Hobby-Paläontologe Michael Mertens aus Schwaney fand einmaliges Relikt Saurier trägt seinen Namen

Altenbeken (WB). Er ist 201 Millionen Jahre alt und trägt fortan den Namen eines Schwaneyers: der »Rhaeticosaurus Mertensi«, ein Plesiosaurier aus dem Erdzeitalter der Trias. Entdeckt wurde er von Michael Mertens (52) aus Schwaney, der als Hobby-Paläontologe vor vier Jahren diesen einmaligen Fund in einem Steinbruch bei Warburg machte.

Der älteste Plesiosaurier der Welt trägt den Namen von Michael Mertens aus Schwaney. Bei der wissenschaftlichen Erforschung des »Rhaeticosaurus mertensi« war auch Tanja Wintrich vom Steinmann Institut für Geologie, Mineralogie und Paläntologie der Universität Bonn maßgebend beteiligt. Der Fund ist Teil der Dauerausstellung im Münsteraner Naturkundemuseum.
Der älteste Plesiosaurier der Welt trägt den Namen von Michael Mertens aus Schwaney. Bei der wissenschaftlichen Erforschung des »Rhaeticosaurus mertensi« war auch Tanja Wintrich vom Steinmann Institut für Geologie, Mineralogie und Paläntologie der Universität Bonn maßgebend beteiligt. Der Fund ist Teil der Dauerausstellung im Münsteraner Naturkundemuseum. Foto: Georg Oleschinski

Die etwa 2,37 Meter lange Paddelechse hat nach umfangreichen Untersuchungen jetzt ihren offiziellen wissenschaftlichen Namen erhalten und ist im Naturkundemuseum in Münster in der Paläontologischen Landessammlung ausgestellt. »Der Name bezieht sich zum einen auf das Rhät, die Zeitstufe der Trias, in der das Fossil gefunden wurde. Zum anderen wird mit dem Namenszusatz der Entdecker, Michael Mertens geehrt«, so der LWL-Paläontologe Dr. Achim Schwermann. Die umfangreichen Untersuchungen zu dem Fund dauerten Jahre. Nach einer ersten Untersuchung in Münster erforschten Wissenschaftler der Universität Bonn eine Knochenprobe von diesem Fossil mit ihren Kollegen vom Naturgeschichtlichen Museum in Osaka, der Universität in Osaka und Tokyo sowie vom naturhistorischen Museum in Paris. Dabei wurden im Computertomografen Proben durchleuchtet und Dünnschliffe für die Mikroskopie angefertigt.

»Einfach super. Davon träumt jeder Sammler«, freut sich auch der Finder aus Schwaney über diese Namengebung. Sie ist überaus selten und passiert vielleicht alle 25 Jahre, sagt auch das LWL-Museum.

»Als Kind war ich natürlich Dino-Fan und in den Steinbrüchen der Region unterwegs«, sagt Mertens. Seit vielen Jahren ist der hauptberufliche Fleischer zur Entspannung in Kooperation mit dem LWL als ehrenamtlicher Mitarbeiter in Steinbrüchen unterwegs, um nach Fossilien zu suchen. Der gebürtige Bad Lippspringer, der 2009 nach Schwaney zog, hat als »Forschungsraum« einen Radius von 70 Kilometern rund um seinen Wohnort in den Kreisen Paderborn, Höxter und Lippe. Einige hundert Fossilien, zumeist kleine Objekte, hat er bereits gefunden und sie in seine private Sammlung aufgenommen. Der Sprung ins Museum wie in diesem Fall ist die absolute Ausnahme.

»Immerhin habe ich davon ein Replikat«, berichtet er. Und eine Arbeitskollegin hat ihm als kleine Anerkennung eine kleine Echse in Blau gestrickt, die ebenfalls in seiner Privatsammlung einen Platz gefunden hat.

LWL-Dino-Experte Schwermann abschließend zu dem Fund: »Es ist das erste vollständige Skelett eines Plesiosauriers aus der Trias, also mehr als 200 Millionen Jahre alt. Von besonderer Bedeutung ist, dass die Plesiosaurier damit eins der größten Massen­aussterbe-Ereignisse der Erdgeschichte am Übergang von der Trias zum Jura überlebt haben. Bislang ging man davon aus, dass sie erst danach die Weltbühne betreten haben.« Alle bisher bekannten Plesiosaurier-Funde seien jünger und stammten aus Jura- oder Kreidezeit.

Mit Abschluss der Untersuchung der neuen Art und Gattung wurde dem Fossil dann der wissenschaftliche Namen gegeben.

LWL-Museumsdirektor Dr. Jan Ole Kriegs unterstrich bei der Namensverleihung die Bedeutung des Fundes und der Arbeit der Hobby-Paläontologen: »Dank des Engagements von Michael Mertens konnte dieser seltene Fund für die Menschheit und die Wissenschaft gerettet werden.«

Die damalige »Rettungsaktion« war auch einmalig: Nachdem Mertens zunächst die versteinerte Wirbelsäule in einer Tongrube bei Warburg-Bonenburg entdeckt hatte, wurde das Fossil zunächst freigelegt. Zur ersten Konservierung des Fundes wurde eine Schicht Kunstharz verstärkt mit Glasfasermatten aufgetragen. anschließend wurde der Block mit einem Gewicht von zwei Tonnen geborgen und im Museum in Münster untersucht. Dabei stellte sich die Einzigartigkeit des Fundes heraus.

Die längst ausgestorbenen Paddelechsen vollführten in den Weiten des Weltmeeres den sogenannten Unterwasserflug. Sie ruderten dabei nicht kräftezehrend gegen das Wasser an, sondern schwebten elegant wie mit Flügeln dahin, so die Forscher.

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