Zeitungsbotin des WESTFALEN-BLATTS findet Vermissten und bringt ihn nach Hause »Das war doch selbstverständlich«

Rahden/Stemwede (WB). Wohlbehalten ist ein 36-jähriger Stemweder wieder in seinem Zuhause angekommen. Der – nach Polizeiangaben – offenbar geistig verwirrte Mann hatte am Mittwochabend für einen Polizeieinsatz an der Ortsgrenze zwischen Rahden-Varl und Stemwede-Twiehausen gesorgt.

Von Michael Nichau
Ein Polizeihubschrauber aus Dortmund mit Wärmebildkamera (hier ein ähnliches Bild) hat das Waldstück überflogen.
Ein Polizeihubschrauber aus Dortmund mit Wärmebildkamera (hier ein ähnliches Bild) hat das Waldstück überflogen. Foto: dpa

Der Mann tauchte dann mitten in der Nacht wieder auf: Renate Stebner, Austrägerin des WESTFALEN-BLATTS, hatte etwa um 1.30 Uhr den Stemweder entdeckt und in ihrem Auto mitgenommen. »Das war doch selbstverständlich«, berichtete Stebner, die aus Bescheidenheit nicht mit Bild in die Zeitung möchte. Sie trägt das WB in Twiehausen aus.

»Ich hatte gerade eine Zeitung in jenem Haus abgeliefert, in dem eine Verwandte des Mannes lebt. Zufällig war auch die extrem besorgte Mutter des Vermissten in dem Haus.« Die Mutter schilderte Renate Stebner kurz die Situation, um dann mit dem Auto weiter nach ihrem Sohn zu suchen.

Stebner setzte ihre Zeitungstour fort. Wenige hundert Meter von dem Anwesen der Familie entfernt entdeckte sie den 36-Jährigen, der ihr auf der Straße entgegen kam. Sie lud ihn in ihr Auto. »Ich fuhr dann suchend hinter dem Wagen der Mutter her, weil sie ja nicht mehr in dem nahegelegenen Wohnhaus war. Als ich sie einholen konnte, ist der Vermisste dann in ihr Fahrzeug umgestiegen«, erzählte die Botin.

Der desorientiert wirkende Mann hatte bereits am frühen Abend eine Großaktion der Polizei ausgelöst. Er war Anwohnern im Bereich Bruchweg/Mühlensteg aufgefallen. Als er dann trotz der Minusgrade seine Jacke auszog und in einem Waldstück verschwand, riefen die Anwohner die Polizei. Die Suchaktion begann.

Zunächst versuchten die Besatzungen von sechs Streifenwagen, den Mann in der Dunkelheit in dem nur dünn besiedelten und mit mehreren Waldstücken versehenen Gebiet zu finden.

Etwa um 19 Uhr traf zur Unterstützung ein Polizeihubschrauber aus Dortmund ein. Doch auch mit Hilfe der an Bord befindlichen Wärmebildkamera fanden sich keine Hinweise. Als auch der Einsatz eines für die Personensuche ausgebildeten »Mantrailer-Hundes« keine Spur erbrachte, wurde die Suche vorläufig eingestellt. Bis dann Renate Stebner den 36-Jährigen per Zufall entdeckte. Unterkühlt, aber wohlbehalten, kam er in die Obhut seiner Mutter. »Er war verwirrt, machte aber keinen bösartigen Eindruck, also habe ich ihm geholfen«, sagte Stebner.

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