Nach AMR-Aufgabe: Wird Busverkehr in Rahden neu ausgeschrieben? Wer fährt künftig die Schüler?

Rahden (WB). »Wir müssen uns Gedanken machen, auf welche Art der Schülertransport in der Stadt Rahden künftig sichergestellt werden kann«, sagt Rahdens Bürgermeister Bert Honsel. Eine Entscheidung müsse schnell getroffen werden. »Das genießt bei mir höchste Priorität«, sagte er im Gespräch mit dieser Zeitung.

Von Michael Nichau
Noch fährt die Firma AMR aus Rahden den Schülerspezialverkehr in Rahden. Die niedersächsischen Schüler fahren per Linienbus.
Noch fährt die Firma AMR aus Rahden den Schülerspezialverkehr in Rahden. Die niedersächsischen Schüler fahren per Linienbus. Foto: Michael Nichau

Der Hintergrund: Zum 31. Juli gibt das Rahdener Busunternehmen AMR seinen Betrieb komplett auf. Dazu gehört auch der bisher seit vielen Jahren von der Rahdener Traditionsfirma betriebene Schülerspezialverkehr. Schülerspezialverkehr meint: Ein Busunternehmen stellt reine Schulbusse bereit und transportiert damit die Mädchen und Jungen zu den Schulen und wieder zur Heim-Haltestelle.

»Normale« Busse einsetzen

Eine Alternative wäre der Schülertransport innerhalb des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV), wie er etwa in Stemwede praktiziert wird. Dabei fahren die Kinder und Jugendlichen in »normalen« Linienbussen mit, die in der Regel zu den regulären Fahrzeiten den ÖPNV ihre Touren absolvieren.

Einen Unterschied mache dabei die Abrechnung, bestätigte Rahdens Bürgermeister: Beim Schülerspezialverkehr bezahle die Stadt gewissermaßen das gesamte Paket inklusive Bussen und Fahrern. Beim Linienverkehr müsste die Stadt Rahden jeweils die Kosten für eine Dauerfahrkarte pro Schüler im Monat übernehmen. Welche der Varianten für die Stadt Rahden finanziell günstiger sein würde, ließ Honsel offen.

Die Zeit drängt

»Den Schülerspezialverkehr müssten wir dann – möglichst schnell – ausschreiben und zwar europaweit«, erläuterte Honsel. Ursache sei, dass das Kostenvolumen von mehr als 220.000 Euro pro Jahr überschritten werde. Er wolle jetzt von der Politik allerdings wissen, in welche Richtung er arbeiten solle.

Dass Rahdener Politiker nichts von den Entwicklungen gewusst haben wollen, hält Honsel für eine Unwahrheit. Seines Wissens nach habe die Firma AMR »einen sehr weiten Personenkreis« von Kreistagsabgeordneten bis hin zu Rahdener Ratsmitgliedern angeschrieben und im Oktober 2017 über die anstehende Situation informiert.

»In den Schreiben war dann von einer drohenden Insolvenz der Firma AMR die Rede«, sagt Honsel. Das habe bei ihm »alle Alarmglocken schrillen lassen«. Denn: »Was nicht passieren darf, ist, dass wir zum neuen Schuljahr im Sommer 2018 ohne Schülerbeförderung da stehen«, meinte er.

Gespräche sind geführt

Inzwischen habe die Stadtverwaltung Gespräche mit AMR und dem ÖPNV-Anbieter Mindener Kreisbahnen (MKB) geführt und auch versucht, zu vermitteln. »Vom Geschäftsführer der MKB hieß es dabei, dass die Kündigung vom AMR unwiderruflich sei.« Die MKB habe angeboten die Schülerbeförderung innerhalb des regulären Personennahverkehrs zu übernehmen. »Wir werden das jetzt in den politischen Bereich tragen, denn eine Entscheidung sollte der Rat treffen«, sagte Honsel.

Ob die Entscheidung »Schülerspezialverkehr oder ÖPNV« auch den Haushalt der Stadt Rahden und die Diskussion darüber berühre, wollte Honsel nicht sagen. »Dann würde ich verfrüht eine Aussage zu den möglichen Kosten machen«, meinte er.

Da es dabei in der Regel um Vertragsangelegenheiten gehe, würden die Diskussionen über die Vorgehensweise in den Gremien der Stadt Rahden zudem in Zukunft nicht öffentlich geführt werden, bemerkte er.

Auch bat er, in der politischen Diskussion von Schuldzuweisungen (»Wer hat hier etwas versäumt?«) abzusehen: »Das Thema ist zu wichtig. Es muss gehandelt werden.«

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