Wehdemer Neujahrsempfang: Kabarettistin kritisiert humorvoll rund um Ernährung und Erziehung Ruscher zeigt Wortwitz und Charme

Stemwede (WB). »Die im weiteren Programm angesprochenen kulinarischen Köstlichkeiten wie Fischstäbchen und panierte Gummibärchen sind bei uns heute nicht zu haben«, hat Ingrid Hacker-Seehaus etwa 120 Frauen und Männer zum Neujahrsempfang des Stemweder Kulturrings begrüßt.

Von Michael Nichau
Barbara Ruscher hat in ihrem Kabarettprogramm in Wehdem mit Ernährungs-Fanatikern, kindlicher Frühförderung und Männer-Vorlieben für Smartphones abgerechnet.
Barbara Ruscher hat in ihrem Kabarettprogramm in Wehdem mit Ernährungs-Fanatikern, kindlicher Frühförderung und Männer-Vorlieben für Smartphones abgerechnet. Foto: Michael Nichau

Und tatsächlich waren auch einige Männer zum früher nur für Frauen bestimmten Empfang erschienen. »Staubtrockenen Humor« präsentierte dabei Kabarettistin Barbara Ruscher. Ihr Programm »Panierfehler! Ein Fischstäbchen packt aus« befasste sich nicht nur mit Macken und Gewohnheiten beim Essen. Ruscher analysierte humorvoll die Marotten ihrer Mitmenschen, die sowohl bei Ernährung wie auch bei der Erziehung ihrer Kinder – in den Augen der Kabarettistin – wunderlich wirken.

Das dies so ist, bewiesen die zahlreichen Lacher, die die Kölnerin mit ihren zum Teil spitzfindigen und vor Wortwitz strotzenden Formulierungen erntete. Sie hat eindeutig etwas gegen Übermuttis und Rohkostverfechter. Doch auch das Publikum in der Stemweder Begegnungsstätte bekam von Beginn an zu spüren, dass die Kabarettistin schonungslos vorgeht: Sie kommen ja richtig in Fahrt. Haben sie schon Schnaps gehabt?« fragte sie gleich in der ersten Minute ins Publikum.

Exkurse in die schon recht merkwürdige Welt der Ernährung

Doch dann gab es Exkurse in die schon recht merkwürdige Welt der Ernährung: von Sushi bis Vegan – alle bekamen den Spiegel vorgehalten.»Sushi soll ja gesünder sein als Fischstäbchen... Reisrollen im Algensack«, kommentierte Ruscher ihren Besuch in einem derartigen Restaurant. »Ich möchte mal ein Butterbrot auf dieses Förderband legen, worauf diese Häppchen angerollt kommen. Wäre interessant, wie weit das kommt«, meinte sie. Zeit zum Luftholen blieb den Stemwedern nicht, denn »Beim Fisch weiß man ja nicht, was drin ist. Beim Hähnchen ist das doch klar: Antibiotika!«

Dass aber auch das vegane Leben (der Verzicht auf jegliche tierische Produkte) nicht der Weisheit letzter Schluss sei, machte Ruscher mit einem Vegan-Rap deutlich. Die Instrumente (Möhre und Kürbis) handgeschnitzt, bezeichnete sie diese Ernährungsform schlicht als Religion.
Immer wieder brach ein wahres »Wortwitz-Gewitter« über das Publikum herein. Manchmal musste die Künstlerin nach einer Pointe etwas warten. Doch wer stellt schon Fragen wie »Was machen eigentlich vegane Kannibalen?« Und wenn »vegane Jäger« dann Schmuseecken für Tiere einrichten, ist die Verwirrung komplett.

Lösungen bietet Ruscher auch an. Denn »wenn die Ausdünstungen der Kuh zum Klimawandel beitragen, dann löst sich das Problem ganz einfach durch Aufessen der Kuh.

Ganz nebenbei zeigte die Kabarettistin, dass sie auch am Klavier und mit Gesang beeindrucken konnte. So etwa vom Lied über »Günther den Seelachs, der paniert wurde«, ein »Fertiggericht, von dem man spricht«.
Genug von der Ernährung, denn auch der kindlichen Frühförderung lässt die Kabarettistin Platz zur Analyse: Wenn Sören-Wotan mit einem halben Jahr schon die Worte Dinkel und Atomkraft sagen kann, dann sei das bezeichnend, meinte Ruscher, die auch kein gutes Haar am Elterngeld (»Das ist wie Hartz 4, nur ohne Ausschlafen«) ließ, sich aber gleich Gedanken über dessen Finanzierung (»Vielleicht mit einer Maut für Nordic-Walker«) machte.

Und auch die Männer bekamen mit ihren Vorlieben für Smartphones und Grillen Kritik zu spüren: »Es gibt ja demnächst die ›Pille für den Mann‹: Ein neues I-Phone mit der Grillmeister-App«. Was das bedeute? »Da können sich die Männer dann virtuell eine Grillwurst runterladen und durch Pusten ins Handy-Mikrofon die Glut anfachen...«

Ruscher präsentierte sich durchaus intelligent und charmant, wie auch vom Kulturring angekündigt. »Eine der Comedy-Queens der Republik«, meinte Ingrid Hacker-Seehaus, die in der Pause zum Fingerfood, zubereitet von der Haldemer Schlossküche, einlud.

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