Stemweder Schüler lernen: Jeder hat neben Schwächen auch besondere Stärken Kinder akzeptieren das »Anderssein«

Stemwede (WB). Kinder können sich in solche Beeinträchtigungen nicht so ohne weiteres hineinversetzen: Wie ist es, wenn Klassenkameraden oder Freunde zum Beispiel seh- oder hörbehindert sind oder gar im Rollstuhl sitzen?

Von Dieter Wehbrink
Wie fühlt es sich an, wenn man nicht gut sehen kann? Diese Schüler empfinden es bei diesem Versuch nach.
Wie fühlt es sich an, wenn man nicht gut sehen kann? Diese Schüler empfinden es bei diesem Versuch nach. Foto: Lars Schulz

Die Jugendförderung des Kreises Minden-Lübbecke hat deshalb in Zusammenarbeit mit der Stemweder Jugendförderin und Grundschul-Sozialarbeiterin Gabi Hohmeier sowie mit Lars Schulz vom Life House das Projekt »Vielfalt erleben – Diversity« durchgeführt. In Stemwede wurde die Aktion zusätzlich mit der Bezeichnung »Leben mit Unterschieden« versehen. Eigens für das Projekt bekam das Life House 0,2 Stellen für drei Monate bewilligt.

Flüchtlingsfrau kocht in Kindergärten

Gabi Hohmeier und Lars Schulz informierten jetzt den »Ausschuss für Bildung, Generationen, Sport und Kultur« der Gemeinde über das Ergebnis. Die Kommunalpolitiker sahen während ihrer Sitzung in der Leverner Schützenhalle beeindruckende Bilder, wie Hohmeier und Schulz das Projekt in Stemwede umgesetzt hatten.

Beispielsweise besuchte Lars Schulz Stemweder Kindergärten. Begleitet wurde er von einer Flüchtlingsfrau. Beide kochten mit den Kindern. Gemeinsam wurde dann gegessen – und natürlich auch miteinander gesprochen.

Zudem besuchte Schulz mit gut Deutsch sprechenden Flüchtlingen die Stemweder-Berg-Schule, wo die ausländischen Gäste über ihre persönlichen Schicksale berichteten.

Wie ist es als Nichtsehender?

Die Grundschulen Levern, Oppenwehe und Haldem (dritte und vierte Klasse), wurden von Schulz, Hohmeier und Heike Attrot (Projekt Stemwede inklusiv) aufgesucht. Das Trio arbeitete immer mit ganzen Klassen zusammen. Als Einstieg wählte es verschiedene Sprachen, darunter neben Griechisch, Italienisch auch Plattdeutsch und sogar die Gebärdensprache. »So konnten wir den Kindern klar machen, dass allein schon die Sprache Grund für Unterschiede bei den Menschen sein kann«, sagte Gabi Hohmeier.

Außerdem wurden Schüler in einen mitgebrachten Rollstuhl gesetzt. Andere bekamen Sichtblenden vor die Augen oder Ohrenschützer aufgesetzt. So erfuhren sie am eigenen Leib, wie es ist, als Mensch mit solchen Beeinträchtigungen zu leben.

Erfolg ruft nach Wiederholung

Deutlich zu spüren war der sofort einsetzende Respekt der »normalen« Kinder vor den vermeintlich Eingeschränkten. Schnell kam Bewunderung für betroffene Mitschüler auf. »Uns war es zudem wichtig, den Kindern deutlich zu machen, dass jemand, der seine Beeinträchtigung hat, viele andere Sachen besser kann als seine Mitschüler«, sagte Hohmeier. »Beispielsweise können sehbehinderte Kinder viel besser tasten oder hören – Vielfältigkeit eben. Wenn alle Menschen alles gleich gut könnten, wäre es ja auch langweilig.«

Ein Figurentheater im Life House und ein Familienausflug für interessierte Stemweder ins Universum nach Bremen ergänzten das Programm. »Wir freuen uns riesig, dass den Kindern diese Aktionen so gut gefallen haben«, sagte Hohmeier. »Deshalb wünschen wir uns, das Projekt Diversity in zwei Jahren in Stemwede wiederholen zu können.«

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