Teures Bauwerk über Bahnlinie Bremen-Osnabrück ist kurz vor der Fertigstellung Drohne sehnt Brückenfreigabe herbei

Stemwede (WB). Die neue Bahnüberführungsbrücke in Drohne, »Im Ort«, ist nach einjähriger Bauzeit so gut wie fertiggestellt.

Von Dieter Wehbrink

Im Januar soll sie von Fachingenieuren begutachtet werden. »Wenn diese offizielle Abnahme erfolgt ist und der Freigabe für den Straßenverkehr nichts mehr im Wege steht, kann ich mir gut vorstellen, dass die Dorfgemeinschaft Drohne dies mit einer kleinen Feier würdigen wird«, wagt Bürgermeister Kai Abruszat einen Ausblick.

Warten auf die »Kreuzungsvereinbarung«

Für ihn gibt es trotz aller Freude über die neue Brücke auch einen Wermutstropfen: Kummer bereitete der Gemeinde Stemwede die Bahn AG, die ihren finanziellen Anteil erst Jahre später zahlen will. »Es bleibt nach wie vor ein Ärgernis, dass uns die unterschriftenreife Kreuzungsvereinbarung mit der Deutschen Bahn bis heute noch nicht vorliegt«, sagte Abruszat dieser Zeitung. Diese Vereinbarung regelt die finanzielle Aufteilung der Kosten zwischen Bahn und Gemeinde. »Zur Unterstützung unserer Forderungen habe ich die heimischen Bundestagsabgeordneten Achim Post, SPD, und Frank Schäffler, FDP, eingeschaltet«, sagte der Bürgermeister.

Stemwede finanziert Bahnanteil mit Kredit vor

Eine Schlussrechnung ist noch nicht erfolgt. Die Brücke sollte 1,2 Millionen Euro kosten. Der – bereits gezahlte – Landeszuschuss betrug 360.000 Euro, die Bahn sollte laut ersten Vereinbarungen 570.000 Euro übernehmen, den Rest dann die Gemeinde Stemwede. Den Anteil der Bahn musste die Gemeinde allerdings über einen Kredit vorfinanzieren – das Unternehmen kündigte überraschend an, das Geld aufgrund »priorisierter Projekte« erst später zahlen zu wollen. Hätte die Gemeinde den Betrag der Bahn nicht vorfinanziert, wäre die dringend notwendige Brückenerneuerung wohl erst in einigen Jahren erfolgt. Die bis dahin zu erwartenden Kostensteigerungen hätten das Vorhaben wesentlich teurer gemacht.

Oberleitungen verteuern Baumaßnahme

Weil wegen des Brückenbaus auch die Oberleitungen auf der Bahnlinie Bremen-Osnabrück verlegt werden mussten, machte die Bahn erst während der bereits laufenden Brückenbauarbeiten höhere Kosten geltend. Dieser Mehraufwand wurde vage auf 100 000 bis 300 000 Euro beziffert. Diese Kosten sollten, so forderte die Bahn, zwischen ihr und der Gemeinde aufgeteilt sowie Bestandteil der Kreuzungsvereinbarung werden.

Die Bahn argumentierte damit, dass die Oberleitungen ja gar nicht hätten umgesetzt werden müssen, wenn die Gemeinde den Brückenneubau nicht beschlossen hätte. Somit ist noch nicht klar, wie die Kreuzungsvereinbarung am Ende aussehen wird.

Ungeachtet des Ärgers stellt Kai Abruszat fest: »Für Drohne ist das fertiggestellte Brückenbauwerk ein wichtiger Beitrag für die örtliche Verkehrsinfrastruktur.«

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