Stemweder Schüler engagieren sich im Naturschutz – unerwünschte Gehölze entfernt Das Moor ist gar nicht so schaurig

Stemwede (WB). »O schaurig ist’s, übers Moor zu gehn« – diese Atmosphäre, wie sie die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff in ihrem Gedicht »Der Knabe im Moor« beschreibt, haben auch die Schüler des 10. Jahrgangs der Stemweder-Berg-Schule empfunden.

Ein Arbeitseinsatz in »schauriger« Umgebung, noch dazu bei unangenehmen Temperaturen: Diese Schüler der Stemweder-Berg-Schule haben sich in Sachen Naturschutz engagiert. Sie befreiten Moorflächen von unerwünschtem Bewuchs mit Gehölzen.
Ein Arbeitseinsatz in »schauriger« Umgebung, noch dazu bei unangenehmen Temperaturen: Diese Schüler der Stemweder-Berg-Schule haben sich in Sachen Naturschutz engagiert. Sie befreiten Moorflächen von unerwünschtem Bewuchs mit Gehölzen.

Sie waren im Diepholzer Moor unterwegs – allerdings nicht, um sich zu gruseln, sondern einen Beitrag zum aktiven Schutz dieses Naturareals zu leisten. Es wurde dann auch eher anstrengend als schaurig. Tief im Moor, im Bereich des neuen Lehrpfades, wurden die Schüler bei feuchtkalter Witterung vom Naturschutzbeauftragen des Kreises Diepholz, Dieter Tornow, begrüßt und in ihre Aufgabe eingewiesen.

Gehölze verändern Moor zum Nachteil

Durch die großflächigen Renaturierungsmaßnahmen sollen frühere Moorflächen, auf denen Menschen per Hand Torf abgebaut haben, wieder unter Wasser gesetzt werden. Alle Tiere und Pflanzen, die sich auf den Lebensraum Moor spezialisiert haben, sind in höchstem Maße auf Wasser und Licht angewiesen. Doch gerade das nehmen ihnen Pflanzen wie die Birke, Faulbäume und Farne mit ihrer hohen Verdunstungsrate. Diese Sträucher haben mehr und mehr Besitz von den Flächen ergriffen und würden das Moor immer mehr zum Nachteil verändern.

Deshalb schnitten die Stemweder Schüler kleine und große Birken mit Astscheren und Handsägen ab. Detlef Tänzer, Geschäftsführer des Naturparkes Dümmer, rückte den größeren Stämmen mit einer Kettensäge zu Leibe. Alles abgeschnittene Material wurde schließlich von den Schülern aus dem feuchten, teils nassen Untergrund herausgeholt und am Rand von alten Moorwegen zur Abholung deponiert.

Fleischfressender Sonnentau

In der Frühstückspause bekamen die Schüler neben heißem Tee noch weiterführende Informationen zum Torfmoos und zu einigen »Juwelen«, die sich auf den Lebensraum Moor spezialisiert haben – zum Beispiel zu fleischfressendem Sonnentau und zwei Libellenarten, der Nordischen Moosjungfer und Gemeinen Becherjungfer.

Nach der Stärkung setzten die Aktiven ihre Arbeit teils mit dem Freischneiden fort, teils wurden Interviews mit den Beteiligten geführt und mit iPads gefilmt. Dadurch sollen die individuellen Interessen und Begabungen der Schüler gefördert werden. Zum anderen setzt die Stemweder-Berg-Schule ihren eigenen Anspruch auf Bildung nicht nur für nachhaltige Entwicklung, sondern auch auf die Medienbildung. Daher werden digitale Medien – so wie jetzt im Diepholzer Moor genutzt – in vielfältigsten Unterrichtsformen eingesetzt.

»Es war eine tolle Aktion, denn die Schülerinnen und Schüler waren sehr motiviert, fleißig und haben beim Bäumefällen immer aufeinander Acht gegeben«, freuten sich die beiden Wehdemer Sekundarschullehrer Ulrich Nimbs und Stephan Hegemann, die die Aktion begleiteten und ebenfalls tatkräftig mithalfen.

Ein Kommentar von Dieter Wehbrink

Da sage noch einer, Schulen würden viel zu viel »theoretisches Zeugs« vermitteln, mit dem die Schüler im späteren Leben nicht viel anfangen könnten. Die Stemweder-Berg-(Naturpark)Schule ist mit ihrem Einsatz für die Natur ein absolut nachahmenswertes Vorbild. Die Schüler bewirken mit dem Anlegen von Tümpeln, dem Entfernen von vernachlässigten Drahtzäunen im Stemweder Berg oder der Pflege von Moorflächen viel Gutes für die Tier- und Pflanzenwelt. Wenn die Jungen und Mädchen im Unterricht erklärt bekommen, warum dieses Engagement so segensreich ist, werden sie motiviert an ihre Aufgabe herangehen – auch wenn es schweißtreibend sein mag. Praxisnaher geht Biologie-Unterricht kaum.

Wetten, dass so mancher Schüler danach ein konsequenter Für­streiter, Verfechter und Bewahrer der Natur sein wird? Das ist absolut begrüßenswert und ein unbedingtes Argument dafür, dass die Stemweder-Berg-Schule ihr Engagement in Sachen Naturschutz intensiv weiter betreiben sollte.

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