Ausstellung von Figuren und Panoramen bei »Rila erleben« – Handwerk live zu sehen  Krippenmeister zeigt seine Kunst 

Levern (WB). Eine große Krippenausstellung ist derzeit bei »Rila erleben« in Levern zu bewundern. Neben Darstellungen der Geburtsszene Jesu, die aus aller Welt zusammengetragen wurden, sind diesmal mehrere Grulich-Krippen aus Tschechien ausgestellt. In diesem Jahr war am Wochenende Josef Komarek aus Königsgrätz zu Gast. Er ist im eigenen Land der Letzte, der die Kunst dieser Schnitzerei beherrscht.

Von Michael Nichau
Michaela Durisova (links) und Voitech Spudil, Austauschschüler aus Tschechien, haben für Krippenschnitzer Josef Komarek übersetzt. Der Meister hat den beiden Schülern aber auch die Kunst des Figurenschnitzens genau erklärt und sie ausprobieren lassen.
Michaela Durisova (links) und Voitech Spudil, Austauschschüler aus Tschechien, haben für Krippenschnitzer Josef Komarek übersetzt. Der Meister hat den beiden Schülern aber auch die Kunst des Figurenschnitzens genau erklärt und sie ausprobieren lassen.

»Es ist schon etwas besonderes, dass wir den ›letzten Grulich-Krippenmeister‹ eingeladen haben, erläutert Gerhard Lohmeier, Vorsitzender des Krippenvereins Osnabrück, der gemeinsam mit Helmut Richter die regelmäßigen Ausstellungen in Levern organisiert.

Zum fünften Mal wird in diesem Jahr zur Präsentation der Krippen in das Rila-Gebäude und auch in den »Garten der Sinne« eingeladen. Aus diesem Anlass will der Krippenverein etwas Besonderes vorweisen. Josef Komarek zeigte allen Besuchern, wie aus einem gewöhnlichen Stück Holz eine der typisch geformten Grulich-Figuren wird. Acht Stunden braucht der Figurenschnitzer für ein Stück, das anschließend in traditionellen Farben bemalt wird.

Grulicher Krippen sind eine Art Panorama, in dem die handgeschnitzten Figuren stehen. Grulich (heute Kralichy) ist eine Stadt in Böhmen, in der in den 30-er Jahren die Kunst des Figurenschnitzens gepflegt wurde. »Es war eine schlechte Zeit. Die Menschen waren sehr arm dort und haben sich so etwas dazuverdient«, erläuterte Gerhard Lohmeier. Fast in jedem Haushalt habe es damals einen Schnitzer gegeben.

Grulicher Krippen seien besonders. »Das bekommt man nicht häufig zu sehen«, meinte der Vorsitzende des Krippenvereins. Und dass der Schnitzer selbst sein Handwerk zeigt, sei schon eine tolle Aktion. Michaela Durisova und Voitech Spudil, Austauschschüler aus Tschechien, halfen dem Gast am Wochenende dabei, sich den Besuchern gegenüber verständlich zu machen. Die jungen Tschechen erhielten vom »Meister« gleich einen Grundlehrgang.

Dabei haben die hergestellten Figuren immer eine Grund-Charakteristik, werden nach alten Vorlagen gefertigt. Das vorspringende Kinn sei charakteristisch für Grulich-Figuren, betonte Lohmeier. Eine weitere Besonderheit: In jeder Krippe gibt es einen Schornsteinfeger. »Er ist eine Symbolfigur: Durch die Arbeit auf dem Dach ist er dem Himmel ein Stück näher«, erläuterte der Meister selbst.

Lohmeier zeigte die Panoramen, in die die Figuren hineingestellt werden. Unter anderem präsentierte er eine Kastenkrippe aus dem Jahr 1880. Darin ist eine Böhmische Stadtlandschaft mit Bürgerhäuser zu sehen. Am Horizont erscheint aber die Silhouette vom Jerusalem. »Man bringt hier die Heimat und das biblische Land zusammen«, erklärte der Experte aus Osnabrück. Zudem sind in der Ausstellung zehn Krippenszenen zu sehen, die nicht die übliche »heilige Familie im Stall« darstellen. Da sind die drei Könige zu finden, wie sie beim König Herodes vorsprechen. In einem weiteren Stück ist der Traum abgebildet, in dem Joseph der Engel erscheint.

Ungewöhnlich eben und genau so wertvoll, wie die aus aller Welt zusammengetragenen Krippen vom Rila-Seniorchef Helmut Richter. Aus dem Urlaub in Chile hat er eine Indio-Krippe mitgebracht. Gleichzeitig erwarb seine Frau ein weiteres Stück, das derzeit noch per Fracht auf dem Weg nach Stemwede ist. »Die wird erst im kommenden Jahr gezeigt«, sagt Richter.

Neu in diesem Jahr ist auch, dass etwa zehn Krippen aus der Rila-Ausstellung im Garten der Sinne gezeigt werden. Friedhelm Schlüter, Tischler aus Levern, habe dafür gesorgt, dass Figuren und Hintergründe wettersicher in speziellen Vitrinen untergebracht sind. »Diese sind auch vom Stil her noch an die Herkunft der Figuren angepasst«, meinte Helmut Richter.

So finden sich die Figuren – etwa aus Singapur – in einem entsprechenden Panorama wieder. Auch im Gebäude zeigt Richter die von ihm zusammengetragenen Werke. Dazu gehört eine afrikanische Krippe in einer Kalebasse (eine Art Kürbis). Auch der Krippenverein steuert einige Raritäten bei, wie etwa eine aus Papier gefertigte Szene, die sich per Mechanik bewegt und Musik spielt.

»Ich mochte schon immer Krippen«, sagt Helmut Richter. Was ihn an den Szenen fasziniert? »Die Figuren aus fernen Ländern sehen aus, wie die Menschen, die dort auch leben.«

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