Stellungnahmen von Freundeskreis und FWG – Sozialverband sammelt Unterschriften Proteste werden immer stärker

Rahden (WB/bös). »Minden kriegt doch den Hals nicht voll.« Das ist noch eine der nettesten Bemerkungen gewesen, die am Mittwochmorgen auf dem Wochenmarkt in Rahden zu hören gewesen sind.

Listen hat auch der Vorsitzende des Freundeskreises in seiner Köchling’schen-Apotheke ausgelegt.
Listen hat auch der Vorsitzende des Freundeskreises in seiner Köchling’schen-Apotheke ausgelegt. Foto: Elke Bösch

Dort hatte der Sozialverband Rahden einen Stand aufgebaut, um Unterschriften zu sammeln. Thema natürlich: Der Erhalt der medizinischen Grundversorgung im Nordkreis und der Abteilungen Gynäkologie und Geburtshilfe sowie Urologie. Und die Menschen mussten zum Teil gar nicht angesprochen werden, sondern steuerten gleich zielstrebig auf die Unterschriftensammler zu. Zusammen kamen 285 Unterschriften, berichtete Vorsitzender Hans Waltemate.

Freundeskreis

Hans Waltemathe mit Gisela Lange bei der Unterschriftenaktion. Foto: Elke Bösch

Über volle Listen freut sich auch Clemens Eggensperger. Der Vorsitzende des Freundeskreises des Krankenhauses Rahden hat jetzt nach der Vorstandssitzung am Montag eine Stellungnahme für den Verein abgegeben. »Der Freundeskreis fordert die Kreistagsmitglieder, insbesondere den Verwaltungsrat der MKK und dessen Vorsitzenden Landrat Dr. Ralf Niermann, auf, ihre Verantwortung für eine wohnortnahe medizinische Grundversorgung der Bevölkerung im gesamten Kreis Minden-Lübbecke wahrzunehmen. Das Krankenhaus Lübbecke-Rahden mit seinen Fachabteilungen an zwei Standorten ist für eine flächendeckende Grundversorgung unverzichtbar«, heißt es in der Mitteilung.

»Systematisches Ausbluten«

Für den Vorstand des Freundeskreises steht fest, dass »das systematische Ausbluten des Hauses Rahden – auch nach der Eröffnung als Portalklinik – maßgeblich dessen Lebensgrundlagen entzogen hat«. Die unbefriedigende Personalsituation (es fallen zum Beispiel massenhaft Überstunden an) – sei sicherlich zum Teil dem Fachkräftemangel geschuldet, aber auch durch einen strikten Sparkurs hausgemacht, betont Eggensperger. »Wir fordern dringende Korrekturen innerhalb der Konzernspitze und einen bedarfsgerechten Aufbau der Personaldecke.«

»Mehr OP-Einheiten«

Weiterhin fordert der Freundeskreis, dass »die hochmodernen OP-Einheiten wieder erhöht werden und gleichzeitig die Stilllegung der zwei von vier Intensivbetten rückgängig gemacht wird«. Ziel müsse die Portalklinik sein, wie sie vom Kreistag beschlossen und nach dem Umbau präsentiert worden sei. Und was Eggensperger konsequent verlangt: »Die Notaufnahme muss über eine Zulassung der Berufsgenossenschaft verfügen.« Das sei wichtig zur Behandlung von Arbeits- und Schulunfällen. Innere und chirurgische Abteilung sollten unbedingt die Bettenzahl behalten und mit der notwendigen medizinischen Technik ausgestattet sein.

»Gegen Fachklinik«

»Die Umwandlung in eine Fachklinik – mit oder ohne universitären Segen – steht für den Freundeskreis nicht zur Debatte, weil dort keine Grund- und Notfallversorgung erfolgt. Zur flächendeckenden Grundversorgung gehört für uns selbstverständlich das Haus Lübbecke mit seiner hohen Leistungsfähigkeit und hervorragenden Abteilungen sowie ein Vorhalten der nötigen Transportkapazitäten. Wir erwarten von einem Krankenhauskonzern, der von der öffentlichen Hand betrieben wird, eine pflichtgemäße Erfüllung seines Auftrages: Die Sicherstellung der medizinischen Grundversorgung, die dem Bürger keine unzumutbaren Härten aufbürdet«, betont Eggensperger.

Thema: Finanzen

Auch zum Thema »Finanzen« bezieht der Freundeskreis klar Position: »Als das Klinikum Minden in desaströser finanzieller Lage war, wurden sämtliche Städte und Gemeinden per Kreisumlage zur Unterstützung verpflichtet – daran sollten sich unsere Entscheidungsträger auch erinnern. Die Sozialsysteme in unserem Staat werden solidarisch organisiert und finanziert, sie gehorchen nicht rein marktwirtschaftlichen Gesetzen.«

Freie Wähler

Auch die Freie Wählergemeinschaft (FWG) Rahden lässt keinen Zweifel an ihrer Haltung. Der stellvertretende Fraktionschef hat für die FWG eine Stellungnahme abgegeben: »Die Pläne des Vorstandes der MKK, unsere Portalklinik in eine Universitätsfachklinik für Psychosomatik und Suchtpatienten zu wandeln, ist gelinde gesagt eine Sauerei. Dr. Kristin Drechsler begründet das unter anderem damit, dass die junge Generation sich in Rahden nicht operieren und behandeln lassen will und die Betten leer stehen«, heißt es in der Stellungnahme. »Wie kommen Sie zu dieser Behauptung«, will Zimmermann von den MKK-Vorstandsmitgliedern Dr. Olaf Bornemeier und Dr. Drechsler wissen? »Haben Sie diesen Personenkreis einmal gefragt? Wir haben uns mit denen unterhalten und kommen zu einem anderen Meinung. Vielmehr waren sie nämlich dankbar, dass ihnen in ihrer Wohnortnähe schnell geholfen beziehungsweise ihr Leben gerettet werden konnte«, schreibt Zimmermann weiter.

»Auf Untersuchung warten«

Die FWG habe sich aber auch mit älteren Bürgern unterhalten. Auch die seien mit der medizinischen Versorgung und der persönlichen Betreuung des Pflegepersonals sehr zufrieden gewesen. »Solange, bis Sie anfingen, die medizinische und pflegerische Versorgung herunterzufahren, so dass etliche Untersuchungen und Operationen in Rahden nicht mehr möglich sind«, wendet sich die FWG an den MKK-Vorstand.

Es könne nicht sein, dass stationäre Patienten einige Tage auf eine Untersuchung warten müssten und dann ohne eine solche entlassen würden, da keine Ärzte für diese Untersuchung zur Verfügung stünden. (Aussage einer Patientin). »Wir möchten an dieser Stelle nicht mehr alles aufzählen, wie Sie die Grundversorgung im Rahdener Krankenhaus scheibchenweise reduziert haben, in den Zeitung wurde schon mehrfach darauf hingewiesen. Keinem Patienten ist es unter diesen Umständen zu verdenken, dass er sich gleich in einer anderen Klinik behandeln lässt«, heißt es von der FWG. »Hierzu hätten wir von Ihnen, Dr. Bornemeier und Dr. Drechsler, gerne eine Stellungnahme.« Die FWG habe zudem den Eindruck, dass dieses Vorhaben von langer Hand vorbereitet gewesen sei und in den jetzigen Plänen gipfelten.

»Akzeptieren Pläne nicht«

»Die FWG kann und will das Vorhaben des Vorstandes der MKK nicht akzeptieren. Wir setzen uns mit all unseren Kräften für den Erhalt unserer Portalklinik mit seiner medizinischen Grund- und Notfallversorgung sowie dem Erhalt der Geburtshilfestation, Gynäkologie und Urologie in Lübbecke ein. Sollte es bei den Plänen der MKK bleiben, können wir uns auch – wie in Bad Oeynhausen angedacht – einen Ausstieg aus dem Verbund vorstellen«, kündigt Zimmermann an.

Außerdem wünsche sich die FWG eine Resolution des Rates gegen die Pläne des Vorstandes der MKK.

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