57-Jähriger stach in Levern auf Frau ein – Urteil des Landgerichts Bielefeld von Bundesgerichtshof gekippt  Fleischspieß-Fall wird neu verhandelt 

Bielefeld/Stemwede (WB). Die Fleischspieß-Attacke von Levern beschäftigt erneut die Justiz: Nun versucht die 3. Strafkammer des Landgerichts Bielefeld, Licht ins Dunkel um den blutigen Fall zu bringen. Seit Dienstag sitzt ein 57-jähriger Arbeiter wieder auf der Anklagebank.

Von Uwe Koch
Die Tatwaffe: Mit diesem Grillspieß hat der Mann seine Ex-Ehefrau damals in einer Leverner Garage schwer verletzt.
Die Tatwaffe: Mit diesem Grillspieß hat der Mann seine Ex-Ehefrau damals in einer Leverner Garage schwer verletzt.

Mit einem Fleischspieß hatte er seiner getrennt von ihm lebenden Ehefrau am 4. September 2013 in einer Doppelgarage in Levern aufgelauert und ihr den Stahldorn in den Hals gerammt (die STEMWEDER ZEITUNG berichtete). Die Frau sackte zusammen, bliebregungslos liegen, überlebte aber schwer verletzt. Der Mann verschwand, wurde aber wenig später von der Polizei gestellt.

Die Vorgeschichte der Tat wurde gestern zum Prozessauftakt noch einmal von dem damaligen Opfer geschildert. Das Ehepaar hatte mehr als 32 Jahre lang zusammengelebt. Die Ehe habe unter den Gewalttaten des Mannes gelitten, vor allem unter dem Einfluss von Alkohol oder wenn er eifersüchtig gewesen sei. Ihr Mann habe sie beleidigt, bedroht und geschlagen, sagte die Frau.

Das Amtsgericht hatte ihn im März 2013 zu einer Geldstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt, dann kam es zur Trennung. Der Arbeiter zog nach Espelkamp. Einige seiner Habseligkeiten blieben in einer Garage des Hauses in Levern, das seine Frau weiterhin bewohnte.

Das Schwurgericht des Landgerichts Bielefeld kam im vergangenen Jahr zu dem Schluss, der Arbeiter habe sich in dieser Garage vor der Attacke mit dem Fleischspieß hinter einem Auto »vor seiner Frau versteckt«. Der 57-Jährige hatte nach Überzeugung des Gerichts bewusst diese Zeit abgepasst, weil er wusste, dass die Ehefrau um jene Zeit ihre Arbeit als Putzfrau in einem Restaurant antreten wollte. Der Mann habe die Frau von hinten in den Schwitzkasten genommen und zweimal mit einem 30 Zentimeter langen Spieß zugestochen.

Die Richter werteten die Tat damals daher als »versuchten Mord«, denn sie wollten das Mordmerkmal der Heimtücke erkannt haben. Einen so genannten »Rücktritt vom Versuch« der Tötung nahmen sie nicht an und forderten damit die harsche Kritik des Bundesgerichtshofes (BGH) heraus. Der 4. Strafsenat bezweifelte nach der Revision von VerteidigerMartin Mauntel (Bielefeld), dass das Opfer in jener Situation »arg- und wehrlos« gewesen sei. Obendrein habe der Täter »nicht lange Zeit zuvor den ›Tötungsvorsatz‹ gefasst«.

Gleichwohl habe das Bielefelder Schwurgericht aber in dem Urteil angenommen, dass der 57-Jährrige ein »Gespräch mit seiner Ehefrau erzwingen« wollte. – Für den BGH waren dies zu viele Ungereimtheiten. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil, mit dem der Mann zu siebeneinhalb Jahren verurteilt worden war, komplett auf. Die 3. Strafkammer wird nun eine erneute Beweisaufnahme machen müssen. Martin Mauntel kündigte gestern an, eine geringe Strafe anzustreben.

Der Prozess ist bis zum 23. März terminiert.

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