit, nach vorne zu schauen«

Die »Gemeinde zu Ehren der wundertätigen Gottesmutter-Ikone Feodorowskaja«, deren Mitglieder und Chor ebenso zahlreich bei dem Gottesdienst vertreten waren, wird die nun verkaufte Kirche an Aschermittwoch übernehmen. So lange dauert es noch, sie zu räumen. Der Altar und der Tabernakel werden vom Erzbistum Paderborn zunächst eingelagert, bis sie an einem anderen Ort gebraucht werden. Das Kreuz kommt im Pfarrheim St. Martin unter, die Orgel findet in der alten Kapelle unterhalb des Viadukts in Altenbeken einen neuen Platz. Die Maximilian-Figur soll in der unmittelbaren Nachbarschaft des Martinskindergartens aufgestellt werden.

In die Kita kommen auch die Krippenfiguren. »Die Gemeinde ist an den Sonntagen herzlich eingeladen, die Gottesdienste in Schlangen zu besuchen. Ab dem 11. März wird der Abendgottesdienst auch wieder in der Pfarrkirche St. Joseph in Padeborn-Marienloh gefeiert. Es ist nun Zeit, nach vorne zu schauen«, schlug Pfarrer Kersting das Kapitel Filialkirche St. Maximilian schließlich zu.

Schon seit 2015 Verhandlungen

Dezember 1999 war die neue Kirche mit ihren 150 Sitzplätzen feierlich durch Weihbischof Heinz-Josef Algermissen geweiht worden. Der Altar wurde gesalbt, und in den Fuß des Altares wurden Reliquien eingelassen. Der Bau der neuen Kirche unter der Regie des damaligen Pfarrers Johannes Tanger für etwa eine Million Euro war nicht unumstritten: Höhepunkt der kontroversen Diskussion über die Notwendigkeit des Neubaus war die mehrtägige Mahnwache des damaligen Vikares Ulrich Radke vor dem Rohneubau. Er kritisierte seinerzeit den Bau der Kirche als nicht notwendig. Seine Mahnwache gab er schließlich auf Wunsch des damaligen Erzbischofs Dr. Johannes Joachim Degenhardt auf. Zu den Baukosten trug die Kirchengemeinde St. Martin etwa 340.000 Euro bei. Vor den Neubau der Kirchen war regelmäßig ein Gottesdienst im benachbarten Kindergarten gefeiert worden.

Schon 2015 begannen die Verhandlungen der Kirchengemeinde mit der russisch-orthodoxen Gemeinde, die seit Längerem auf der Suche nach einer eigenen Kirche war. Die Gottesdienste in St. Maximilian am Mittwoch- und Sonntagabend waren immer gut besucht, doch mit der Neuordnung der pastoralen Räume kam auch vom Erzbischöflichen Generalvikariat der Rat an die Pfarrgemeinde, sich zu verkleinern. Nach intensiven Beratungen schlossen sich schließlich auch Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat dieser Auffassung an.

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