Spannende Diskussion: Probleme mit Bauen und Straßen – Hebammen fehlen Noch viel zu tun im ländlichen Raum

Stemwede (fhe). Junge Leute ziehen weg, Ärzte fehlen und auch sonst machen zahllose andere Probleme das Leben auf dem Land nicht gerade leicht. Wie steht es da um die Zukunft ländlicher Räume?

Auf Einladung des Vereins »WIR in Oppenwehe« um seinen Vorsitzenden Dirk Priesmeier (rechts) haben Kai Abruszat (von links), Heidrun Diekmann, die Landtagsabgeordnete Bianca Winkelmann und Wilhelm Brüggemeier über die Zukunft des ländlichen Raums diskutiert.
Auf Einladung des Vereins »WIR in Oppenwehe« um seinen Vorsitzenden Dirk Priesmeier (rechts) haben Kai Abruszat (von links), Heidrun Diekmann, die Landtagsabgeordnete Bianca Winkelmann und Wilhelm Brüggemeier über die Zukunft des ländlichen Raums diskutiert.

Diese Leitfrage stand im Mittelpunkt einer Diskussion, zu der der Verein »WIR in Oppenwehe« eingeladen hatte. Und wer den Referenten zugehört hat, erfuhr von großen Problemen – aber auch von großen Chancen. Vieles habe sich in den vergangenen Jahren in den Dörfern verändert, meinte Dirk Priesmeier, Vorsitzender von »WIR in Oppenwehe« und zugleich Ortsheimatpfleger, in seiner Begrüßung.

»Es setzt ein Umdenken ein – Heimatministerien zeigen es«

Mit einem zufriedenen Lächeln durfte der Vereinsvorsitzende etwa 50 Gäste in den Räumen des Gasthauses Meiers Deele begrüßen, die gemeinsam mit den Referenten über die Zukunft des ländlichen Raums diskutieren wollten. Die Resonanz zeige die Wichtigkeit des Themas, meinte Stemwedes Bürgermeister Kai Abruszat (FDP) als Moderator. »Der Begriff ›Heimat‹ wird ja gerade auch wiederentdeckt«, betonte Abruszat im Hinblick auf die Schaffung von Heimatministerien in Land und Bund. »Ein Umdenken setzt da gerade ein«, pflichtete ihm auch Bianca Winkelmann bei. Die heimische CDU-Landtagsabgeordnete war neben Heidrun Diekmann (Landfrauenkreisverband Herford) und Wilhelm Brüggemeier (Vizepräsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes) eine der Referenten.

»Der ländliche Raum ist in der Politik angekommen«, sagte Winkelmann und verwies auf die zahlreichen Minister aus dem Münsterland. Auf Landesebene sind dies Hendrik Wüst, Christina Schulze Föcking und Karl-Josef Laumann sowie auf Bundesebene – die noch anstehende Ernennung vom Bundespräsidenten vorausgesetzt – Jens Spahn, Anja Karliczek und Svenja Schulze. »Dass die alle aus dem Münsterland kommen, findet auch nicht jeder gut. Aber die wissen, worum es geht, wenn sie von ländlichen Räumen sprechen.«

Mehr Flexibilität in der Bundesbauordnung notwendig

Aus der Versammlung wurde unter anderem Kritik an der Infrastruktur sowie an mangelnden Baumöglichkeiten geäußert. Winkelmann zeigte sich da verständnisvoll: »Viele Kinder wollen zuhause bei der Familie wohnen bleiben und das Haus umbauen, dürfen es aber nicht, weil es im Außenbereich ist. So darf es nicht sein.« Winkelmann ging in dem Zusammenhang auch auf die Entfesselungspakete der NRW-Koalition und damit verbundene Korrekturen am Landesentwicklungsplan ein. Mehr Flexibilität in der Bundesbauordnung wünscht sich auch Kai Abruszat.

Dr. Inge Uetrecht, Ortsheimatpflegerin von Arrenkamp, bezeichnete die von der schwarz-gelben Koalition für die Landstraßen in Stemwede bereitgestellten 650.000 Euro als »Tropfen auf den heißen Stein«. Bianca Winkelmann sprach derweil von einem »Anfang« und ging zusätzlich auf die Wirtschaftswege ein: »Mit Blick auf die Haushaltslage in den meisten Kommunen sehen wir, dass die Kommunen nicht in der Lage sind, den Unterhalt und den Erhalt der Wirtschaftswege allein zu stemmen.«

Heidrun Diekmann von den Landfrauen nannte als weiteres Thema des ländlichen Raums die oftmals schlechte Versorgung mit Hebammen. Gründe sind unter anderem die Probleme im Versicherungsschutz, die Akademisierung in dem Bereich sowie die schlechte Bezahlung. »Die Versorgung in einigen Gegenden ist aktuell so schlecht, dass wir die Gefahr einer steigenden Sterblichkeitsrate sehen müssen.«

»Froh, von Düsseldorf aus wieder in die Heimat zu fahren«

Doch was heißt all das nun für die Zukunft ländlicher Räume? Bestehen Dörfer wie Oppenwehe, Arrenkamp und Westrup auch morgen noch? Um diese Frage zu beantworten, bleiben da vor allem die Aussagen von Kai Abruszat und Bianca Winkelmann. Beide brachen eine Lanze für das Leben auf dem Land. »Ich bin zwangsläufig oft in der Landeshauptstadt Düsseldorf und immer wieder, wenn ich in die Heimat fahre, weiß ich, wie schön wir hier doch wohnen«, sagte die Landtagsabgeordnete.

Dem pflichtete auch Kai Abruszat bei. Beide hoben sie etwa das günstige Wohnen und die Möglichkeit, bezahlbares Eigentum erwerben zu können, hervor.

Es bestehe also kein Grund, Trübsal zu blasen, meinte Abruszat. »Oppenwehe hat eine Zukunft«, bekannte der Bürgermeister und verwies etwa auf steigende Kinderzahlen, den gut frequentierten Kindergarten und innovative Jobs. »Es gibt viel zu tun, damit der ländliche Rau eine Zukunft hat«, meinte er dennoch. Der Optimismus in der Stimme war da unüberhörbar.

Diskussionspunkt »Landwirtschaft«

Einen großen Anteil an der Versammlung nahm die Landwirtschaft ein. Milchbauer Wilhelm Brüggemeier nannte die Bürokratie als »großen Hemmschuh«, sprach aber dennoch von »einem der schönsten Berufe« und dessen Bedeutung für den ländlichen Raum.

Rainer Pernotzky, Imker aus Drohne, kritisierte derweil die Überschüsse in der deutschen Landwirtschaft und Exporte von Lebensmitteln in das Ausland. Vielmehr forderte er eine »lebendige Landwirtschaft«. Das konnte der Referent Wilhelm Brüggemeier so nicht stehen lassen. »Wenn Kolbus aus Rahden sein gesamtes Geschäft nur für Deutschland betreiben würde, würde dies das Aus für die meisten Arbeitsplätze bedeuten. Gleiches gilt für die Automobil-Branche«, sagte er.

Außerdem seien viele Länder gar nicht in der Lage, ihre gesamte Bevölkerung zu ernähren. Brüggemeier: »Wer gegen deutsche Exporte von Lebensmitteln ist, muss dann genauso auf Tee, Kaffee und Avocados verzichten. Den Wohlstand, den wir uns in den vergangenen 50 Jahren durch Freihandel aufgebaut haben, sollten wir uns auch von einem Donald Trump nicht kaputt machen lassen.«

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