Haldemer Molkerei weicht neuer Firma – Gemeinderat ebnet Weg für Ansiedlung  Übrig bleibt ein Haufen Schutt 

Stemwede-Haldem (WB). Nur wenige Tage haben große Abbruchmaschinen benötigt, um die einst so traditionsreiche Molkerei in Haldem abzureißen.

Von Dieter Wehbrink
Dieser Haufen Steine ist noch von der alten Haldemer Molkerei übrig geblieben. Er wird jetzt abgefahren. Dann können auf dem Gelände eine Lagerhalle für einen Metall- und Rohstoffhändler sowie ein Betriebsleiterhaus entstehen.
Dieser Haufen Steine ist noch von der alten Haldemer Molkerei übrig geblieben. Er wird jetzt abgefahren. Dann können auf dem Gelände eine Lagerhalle für einen Metall- und Rohstoffhändler sowie ein Betriebsleiterhaus entstehen.

 So mancher Haldemer, der dieses seit Jahren leerstehende Gebäude noch aus dessen Blütezeit kannte, dürfte beim Anblick des riesigen Altsteine-Haufens etwas wehmütig werden. Dennoch gibt es in der Kommunalpolitik und in der Bevölkerung einen breiten Konsens darüber, dass die Substanz des Gebäudes absolut schlecht war. In Ausschusssitzungen wurde sogar schon von einem »Gammelfleck« gesprochen.

 Schon bald werden auch die letzten Schutt-Berge abgefahren sein. Dann ist der Weg frei für ein Bauvorhaben, bei dem eine neue Firma entstehen soll. Die politischen Gremien der Gemeinde Stemwede haben den Weg dafür geebnet, dass auf dem Molkereigelände eine 1500 Quadratmeter große Lagerhalle und ein Betriebsleiterhaus entstehen dürfen. Dort möchte sich eine Firma ansiedeln, die einen Metall- und Rohstoffhandel betreibt (wir berichteten). Doch bei diesem Vorhaben gab es zunächst einen Haken: Dort waren solche Bauvorhaben nicht erlaubt, weil das Grundstück im Außenbereich liegt. Die Stemweder Kommunalpolitik wusste Abhilfe: Der Rat beschloss am Mittwochabend eine so genannte Außenbereichssatzung, wie sie die Gemeinde zuvor schon am Ortfort in Destel aufgestellt hat.

 Jetzt kann der Haldemer Investor – und vielleicht auch kleine Handwerksbetriebe – auf dem begrenzten, fünf Hektar großen Areal bauen. Trotzdem bleibt dieses Haldemer Teilstück weiterhin formell ein Außenbereich. Deshalb kann dort auch kein großes Gewerbegebiet entstehen.

 Das Haldemer Molkereiwesen hatte eine lange Tradition. Am 25. April 1900 gründeten 68 Männer in der Gastwirtschaft Vahrenhorst in Dielingen die »Central-Molkerei Haldem« – als eingetragene Genossenschaft. 1929/1930 wurde der große Um- und Erweiterungsbau der Molkerei durchgeführt.

 In den 50er und 60er Jahren entwickelte sich der Umsatz der Molkerei stetig aufwärts und erreichte im Jahr 1969 eine Milchanlieferungsmenge von mehr als 25 Millionen Kilo. Danach begann allerdings – aufgrund der Politik auf europäischer Ebene – die Zusammenlegungen im Molkereiwesen.

 1970 fusionierte die Haldemer Molkerei mit den Betrieben in Rahden und Fiestel zu den Milchwerken Westfalen-Nord mit Sitz in Haldem. Diese gingen 1973 eine Fusion mit den Milchwerken Bielefeld-Herford ein. Die Folge: Am 31. März 1973 stellte die Haldemer Einrichtung ihren Betrieb ein.

 In den vergangenen Jahren wurden die Schäden am Gebäude immer größer. Zuletzt war es abrissreif geworden. Ein undichtes Dach, feuchte Innenwände und Decken sowie Risse in der Fassade gingen einher mit einem verwahrlost wirkenden Außengelände.

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