Beißattacke auf 17-jährige Tochter – Landkreis wartet auf Gutachten – Rechtsstreit vor Verwaltungsgericht Besitzer fordern bissigen Hund zurück

Dickel/Landkreis Diepholz (WB). Der Tschechoslowakische Wolfhund, der am Karfreitag in Dickel, Landkreis Diepholz, eine 17-jährige Frau krankenhausreif gebissen hat, wird bis auf weiteres nicht an seine Halterin zurückgegeben.

Von Dieter Wehbrink
Tschechoslowakische Wolfhunde, hier ein friedliches Exemplar, sehen dem Wolf zum Verwechseln ähnlich.
Tschechoslowakische Wolfhunde, hier ein friedliches Exemplar, sehen dem Wolf zum Verwechseln ähnlich. Foto: Wikipedia/Margo-CzW

»Wir warten auf das Gutachten einer renommierten Hundeschule, die den Rüden in Verwahrung hat und seine Gefährlichkeit beurteilen soll«, sagte Thorsten Abeling vom Diepholzer Amt für Veterinärwesen. Die Tierhalter bestehen indes auf die Rückgabe des Rüden und haben einen Anwalt eingeschaltet. Mittlerweile ist ein Verwaltungsgerichtsverfahren anhängig. »Das Erstellen des Gutachtens zieht sich auch deshalb in die Länge. »Es soll absolut rechtssicher sein«, erklärte Abeling.

Eine Hündin dieser Rasse, die während des Beißattacke von der Halterin an der Leine mitgeführt wurde, ist nach einer vorläufigen Verwahrung in der Hundeschule wieder an die Besitzer zurückgegeben worden. Die Hündin hatte nicht zugebissen. Ihre Rückgabe hat der Landkreis allerdings mit strengen Auflagen versehen, die das niedersächsische Hundegesetz vorschreibt. Für dieses Tier herrscht laut Abeling Leinen- und Maulkorbzwang beim Ausführen. Außerdem mussten die Halter Vorkehrungen treffen, damit kein Hund von ihrem Grundstück entweichen kann – etwa mit einer Umzäunung.

Bis zum Eintreffen des Gutachtens bleibt das Schicksal des Rüden ungewiss. »Wegen des Rechtsstreits wollen wir derzeit keine weitergehende Informationen geben. Theoretisch könnten die Tierhalter den Hund auch in andere Hände abgeben«, zeigt Abeling eine mögliche Option auf.

Die Besitzerin der Hunde hatte am Karfreitag mit ihrer Tochter, dem Rüden und der Hündin einen Spaziergang in der Nähe des Tierschutzhofes Dickel unternommen. Den Ort kennen auch viele Hunde- und Katzenfreunde aus dem nahen Altkreis Lübbecke, die sich hier schon ein Tier geholt haben.

Die Halterin führte den Rüden an der Leine, die Tochter die Hündin. Auf einem Wirtschaftsweg kam ihnen eine Frau entgegen, die ebenfalls mit ihrem Vierbeiner spazieren ging. »Obwohl alle drei Hunde angeleint waren, nahm die Tochter die – recht leichte – Wolfhündin vorsichtshalber auf den Arm«, schrieb die Polizei Diepholz. »Der Rüde wartete auf den vorbeikommenden fremden Hund.« Als die andere Spaziergängerin den Kontakt der Tiere nicht zuließ, lief der Wolfhundrüde plötzlich auf die Tochter zu. Diese erschrak und schrie vor Angst laut auf. Unvermittelt rastete der Hund aus und attackierte die 17-Jährige auf das Heftigste. Mindestens zehn Mal biss er auf die junge Frau ein und verletzte sie schwer.

Die andere Hundehalterin, zufällig eine erfahrene Mitarbeiterin des Tierschutzhofes Dickel, band ihren Hund am Baum fest. Beherzt eilte sie der 17-Jährigen gemeinsam mit der Mutter zur Hilfe. Nur mit Gewalt und Schlägen gelang es den beiden Frauen, den rasenden Hund von seinem Opfer loszureißen. Die Tierheim-Mitarbeiterin lief zum nahen Tierschutzhof und holte ein Hundetransportfahrzeug. Es gelang den beiden Frauen, die Wolfhunde in dieses Auto zu verfrachten und die Tür zu schließen.

Ein Krankenwagen brachte die 17-jährige ins Krankenhaus. Die Polizei rief einen Tierarzt sowie einen Diensthundeführer, der zufällig in Dickel wohnte, zur Hilfe. Die beiden Hunde wurden noch vor Ort im Zuge der so genannten »allgemeine Anordnung zur Gefahrenabwehr« vorläufig beschlagnahmt.

Der Tierarzt betäubte den im Wagen gefangenen Rüden mit einem Blasrohr und Narkosepfeilen. Mit Unterstützung des Polizeihundeführers konnten die Vierbeiner in einen Zwinger des nahen Tierschutzhofs Dickel gebracht werden. Die Wolfhund-Rasse sieht dem Wolf zum Verwechseln ähnlich. Sie hat ihren Ursprung in den 50-er Jahren. In der Tschechoslowakei wurden Wölfe und Schäferhunde gekreuzt.

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