Truppenübungsplatz Senne: Verein mahnt Schutz der Waldflächen an Mehr als nur blühende Heide

Bad Lippspringe (WB). Weil die britischen Soldaten voraussichtlich abziehen, fordert der Förderverein Nationalpark Senne-Eggegebirge »Prozessschutz« für die Waldflächen auf dem Truppenübungsplatz. »Prozessschutz« bedeutet, dass die Bäume sich selbst überlassen und der Forstwirtschaft entzogen wären. »Der Naturschatz Senne muss erhalten bleiben und die Waldflächen müssen gefördert werden« , sagte die Vorsitzende des Vereins, Erdmute von Voi­thenberg, gestern in Bad Lippspringe bei der Präsentation der Broschüre »Naturerbe Senne«.

Von Dietmar Kemper
Der Truppenübungsplatz Senne im September 2016.
Der Truppenübungsplatz Senne im September 2016. Foto: Jörn Hannemann

Unterstützung aus ganz Deutschland

In ihr sind zwei neue Gutachten zusammengefasst, die der Verein mit Unterstützung der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF), der Stiftung Umwelt und Entwicklung (SUE) in Bonn und die Stiftung für die Natur Ravensberg in Auftrag gab. »Die Senne wird oft nur als Heidelandschaft wahrgenommen, aber sie ist viel mehr«, sagte der Gutachter Günter Bockwinkel (NZO GmbH) aus Bielefeld. Eine Vielzahl unterschiedlicher Waldlebensräume präge das fast 11.000 Hektar große Gebiet: Buchenwälder und alte bodensaure Eichenwälder gehörten genauso dazu wie Moorwälder, Baumbestände auf Talsohlen und an Gewässerböschungen sowie Wälder mit einem Reichtum an Beeren oder mit Echtem Faulbaum und Eberesche. Trotz der immensen Bedeutung der Waldflächen und der Tatsache, dass sie etwa 60 Prozent des Truppenübungsplatzes ausmachen, seien bis heute nicht mal die bereits naturnahen Wälder als Prozessschutzzone ausgewiesen. »Die großflächigen Kiefern- und Kiefernmischwälder des Übungsplatzes sind im Begriff, sich zu reinen Holzplantagen zu entwickeln«, wird im Gutachten kritisiert.

Fritz Trillmich, Erdmute von Voithenberg und Günter Bockwinkel (von links) mit der neuen Broschüre. Foto: Dietmar Kemper

Zu viel Holz

Angeblich werden im Jahr 19.000 Festmeter Holz auf dem Truppenübungsplatz geerntet. Zu viel, meint Gutachter Bockwinkel und spricht von einer »außergewöhnlich hohen Bewirtschaftungsintensität« der Bundesimmobilienanstalt. Vom Einsatz von Vollerntern (Harvestern), der Bildung von Rückegassen und der starken »Auflichtung« der Bestände profitiere nur die aus Nordamerika eingewanderte, unerwünschte, weil stark wuchernde Spätblühende Traubenkirsche. »In der Senne sind Offenlandflächen mit Wäldern verzahnt – die dadurch entstehenden Ränder sind für die Tiere und Pflanzen ein ganz wesentlicher Schatz«, betonte der Vorsitzende des Fördervereins, Fritz Trillmich. Die neuen Gutachten sollen jetzt mit zuständigen Stellen diskutiert werden.

Der Förderverein befürchtet, dass die Kommunen mit Blick auf den Abzug der Briten bereits Gewerbeflächen planen könnten. Um das zu verhindern, schlägt er vor, den Truppenübungsplatz Senne in das Programm »Nationales Naturerbe« des Bundes aufzunehmen. Die neue Broschüre liegt unter anderem im Prinzenpalais in Bad Lippspringe aus und steht auch unter

www.np-senne.de

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