Ingrid von Mitzlaff feierlich in Ruhestand verabschiedet Ein Abschied mit Humor und viel Gefühl

Rahden (WB). Zugegeben: Ein mehr als drei Stunden umfassender Festakt – das klingt lang. Doch im Falle der Verabschiedung von Ingrid von Mitzlaff (63) hätte er nicht kürzer und auch nicht kurzweiliger ausfallen können. In 22 intensiven Schaffensjahren hat sie als Leiterin des Gymnasiums der Stadt Rahden an mehreren Fronten gleichzeitig »gekämpft« – und dabei viele Menschen beeindruckt und berührt.

Von Mareile Mattlage
»Ein gutes Klima und eine tolle Ausstrahlung«, bescheinigte Rahdens Bürgermeister Bert Honsel dem Gymnasium und bedankte sich bei Leiterin Ingrid von Mitzlaff für diese Leistung.
»Ein gutes Klima und eine tolle Ausstrahlung«, bescheinigte Rahdens Bürgermeister Bert Honsel dem Gymnasium und bedankte sich bei Leiterin Ingrid von Mitzlaff für diese Leistung. Foto: Mareile Mattlage

»Der Saal ist voll. Alle sind gekommen, um sich bei dir zu bedanken«, brachte es

Benno Schomaker zu Beginn der Veranstaltung in der Aula des Gymnasiums auf den Punkt. Schomaker – bislang als Stellvertreter tätig – wird das Gymnasium von nun an kommissarisch leiten. Als sein Stellvertreter fungiert Eckhard Müller.

Kollegen, Schüler, Eltern, Schulleiter des gesamten Kreises Minden-Lübbecke, Vertreter der Stadt Rahden, der Kirche, der Politik, aus Kultur und der heimischen Wirtschaft, geflüchtete Kinder der internationalen Klasse und viele weitere Gäste waren gekommen, um Ingrid von Mitzlaff Wertschätzung und Anerkennung auszusprechen.

Ganz besonderer Tag

Dass es sich um einen ganz besonderen Tag handelte, zeigte sich schon daran, dass Benno Schomaker Lackschuhe trug, wie er selbst augenzwinkernd betonte (der Mathematik- und Physiklehrer ist bekannt dafür, dass er gerne mit offenen Sandalen in den Unterricht kommt, Anm. d. Red.).

Ähnlich humorvoll und entspannt ging es auch bei den anderen Ansprachen zu. So verlor Gertrud Pannek, Schuldezernentin der Bezirksregierung, während des Redens einen Schuh. Der Grund: Hinter dem Vorhang baute die Klasse 6a bereits das Bühnenbild für ihre spätere Akrobatik-Vorführung auf und schob der Rednerin dabei versehentlich eine Matte unter die Füße. Bei der Suche ihres Schuhs half Ingrid von Mitzlaff der Schuldezernentin später, was für viel Heiterkeit im Publikum sorgte. Pannek gab einen Einblick in Ingrid von Mitzlaffs ereignisreichen Lebenslauf (wir berichteten in Form eines großen Interviews) und ging dabei auf die Verdienste der Schulleiterin für die russische Sprache ein. Hierfür dankten auch Irina Hafner und Volker Schmidt als Vertreter der Partnerschule in Jaroslawl.

Redner würdigen Leistungen

Weitere Redner waren unter anderem Rahdens Bürgermeister Dr. Bert Honsel und Pfarrer Udo Schulte, die der Schulleiterin »viel Sachverstand, Fingerspitzengefühl und Geduld« sowie Mut zu Visionen bescheinigten. Ingrid von Mitzlaff, die das Gymnasium nicht nur leitete, sondern vom ersten Stein an mit aufgebaut hat, habe einen »segensreichen Ort« geschaffen, formulierte Schulte.

Von den Nachbarschulen gab es ein Ständchen. Gisela Bednar, Leiterin der Realschule Rahden, betonte, dass das Prinzip »Schulzentrum« in Rahden wahrhaftig gelebt werde.

Besonders emotionale Beiträge gab es seitens der Schüler und Kollegen. Ein selbst gedrehter Film mit Grüßen der Kinder und eine eigene Lehrer-Version des Songs »Ein Kompliment – Applaus, Applaus!« der Sportfreunde Stiller sorgten für Tränen der Rührung.

Spaß mit Foto-Show

Als das Kollegium in einer fiktiven Foto-Show präsentierte, was sie in Wirklichkeit in der Schule angestellt hätten, wenn die Chefin zu Besprechungen in Detmold war, kullerten abermals Tränen – diesmal allerdings vor Lachen. Die Bilder zeigten, wie die Lehrer auf Tischen tanzten, am Schulteich eine Grillparty veranstalteten und allerlei Blödsinn anstellten und ließen kaum ein Auge trocken.

»Wir schätzen und fürchten deinen Verstand, lächeln über deine Detailliebe und vermissen schon jetzt dein Herz«, sagte Barbara Bregenhorn-Loske als Vertreterin des Kollegiums. Hendrik Gräber fand als Sprecher des Ehemaligenvereins ähnliche Worte: »In meiner gesamten Schulzeit habe ich es nicht ein einziges Mal erlebt, dass Frau von Mitzlaff den Namen eines Schülers nicht kannte. Eine Tatsache, die mich einerseits beeindruckt, andererseits bis heute auch ein wenig verängstigt.«

Schließlich ergriff Ingrid von Mitzlaff selbst das Wort: »Die Zusammenarbeit hat mir unheimlich viel Freude bereitet. Danke, dass ich hier Schulleiterin sein durfte!«

Überraschung zum Schluss: Ein Pflasterstern à la Hollywood mit dem Namen der Schulleiterin soll im Hof der Schule eingelassen werden – der Beleg einer filmreifen Karriere sozusagen.

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