Motive aus Aquarell, Tierporträts, Namen von Kindern und Mandalas sehr gefragt Hau(p)tsache, die Tattoos sind bunt

Lemförde/Stemwede  (WB). Einst waren sie eher das »Markenzeichen« von Seeleuten, Knastbrüdern oder Rotlicht-Größen. Doch jetzt sind Tattoos nicht nur gesellschaftsfähig geworden, sondern auch voll angesagt.

Von Dieter Wehbrink
Raffaele Touroin aus Quernheim, Musiker der Band »The Rising Sea« lässt sich von Peter Polus ein weiteres Tattoo auf seinen Arm stechen. Die Kunden wünschen sich farbige und freundliche Tattoos. »Böse« Motive werden immer weniger nachgefragt.
Raffaele Touroin aus Quernheim, Musiker der Band »The Rising Sea« lässt sich von Peter Polus ein weiteres Tattoo auf seinen Arm stechen. Die Kunden wünschen sich farbige und freundliche Tattoos. »Böse« Motive werden immer weniger nachgefragt. Foto: Dieter Wehbrink

Viele Studios sind auf Wochen ausgebucht. Welche aktuellen Trends bestimmen zurzeit den Geschmack der Kunden? Das wollte diese Zeitung von Peter Polus wissen. Der frühere Stemweder und heutige Hunteburger betreibt sein Tattoo-Studio »Buntwerk« in Lemförde. Er hat auch viele Kunden aus Stemwede.

Klischees werden im Keim erstickt

Polus lässt im schwarzen kurzärmeligen T-Shirt erkennen, dass er seinen Beruf auch privat als Berufung empfindet. Über und über sind seine Arme mit Tattoos verziert. Dezenter ist da lediglich ein kleiner Anker, den er unter dem Auge trägt. Polus’ höfliche Art erstickt allerdings sämtliche Klischees sofort im Keim. Er nimmt sich für den Besuch aus der Lokalredaktion Zeit, obwohl nebenan ein Kunde wartet.

»Im Trend liegen Tattoos von Aquarellen und Wasserfarben. Stark nachgefragt sind auch bunte Motive – schwarze eher weniger«, berichtet Polus. »Böse« Motive, die eher provozieren oder dem Betrachter Angst einjagen sollen, sind kaum noch aktuell: »Es ist schon lange her, dass ich einen Schädel auf die Haut gestochen habe«, erzählt der Studiobetreiber. »Die Kunden setzen heute lieber auf Mandalas, nicht wenige wollen sogar Disney-Motive haben.«

Tiermotive sind beliebt

Begehrt sind Tattoos, mit denen die Kunden Persönliches verbinden. »Den Namen der Kinder, das Haustier, aber auch Tierbilder allgemein – wie etwa ein Tigerkopf oder ein Wolf – sind sehr beliebt«, weiß der Hunteburger. Das Altersspektrum der Kunden ist breit: »Sie sind zwischen 18 und 73 Jahre alt. Wer unter 18 ist, muss zum Beratungstermin und beim Stechen des Tattoos die Eltern mitbringen.« Die Kunden werden über mögliche gesundheitliche Risiken aufgeklärt: »Das Stechen verursacht natürlich eine Wunde, und ich bringe Farbe unter die Haut.«

Peter Polus ist beeindruckt, wie viele Gedanken sich seine Kunden über ihr künftiges Tattoo machen. Unvergessen bleibt eine Frau, die unmittelbar nach der Beerdigung ihres Vaters zu ihm kam und sich ein Tattoo mit dem Schriftzug »Papa« wünschte: »Das war ihre Art der Trauerbewältigung.«

Und noch eine andere Frage beschäftigt die Kunden. »Das Bewusstsein dafür, dass sich ein Tattoo an nicht sichtbaren Stellen befinden sollte, ist groß. Deshalb wählt man gern die Rippenpartie, weil diese von Kleidung bedeckt ist.«

Tatoo-Fan kommt im edlen Zwirn

Polus fällt ein Kunde ein, der das Studio im feinen Zwirn, mit Schlips und Kragen betrat. »Er sah so aus, als wollte er sich das erste Tattoo seines Lebens stechen lassen«, erinnert sich der Hunteburger. »Doch als er sich auszog, war ich total verblüfft: Sein Körper war übersät mit Motiven, jedoch so geschickt platziert, dass man es ihm im Anzug nicht ansah. Er erzählte mir dann, er arbeite bei der Deutschen Bank.« Für Polus ein weiterer Beweis, wie gesellschaftsfähig Tattoos mittlerweile geworden sind. »Bilder aus der Werbung, Darsteller von Fernsehshows und Fußballstars verstärken diesen Trend noch.«

Dass die Prozedur schmerzhaft ist, daran lässt Peter Polus keinen Zweifel. »Frauen sind härter im Nehmen«, weiß der Meister. »Sie wollen das Tattoo verwirklichen – egal, wie lange es dauert und wie weh es tut. Männer sind nicht so leidensfähig. Sie geben eher auf.«

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