In der Egge ist nach Kyrill ein neuer attraktiver und robuster Mischwald entstanden Millionen Bäume sind nachgewachsen

Kreis Höxter/Kreis Paderborn  (WB). Etwa eine Million Bäume fielen vor zehn Jahren im Hochstift dem Orkan »Kyrill« zum Opfer. Ein Vielfaches davon wächst inzwischen nach. »Wir werden einen wunderschönen Mischwald haben«, bilanziert heute der Regionalforstamtsleiter Roland Schockemöhle. Auch in dem besonders betroffenen Gebiet in der Egge wächst ein neuer Wald mit Eichen, Eschen, Buchen oder Birken nach.

Von Bernhard Liedmann
Regionalforstleiter Roland Schockemöhle (links) und der damalige Revierförster Joachim Padberg mit Bildern von Aufräumarbeiten mit Harvester un dder Bürgerpflanzaktion im Eggegebirge zwischen Altenbeken und Neuenheerse.
Regionalforstleiter Roland Schockemöhle (links) und der damalige Revierförster Joachim Padberg mit Bildern von Aufräumarbeiten mit Harvester un dder Bürgerpflanzaktion im Eggegebirge zwischen Altenbeken und Neuenheerse. Foto: Bernhard Liedmann

Auch Privatleute hatten Schäden zu beklagen: Juliana (damals 9) und Fabian Markus (damals 12) zeigen den zerlegten Gartenzaum in ihrem Garten in Brakel. Foto: Frank Spiegel

Mehr als 700 Bürger haben allein hier in Baumpflanzaktionen »ihren Wald« neu angelegt. Aus den etwa 60 Zentimeter hohen Eichen-Setzlingen sind heute inzwischen 2,50 Meter hohe Bäume geworden. 20 Prozent der gesamten Waldfläche des Staatsforstes wurden durch das Unwetter sprichwörtlich weggefegt. Vor allem die Fichten mit ihren flachen Verwurzelungen wurden regelrecht aus dem Boden gerissen.

Im Revier Klusweide nahe des Eggeweges mit 1380 Hektar lagen anschließend 70.000 Festmeter Holz am Boden, im Hochstift waren es eine halbe Million. Das ist die zweifache Menge des gesamten Jahreseinschlags im Forst.

Auch der damalige Revierförster Joachim Padberg kann sich noch genau an diese Nacht und den Morgen danach erinnern. »Vor dem Sturm schloss ich alle Schranken und fuhr noch den Wald ab, damit kein Wanderer sich hier noch aufhält«, erinnert er sich. Als er mit einem Hubschrauber am Tag danach über die Egge flog, erkannt er seinen Wald nicht mehr. Ganze Regionen waren nur noch verkeilte Fichtenstämme. »Alles lag kreuz und quer durcheinander«, erinnert er sich. 250.000 Festmeter Holz hat Orkan »Kyrill« am 18. Januar 2007 im Bereich des Forstamtes Bad Driburg abgeknickt wie Streichhölzer.

Harvester im Einsatz

Für die Aufräumarbeiten kamen sogar Harvester aus Süddeutschland zum Einsatz, um schonend die Schäden zu beseitigen. Denn viele junge »Voranbauten«, junge Bäume wie Birken oder Buchen zwischen den hohen Fichten, hatten standgehalten und sollten nicht beschädigt werden. Bis heute sind die alten Rückegassen dieser tonnenschweren Geräte noch zu erkennen. Der verstärkte Einsatz von solchen Maschinen ist eine Lehre aus Kyrill. Mit solchen Harvestern können Bäume viel gezielter entnommen werden und sie beschädigen nicht nachwachsende.

Viele Bürger aus dem den Eggegemeinden waren betroffen ob der massiven Zerstörungen und wollten etwas tun. Deshalb bot das Forstamt Baumpflanzaktionen an, bei denen zum Beispiel im Bereich des Heinrich-Mertens-Platzes zwischen Altenbeken und Neuenheerse 700 Bürger und Vereine neue Bäume pflanzten und sogar individuelle Erinnerungsplaketten für jeden Baum anfertigten.

Mischung gegen neue Unwetter

Neben den Anpflanzungen holten sich auch die Pionierbaumarten wie Eschen oder Birken ihr Terrain selbstständig zurück. »Sie schützen auch die anderen Baumarten beim Anwuchs«, sagt Schockemöhle: »Schließlich brauchen auch Bäume ein Dach über dem Kopf«. Beispielsweise als Schutz vor Sonne oder Trockenheit.

Der künftige Mischwald wird auch gegen künftige Unwetter besser gefeit sein: Die Fichten hatten seinerzeit nach dem vorausgegangenen Dauerregen keinen Halt im Boden und wurden regelrecht herausgerissen. Meterhohe Wurzelballen mussten beseitigt werden. Gegen neue Unwetter macht’s die Mischung, die dem Forst mit seiner Vielfalt auch wirtschaftlich mehr Nutzen bringt. Und optisch wird der neue Wald ohnehin ein Gewinn sein.

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