Marlies Schwettmann verabschiedet sich nach 33 Jahren aus dem Familienbetrieb Holzbau Schwettmann »Mädchen für alles« verlässt die Zimmerei

Oppendorf (WB). Etwas wehmütig geht Marlies Schwettmann über den Lagerplatz der Oppendorfer Firma Holzbau Schwettmann. Vor einem der vielen gezimmerten Holzgebinde bleibt sie stehen. »Diese Nagelbinder-Technik ist das Markenzeichen des Betriebs«, sagt die 60-Jährige. »Ich werde das alles hier sehr vermissen.«

Von Dieter Wehbrink
Chef Uwe Schwettmann muss schweren Herzens auf die Mitarbeit von Marlies Schwettmann verzichten.
Chef Uwe Schwettmann muss schweren Herzens auf die Mitarbeit von Marlies Schwettmann verzichten.

Nach 33-jähriger Betriebszugehörigkeit verabschiedet sich die Rahdenerin nicht nur von »ihrem« Betrieb, sondern auch vom Berufsleben. Marlies Schwettmann ist bei allen Kunden des Zimmerer-Fachbetriebs wohlbekannt. Sie hat über Jahrzehnte hinweg das Familienunternehmen, vom dem sie selbst ein wichtiger Teil war, mitgeprägt. Ihr Berufsleben ist typisch für familiäre Firmen, in denen jedes Familienmitglied vielseitig sein und überall mit anpacken muss.

»Der Betrieb war eine einzige Familie.«

Ankunft im Büro, Starten des PCs, E-Mails checken, Post durchgucken – und dann ran an die Arbeit: Diese Routine gehört für Marlies Schwettmann ab jetzt der Vergangenheit an. Aufgewachsen in Oppendorf (»Uppe Mask«) entschied sie sich nach der Geburt ihrer Tochter, im familiären Betrieb Schwettmann Holzbau GmbH mitzuarbeiten, in dem auch ihr – bereits verstorbener – Mann tätig war. Sie hatte zuvor bei der Gemeinde Stemwede den Beruf der Verwaltungsangestellten gelernt, doch mit dem Eintritt in den Familienbetrieb warteten ganz andere Herausforderungen auf sie. Am 1. März 1985 stieg sie in die Lohn- und Finanzbuchhaltung der Firma ein. Mit ihrer Familie lebte sie bis 1993 auf dem Betriebsgelände. So war es für sie auch nach der Geburt ihres Sohnes 1986 möglich, ihrer Tätigkeit weiter nachzugehen. »Der Betrieb war eine einzige Familie«, erzählt die Mutter von zwei erwachsenen Kindern und drei Enkeln. »Für meine Kinder hatten wir sogar Schaukelpferde im Büro und eine Box mit Spielzeug«.

Neben ihr im Büro saßen seinerzeit die Schwiegereltern – Werner und Helga Schwettmann. Noch heute spricht Marlies mit Hochachtung von den Fähigkeiten und der Kompetenz des damaligen Betriebsinhaber-Paares. »Von Helga habe ich beispielsweise sehr viel über das Kaufmännische gelernt.«

Rasanter Wandel in der kaufmännischen Verwaltung

Wie es in einem Handwerksbetrieb üblich ist, war aber nicht nur der Papierkram zu erledigen: »Die Kunden kamen immer zuerst in mein Büro, viele sprachen Platt und äußerten ihren Materialwunsch. Der persönliche Kontakt mit ihnen hat mir immer Freude gemacht.«

Bei Bedarf sei sie oft als »Mädchen für alles« eingesprungen, erinnert sich die 60-Jährige. Mehrfach habe sie sogar draußen auf dem Platz Holzlatten stapeln müssen, weil kein anderer Mitarbeiter greifbar war. Viel erzählen kann die Rahdenerin über den rasanten Wandel in der kaufmännischen Verwaltung. »In den ersten Jahren habe ich noch Rechnungen mit der Schreibmaschine geschrieben – mit Blaupapier zwischen den Blättern, um eine Kopie zu bekommen. Auch in der Lohnbuchhaltung war viel manuelle Arbeit angesagt, mit Rechenmaschine und Lohnsteuerkarten, die per Hand ausgefüllt werden mussten. Heute geht dies alles per EDV.«

Nachfrage nach Nagelplattenbindern stieg immer weiter an

Marlies Schwettmann hat auch erlebt, wie der Betrieb ständig wuchs. Die Nachfrage nach Nagelplattenbindern, mit denen große Gebäude wie etwa landwirtschaftliche Hallen eingedeckt werden, stieg immer weiter an. Als Marlies in dem Betrieb begonnen habe, seien es zehn Beschäftigte gewesen – heute schon 24, erinnern sich Christine und Uwe Schwettmann, Schwägerin und Schwager von Marlies, die das 120 Jahre alte Unternehmen heute führen. »Schön war immer das selbstständige Arbeiten«, erzählt die Kauffrau. »Ich muss aber zugeben, dass die Vielzahl der sich ständig verändernden Computerprogramme zuletzt schon eine Herausforderung für mich waren.«

Der Computer nervt jetzt nicht mehr. Marlies Schwettmann möchte sich um ihre Familie kümmern und mit ihrem heutigen Mann Friedbert Reisen mit dem Wohnmobil unternehmen. »Oppendorf werde ich aber vermissen«, räumt sie ein. »Mit der Aufgabe meines Arbeitsplatzes verliere ich ein kleines Stück meiner ›täglichen Heimat‹«.

»Als Ansprechpartnerin und ›Mädchen für alles‹ werden unsere Mitarbeiter und unsere Kunden unsere Marlies vermissen«, sagt Uwe Schwettmann.

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