Interessantes von den Mitarbeitern der ehemaligen Molkerei Was so in der Bierzeitung stand

Rahden (WB). Auf interessante Dokumente ist Rahdens Stadtheimatpfleger Claus-Dieter Brüning gestoßen. Im Stadtarchiv hat er Aufzeichnungen und Bilder gefunden. Es geht um die alte Molkerei.

Auch Betriebsausflüge unternahmen die Mitarbeiter der Rahdener Molkerei gerne. Dieses Bild stammt aus den 50-er Jahren.
Auch Betriebsausflüge unternahmen die Mitarbeiter der Rahdener Molkerei gerne. Dieses Bild stammt aus den 50-er Jahren.

»Häufig laufen einem Schnapszahlen über den Weg, ohne dass man groß über deren Bedeutung nachdenkt. Als Schnapszahlen werden in der Regel Zahlen bezeichnet, die identische Ziffern haben. Nicht nur heute, sondern auch früher hat man im hiesigen Raum gern Karten gespielt und während nun die Punkte des Spiels addiert wurden, kamen dabei nicht selten Schnapszahlen heraus, die dann zum Anlass genommen wurden, einen Korn oder Wacholder darauf zu trinken. Hin und wieder sah man danach dann auch schon doppelt.

Trinkgewohnheiten

So soll dieser Bericht doch Anlass genug sein, sich mit einer Bierzeitung zu beschäftigen, die aus Anlass des Betriebsfestes der Rahdener Molkerei im Januar 1963 herausgegeben wurde und an der einen oder anderen Stelle auch die Trinkgewohnheiten der Mitarbeiterschaft »auf’s Korn« nimmt.

Allein schon in Kleinendorf war mit Wiegmann, Berg, Pollheide und dem »Letztem Heller« die Versuchung groß, nach Feierabend das eine oder andere Körnchen zu trinken. Aber auch in allen anderen Ortschaften bestand auf dem Weg nach Hause genügend Gelegenheit, den Dienstschluss, manchmal zum Verdruss der Daheimgebliebenen, im Sinne eines Feierabends zu begehen.

Milchlieferung in Holzkisten

Aber machen wir nun einen kleinen Abstecher in jene Bierzeitung und in die Zeit, als die Milchflaschen noch in hölzernen Kisten ausgeliefert wurden. Für das Reparieren jener Kisten war in Rahden Ewald Beyer zuständig, dessen Werkstatt sich in einem Keller der alten Molkerei befand.

›Im tiefen Keller sitz ich hier vor mir ein Stapel Kisten, üb` immer Treu und Redlichkeit, denn jeder Nagel der muß sitzen, so spricht zu uns der Ewald Beyer und kommt er mal hervorgekrochen, aus seinem Loch im Keller – so hat das einen Grund den Wacholder hat er dort gerochen.‹

Für die Magermilch waren August Rehling und August Pape zuständig. ›August Rehling, lass dir sagen, es brechen bessere Zeiten an, die Magermilch, die wird dann fließen und nicht nur tropfen dann und wann. Ein Glück, er hat ne neue Brille, sitzt auf der Nase fest und steif, die alte war ja nur ne halbe war sicher bald museumsreif.‹

›Soll die Arbeit gut gelingen, unserer Molkerei zum Wohle, nur nicht aus der Ruhe bringen, ist für Papen August die Parole. Wenn es geht um schwere Sachen und man braucht nen starken Mann, weil es sonst nicht ist zu schaffen dann muß der August Pape ran.«

Fuhrmänner waren auch Boten

Die Fuhrmänner hatten, eigentlich jeder für sich einen ganz besonderen Ruf. Sie waren irgendwie auch die Boten der Molkerei.

›Einer vor der ganz besonderen Sorte ist der Fuhrmann Hermann Korte. Er hält es gern mit ein bißchen Liebe, ach, wenn es doch immer so nur bliebe!« »Als nächsten kommt der Wilhelm Rosenbohm nun dran, über den man mehr als ein ganzes Romanbuch schreiben kann. Als Jackeneintänzer unbeschwert, so manche frohe Stunde er uns beschert. Seine Kollegen gern bei Pollheide mit ihm Einkehr halten. Doch fällt es schwer sich sicher hernach auf den Wagen zu halten.‹

›Hermann Kröger ist da ein ganz anderer Mann, der sich im Jahr mit zwei Rasierklingen behelfen kann, oft kann man ihn eifrist debattieren sehn, wenn politische Frage auf dem Spiele stehn. Dann ist er haarig wie sein Bart, frei nach alt politischer Art.‹

Um den Papierkram kümmerten sich dann etwas zartere Hände.

›Inge Faber eine jung vermählte Frau ganz zart und mild, ist voller Sehnsucht angefüllt. Denn ihr Gatte weilt oft in weiter Ferne, und sie hätt´in lieber hier so gerne. Und ist er dann endlich mal daheim ist durcheinander unser Ingelein!‹ Ein Junggeselle fiel aufgrund seiner Köpergröße aus dem Rahmen und wurde zudem sehr schön karikiert. ›Vom Langen soll hier jetzt die Rede sein, als Lütkemyer ist er wohlbekannt, in Sielhorst, Varl und Kleinendorf hier im Betrieb und auf dem flachen Land. Bei Frauen hat er am Ende immer Pech, wer´s weiß, der kann es gut verstehen, denn er quasselt sehr und red viel Blech.‹

Für Joghurt und Quark zeichnete Harold Neuhoff zuständig.

›Der Harrie Neuhoff rührt zusamm´ den Joghurt und auch den Quark, er hält nicht viel von all dem modernen Kram, und bleibt lieber doch bei seiner alten Art: Was ihr mit Euren Colis (Kolibakterien) habt, ich kann das nicht verstehn, die Brille hab´ich schon geputzt; und kann sie immer noch nicht seh´n.‹

Irgendwie bekam in dieser Bierzeitung eigentlich jeder Kollege sein Fett ab. In der Regel herrschte in der Molkerei aber ein hartherzlicher Ton und über Betriebsfeiern im ›Letzten Heller‹ wissen ehemalige Mitarbeiter auch heute noch zu erzählen.«

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