NRW-Flüchtlingsministerium befürchtete Anschlag – hilflose Eltern hatten sich bei Polizei gemeldet Radikalisierter Türke (21) aus Altenbeken abgeschoben

Altenbeken (WB). Die türkischen Eltern wandten sich an die Polizei, aber auch die konnte ihren Sohn nicht von seinem Weg abbringen: Ein junger Mann aus Altenbeken hat sich nach dem Abitur radikalisiert. Weil das NRW-Flüchtlingsministerium fürchtete, er könne einen Anschlag begehen, wurde Ahmet Y. (21) jetzt in die Türkei abgeschoben.

Von Christian Althoff
Ahmet Y. aus Altenbeken in der Bielefelder Fußgängerzone beim Verteilen von Koranen.
Ahmet Y. aus Altenbeken in der Bielefelder Fußgängerzone beim Verteilen von Koranen.

Ahmet Y. wurde in Paderborn geboren und besuchte das Gymnasium in Bad Driburg. Er spielte von 2009 bis 2013 Fußball beim SC Paderborn und plante ein Informatik-Studium.

Doch nach dem Abitur 2014 gab er sein bisheriges Leben auf. Er besuchte eine arabische Moschee in Paderborn, in der Salafisten verkehren, engagierte sich an der Koran-Verteilaktion »Lies!« in Bielefeld und heiratete 2015 nach islamischem Recht. An der Hochzeitsfeier sollen nur vier Gäste teilgenommen haben, darunter ein Mann, der nach Einschätzung des NRW-Verfassungsschutzes junge Männer für den Kampf beim »IS« anwirbt.

Außerdem soll Ahmet Y. mehrmals den inzwischen inhaftierten Prediger Abu Waala in Hildesheim besucht haben, der im Verdacht steht, Menschen in Deutschland für den Dschihad anzuwerben.

Religiöse Kampfgesänge aus dem Zimmer des Sohnes

Die westlich orientierten Eltern kamen an ihren Sohn nicht mehr heran. Sie informierten den Staatsschutz im Bielefelder Polizeipräsidium, dass sie ständig religiöse Kampfgesänge aus dem Zimmer ihres Sohnes hörten. Der Vater gab an, Ahmet habe ihn als Ungläubigen beschimpft und der Mutter ins Gesicht geschlagen.

Als Ende 2016 der Sohn von Ahmet Y. und seiner Frau geboren wurde, traf der junge Vater auf der Entbindungsstation zufällig eine türkische Jesidin. Er soll ihr gegenüber drei Mal das Durchschneiden der Kehle angedeutet haben.

Die Frau soll es aber aus Todesangst abgelehnt haben, Anzeige zu erstatten und auszusagen, weshalb ein Verfahren wegen Bedrohung gegen Ahmet Y. eingestellt werden musste.

Telefon mit »Heldenvideos« von Selbstmordattentätern

Im März 2017 flog der Türke ohne seine Frau und seinen Sohn nach Ägypten. Zuvor hatte die Bielefelder Polizei versucht, auf ihn einzuwirken – ohne Erfolg.  In Kairo verweigerten die Behörden Ahmet Y. aus Sicherheitserwägungen die Einreise .

Bei seiner Rückkehr fanden Beamte am Flughafen Frankfurt in seinem Gepäck 6000 Euro, seine Geburtsurkunde, ein Kleidungsstück mit dem »IS«-Logo und ein Handy. Auf dem Telefon waren »Heldenvideos« von Selbstmordattentätern gespeichert, aber auch brutalste Hinrichtungen. In Polizeiunterlagen heißt es, einige Videos zeigten »die Schlachtung von Menschen«.

Polizisten des Bielefelder Staatsschutzes, die Ahmet Y. aus Frankfurt abholten, notierten folgendes Zitat: »Glaubt ihr, dass ihr uns aufhalten könnt? Wir werden immer mehr.«

Außerdem soll Ahmet Y. angegeben haben, er stehe »eintausendprozentig« hinter dem »Islamischen Staat«. Man müsse doch verstehen, »wenn die Muslime mal etwas in Amerika oder Deutschland machen«.

Abschiebung als Abwehr einer terroristischen Gefahr

Im September 2017 wurde der Abiturient aus Altenbeken vor Gericht gestellt. Vor der Staatsschutzkammer des Landgerichts Dortmund wurde ihm vorgeworfen, er habe sich dem »IS« anschließen wollen. »Das Verfahren wurde jetzt eingestellt, weil der Angeklagte abgeschoben wurde«, sagte Gerichtssprecher Dr. Thomas Jungkamp.

 Das NRW-Flüchtlingsministerium hatte erstmals die Möglichkeit genutzt, einen Gefährder nach Paragraph 58a des Aufenthaltsgesetzes abzuschieben . Das ist »zur Abwehr einer terroristischen Gefahr« bei entsprechender Prognose möglich.

Die Ehefrau lebt jetzt von Ahmet Y. getrennt. Sie hat das alleinige Sorgerecht für den Sohn.

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