Interview mit engagierter Gewerkschafterin und Stemweder Lokalpolitikerin Ilona Meier »Ich kämpfe für die Rechte der Frauen«

Stemwede (WB). Die Stemweder kennen Ilona Meier vor allem als zweite stellvertretende Bürgermeisterin der Gemeinde. Was viele nicht wissen: Die 50-jährige Arrenkamperin ist auch stellvertretende Vorsitzende des Bundesfrauenausschusses der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie.

Ilona Meier aus Arrenkamp ist zweite stellvertretende Stemweder Bürgermeisterin und engagierte Gewerkschafterin. Ihr Ziel ist es, die Rechte der Frauen in der Arbeitswelt durchzusetzen.
Ilona Meier aus Arrenkamp ist zweite stellvertretende Stemweder Bürgermeisterin und engagierte Gewerkschafterin. Ihr Ziel ist es, die Rechte der Frauen in der Arbeitswelt durchzusetzen.

Über ihre Arbeit in der Gewerkschaft sprach WB-Redakteur Dieter Wehbrink mit Ilona Meier.

Frau Meier, wie kommt man denn zu diesem hohen Ehrenamt?

Ilona Meier: Ich bin auch stellvertretende Betriebsratsvorsitzende der BASF in Lemförde. Als meine Gewerkschaft etwa um 2006 das etwas eingeschlafene Engagement für die Frauen wieder intensivieren wollte, war ich gern bereit, dort mitzuarbeiten.

Erklären Sie unseren Lesern doch mal, wie diese Arbeit konkret aussieht.

Meier: Wir helfen und beraten Kolleginnen in Fragen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Es geht um Themen wie Beschäftigung in der Elternzeit, Vereinbarkeit von Pflege und Beruf sowie gleicher Lohn für gleiche Arbeit von Männern und Frauen.

Sind die von Ihnen genannten Punkte in der Arbeitswelt aus Ihrer Sicht ein großes Problem?

Meier: Bei mir im Unternehmen BASF zum Glück nicht. In anderen Betrieben gibt es jedoch immer wieder mal Schwierigkeiten.

Wo liegen denn die größten Probleme?

Meier: Eines davon betrifft derzeit ausgerechnet die Männer. Es sind die so genannte Väter-Monate, die den Männern gesetzlich garantiert sind. Sie dürfen zwei Monate Elternzeit nehmen und können dann auf ihren Arbeitsplatz zurückehren.

Machen bei diesem gesetzlich verbrieftem Recht der Väter die Unternehmen Ärger?

Meier: Leider kommt dies vereinzelt vor. Betriebe, die sich nicht an dieses Gesetz halten wollen, verweigern den Männern diese Elternzeit. Sie drohen diesen Beschäftigten sogar Konsequenzen in der Karriere an, wenn sie auf ihr Recht bestehen.

Wie reagieren Sie denn, wenn ein solches Problem an Sie herangetragen wird?

Meier: Über die handelnden Betriebsräte wird das Gespräch mit dem Arbeitgeber gesucht. Ziel ist es, ihn zu überzeugen, dem Wunsch des Kollegen zu entsprechen.

Und wenn dies nicht wirkt? Welche Druckmittel gibt es dann?

Meier: Im schlimmsten Fall kann der Kollege sein Recht vor Gericht einklagen. Dazu würde ich ihn als engagierte Gewerkschafterin auch ermutigen und ihn unterstützen.

Sie sprachen vorhin das Thema Vereinbarkeit von Pflege und Beruf an – ein in der Gesellschaft oft existentes und intensiv diskutiertes Problem. Können Sie dies auch aus ihrer Gewerkschafsarbeit bestätigen?

Meier: In der Praxis ist es tatsächlich so, dass Mitarbeiter von heute auf morgen vor einem Riesenproblem stehen, wenn ihre Angehörigen über Nacht zum Pflegefall werden. Aus meiner Erfahrung heraus – auch aus meiner ganz persönlichen – weiß ich, wie verzweifelt solche Betroffenen sind.

Und wie können Sie als stellvertretende Vorsitzende des Bundesfrauenausschusses konkret helfen?

Meier: Wenn wir einen solchen Anruf erhalten, ist der Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung oft emotional sehr aufgewühlt. Wir nennen ihm dann zunächst die wichtigen kommunalen Ansprechpartner wie die Pflegeberatungen, etwa in Espelkamp. Dann unterrichten wir ihn in aller Ruhe, welche Freistellungsmöglichkeiten er hat.

Weil es auch in unserer Leserschaft ein immer wiederkehrendes Problem ist: Können Sie die wichtigsten Freistellungsmöglichkeiten nennen?

Meier: Der Gesetzgeber garantiert jedem Beschäftigen eine Freistellung von zunächst zwei Wochen. In dieser Zeit kann er die wichtigsten Dinge für seinen zu pflegenden Angehörigen erledigen. Den Lohnausgleich zahlt die Krankenkasse des zu Pflegenden. Darüber hinaus gehende Freistellungen müssen individuell mit dem jeweiligen Arbeitgeber vereinbart werden. Hier helfen oft interne Betriebsvereinbarungen zum Thema Pflege.

Und wenn es letztere, etwa in kleineren Firmen gar nicht gibt? Spielen die Arbeitgeber dann mit?

Meier: Wenn der Chef sozial eingestellt ist, wird er auf jeden Fall mitspielen. Auch Chefs haben älter werdende Eltern und können selbst in diese Notlage kommen. Ich empfehle betroffenen Beschäftigten dann eine Teilzeit-Bezahlung.

Wie sieht die aus?

Meier: Der Mitarbeiter könnte ja in der Pflegephase, in der er nicht im Betrieb ist, ein Teilzeit-Gehalt bekommen. Ist die Pflegephase beendet, kann er wieder in Vollzeit einsteigen, bekommt aber nur Teilzeitlohn – und dies zeitlich über so viele Tage, Wochen oder gar Monate, wie er aus Pflegegründen abwesend war. Die positive Folge: Der Arbeitgeber hat somit keine erhöhten Gehaltsausgaben.

Sie haben sich die Stärkung der Frauenrechte im Arbeitsleben auf ihre Fahnen geschrieben. Können Sie Beispiele nennen, woran die Gleichberechtigung in der Arbeitswelt heute noch krankt?

Meier: Da ist zunächst einmal das Übel von ungleichem Lohn bei gleicher Arbeit. Zwar werden nach der Ausbildung Männer und Frauen gleichermaßen in die erste gleiche Gehaltsgruppe eingestuft. Aber dann, spätestens nach Elternzeiten, geht die Schere auseinander. Wenn Frauen wieder ins Berufsleben einsteigen, werden sie oft wie Berufsfängerinnen eingruppiert, obwohl sie vorher schon viele Jahre in diesem Beruf gearbeitet haben.

Wie können sich Frauen denn gegen diese Entwicklung wehren?

Meier: Eines der Rezepte ist die Berufswahl. Frauen, die in den so genannten MINT-Berufen, also Mathematik-Informatik-Naturwissenschaften-Technik, eine fundierte Ausbildung haben, sind auf jeden Fall als Fachkräfte stark nachgefragt. Arbeitgeber können es sich nicht erlauben, diese Frauen im Gehalt zu drücken. Ansonsten rate ich allen Frauen, die sich hier benachteiligt fühlen, sich von ihrer Gewerkschaft beraten zu lassen. Wichtig ist allerdings auch, dass sich Frauen ihrer Fähigkeiten bewusst sind und dies auch auf dem Arbeitsmarkt selbstbewusst anpreisen. Hier hapert es leider noch bei manchen meiner Geschlechtsgenossinen.

Ihre Gewerkschaftsarbeit ist das eine, aber Sie sind ja auch politisch aktiv. Welche Möglichkeiten haben oder nutzen Sie als Stemweder Lokalpolitikerin, Gewerkschaftlerin und Streiterin für Frauenrechte, sich für Veränderungen zu engagieren?

Meier: Nehmen Sie hier mal das Rückkehrrecht von Teilzeit auf Vollzeit. Es wurde am Ende der vergangenen Legislaturperiode wieder in die Schublade gelegt. Ich hoffe sehr, dass eine neue Bundesregierung hier wieder aktiv wird. Als SPD-Mitglied werde ich diese Meinung jedenfalls bis nach ganz oben durch alle Parteigremien energisch vertreten. Außerdem werde ich nicht müde, auch andere Frauen für politische Arbeit zu interessieren. Das ist ganz wichtig, damit unsere Interessen in der Politik die notwendige Berücksichtigung finden.

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