Pastor Wilhelm Dullweber feiert runden Geburtstag mit vielen Weggefährten  Stemwedes bekanntester Bürger ist 80 

Stemwede (WB). Ob Vertreter aus Kirchen, Vereinen, Politik oder auch nur viele Weggefährten aus vergangenen Jahrzehnten – sie alle sind gestern ins Hotel Meyer-Pilz nach Levern gekommen, um »ihrem Dulli« zu gratulieren. Pastor Wilhelm Dullweber hat seinen 80. Geburtstag gefeiert.

Von Dieter Wehbrink
Wilhelm Dullweber (Mitte), seine Frau Christine (links) und die Stemweder Pastoren Thomas Horst (2. von links) Michael Beening und Sigird Mettenbrink. Pfarrer Ralf Finkeldey kam später hinzu.
Wilhelm Dullweber (Mitte), seine Frau Christine (links) und die Stemweder Pastoren Thomas Horst (2. von links) Michael Beening und Sigird Mettenbrink. Pfarrer Ralf Finkeldey kam später hinzu.

 Der frühere Pfarrer des Bezirks Haldem/Arrenkamp ist zwar ein Kirchenmann, hat sich aber auch auf weltlicher Ebene stark engagiert. Unzählige Ämter übernahm der Leverner im Laufe seines Lebens – darunter nach seiner Pensionierung noch Posten des Gemeindeheimatpflegers in Stemwede. Seit vielen Jahren verkörpert er auch die Figur des Leverner Nachtwächters.

 Immer noch gibt der Seelsorger viel beachtete Gottesdienste, gern auch auf Plattdeutsch. Als einer der Motoren von »Plattdüütsch inne Kerken« hielt er 28 Jahre lang im Rundfunksender NDR 1 jedes Jahr eine Woche lang plattdeutsche Andachten. Viele Jahre lang wirkte er in der STEMWEDER ZEITUNG als Autor der wöchentlichen plattdeutschen Rubrik »Datt ess ett wesen« mit, wodurch unsere Leser viel aus seinem bewegten Leben erfuhren.

 Den Reigen der Gratulanten eröffneten die Stemweder Pfarrer Michael Beening, Thomas Horst, Sigrid Mettenbrink und Ralf Finkeldey. Aus Haldem und Arrenkamp, »Dullis« alter Wirkungsstätte, waren natürlich viele Gäste gekommen, unter anderem aus dem Presbyterium und der Bürgerstiftung. So gratulierten Helga Steckel und Hans Möller-Nolting, aber auch Gemeindeheimatpfleger Klaus Winkelmeier. Selbstverständlich waren auch Vertreter aus Leverner Institutionen gekommen, etwa Heinrich Rust vom Heimathaus.

 Die SPD war mit dem Landtagsabgeordneten Ernst-Wilhelm Rahe sowie mit Stemweder Sozialdemokraten – darunter Gemeindeverbandsvorsitzender Paul Lahrmann aus Dielingen und Günter Bohne aus Drohne, Vorsitzender der SPD-AG 60 plus – nach Levern gekommen.

 Wilhelm Dullweber freute sich sehr, als auch der Schützenverein Arrenkamp erschien. Ehrenvorsitzender Gustav Hassebrock, Wilfried Hegerfeld und Werner Eickhoff gratulierten »Dulli« und übergaben ein Präsent.

 Der Pastor, selbst Mitgründer und Musikant der einst legendären, aber mittlerweile aufgelösten Seniorenband »HeiWiWiWi«, hatte es sich nicht nehmen lassen, eigens für den »80.« seine Lieblingsband zu verpflichten: die Werkstattkapelle der Lebenshilfe aus Lübbecke. An Dullwebers Seite war gestern seine große Familie. Mit Ehefrau Christine hat er vier Söhne, die mit Partnern und Kindern dem Vater gratulierten.

 Wilhelm Dullwebers Biografie weicht ganz wesentlich vom Lebenslauf der allermeisten Pfarrer ab. Als Kind armer Leute wuchs er in einer Frotheimer Heuerlingsfamilie auf. Er erlernte – wie sein Vater – zunächst den Beruf des Schneiders, doch mit Einführung der Konfektion war es damit bald vorbei.

 Dullwebers Eltern waren zu jener Zeit schwer erkrankt: Der Vater litt an Lungen-TB, die Mutter hatte einen Gehirnturmor. Trotzdem gelang es dem damaligen Gemeindepastor Heufer, die Dullwebers zu überreden, ihren Sohn Wilhelm zur Diakonieausbildung ins Stephansstift nach Hannover zu schicken. Im Gegenzug versprach Heufer, sich um die kranken Eltern zu kümmern.

 Während der fünfjährigen Ausbildung in Hannover wurde Wilhelm Dullweber auch vom Kirchenkreis unterstützt. Im Stephansstift lernte er seine spätere Frau Christine kennen, die aus dem Erzgebirge stammt. Nach der Ausbildung wurde er Jugenddiakon des CVJM Lübbecke.

 1992 entstand in Lübbecke die Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung. Wilhelm Dullweber übernahm ehrenamtlich den Religionsunterricht. 38 Jahre übte er diese Tätigkeit aus, 180 Menschen der Lebenshilfe hat er auf die Konfirmation vorbereitet.

 Eine Ausbildung am Katechetischen Oberseminar in Düsseldorf machte ihn zum Religionslehrer für berufsbildende Schulen in Lübbecke. Im Gemeinderat saß er für die SPD und war als Vorsitzender des Kreisjugendrings tätig.

 1971 herrschte in der Westfälischen Kirche Pastorenmangel. Dullweber erhielt das Angebot, 1972 die zweite Pfarrstelle der Kirchengemeinde Dielingen (in Haldem) zu übernehmen. Bis 1977 musste er seine Ausbildung zum Pastor nachholen, dann kam die Ordination. 1993 machte er sein zweites theologisches Examen.

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