Matthias Bronisch gibt Kunstbuch über den Maler Ernst Lindemann heraus Ein norddeutscher Ostwestfale

Rahden/Bielefeld (WB). Gibt man bei Google den Namen Ernst Lindemann ein, bekommt man fünf Personen angeboten: je einen Agrarwissenschaftler, Marineoffizier, Politiker, Manager und Maler. Zu großer Bekanntheit hat es keiner gebracht. Was den Maler anbelangt, könnte sich das bald ändern.

Von Uta Jostwerner
2015 hat der Rahdener Kulturverein »KUL-TÜR« in der Stadtsparkasse eine Ausstellung mit Bildern von Ernst Lindemann organisiert. Das Foto aus dem Archiv des heimischen Geldinstituts zeigt die »KUL-TÜR«-Vorsitzende Monika Büntemeyer, den Laudator des Abends Matthias­ Bronisch (links) und das ehemalige Vorstandsmitglied Klaus Kienemann, der sich jetzt im Ruhestand befindet.
2015 hat der Rahdener Kulturverein »KUL-TÜR« in der Stadtsparkasse eine Ausstellung mit Bildern von Ernst Lindemann organisiert. Das Foto aus dem Archiv des heimischen Geldinstituts zeigt die »KUL-TÜR«-Vorsitzende Monika Büntemeyer, den Laudator des Abends Matthias­ Bronisch (links) und das ehemalige Vorstandsmitglied Klaus Kienemann, der sich jetzt im Ruhestand befindet.

Just ist im Bielefelder Kunstsinn-Verlag ein Kunstbuch über den Maler Ernst Lindemann erschienen. Als Herausgeber zeichnet der Bielefelder Matthias Bronisch verantwortlich, der schon 2014 eine Ausstellung im Freizeitzentrum Stieghorst mit Werken des unbekannten Malers organisierte. »Ich möchte den Mann stärker ins Bewusstsein der Ostwestfalen bringen«, sagt Bronisch über den Künstler, der 1869 in Rahden geboren wurde und 1943 in Lüneburg verstarb.

Unbeschwerte Kindheit mit 14 Jahren vorbei

Bronisch, geboren 1937 in Stettin, ist der Großneffe von Ernst Lindemann und im Besitz zahlreicher Werke seines Großonkels, eines Bruders seiner Großmutter Johanne Meyer zur Capellen, einer geborenen Lindemann. Er kann sich noch an seinen Großonkel erinnern: »Wenn ich als Kind im Elternhaus meiner Mutter in Bad Essen zu Besuch war, bin ich immer unter den Tisch gekrochen und habe gegen das Holzbein von Ernst Lindemann geklopft, weil ich wissen wollte, ob es auch wirklich aus Holz ist«, erinnert sich Bronisch. 14 Jahre alt war Lindemann, als er durch Tuberkulose ein Bein verlor.

Schon früh wird der Junge mit Krankheit konfrontiert. Im Alter von acht Jahren stürzt er in einer Schulpause und verletzt sich am Knie. In der Nacht darauf stellen sich furchtbare Schmerzen ein. Ernst Lindemann muss monatelang das Bett hüten. Seine bis dahin unbeschwerte Kindheit endet abrupt. »Das außen, der üppig blühende Garten unbeschwerter Kindheit war nun verschlossen und zwang Sehnen und Suchen, sich Wege zu bahnen in das Innen«, schreibt Lindemann in seinen Lebensaufzeichnungen.

Ernst Lindemann ist Expressionist

Das Originalmanuskript bewahrt Matthias Bronisch auf. Er hat die in Sütterlin verfasste Handschrift transkribiert. Der biografische Text »Wege und Wandlungen des Lichts« ist im Kunstbuch abgedruckt, zusammen mit einer kunsthistorischen Einordnung durch Matthias Bronisch, der Kunstgeschichte, Archäologie und Literaturwissenschaft in Münster und Hamburg studierte.

»Ernst Lindemann ist Expressionist, doch anders als Nolde und van Gogh hat er nur selten deren wilden, explosiven Umgang mit der Farbe, dem Strich, sondern er sucht immer nach einer linearen Gestaltung, nach Eingrenzung der Farbflächen, denen er jedoch Schwung und Dynamik gibt, um so die Bewegung der Natur, die Schwünge der Landschaft, die Dynamik der Wolkenbildungen zu bändigen, in eine Strukturierung der Bildfläche einzubinden. Mir scheinen in dieser kompositorischen Gestaltung Erfahrungen des Jugendstils nachzuschwingen«, erklärt Matthias Bronisch.

Und der Kunsthistoriker Jürg Meyer zur Capellen sagte in der Einführung einer 1971 in Lüneburg gezeigten Ausstellung: »Es geht ihm nicht so sehr um die äußere Form, sondern es geht ihm um die Seele seiner Bildgegenstände.«

Werke stammen aus Privatbesitz

Der Bildgegenstand ist fast immer die menschenleere Natur, manchmal auch die Behausung des Menschen. Lindemann ist ein Landschaftsmaler, der starke Impulse von der norddeutschen und holländischen Landschaft sowie von deren Malern erhält. Seine künstlerische Entwicklung vollzieht sich vom Jugendstil über den Pointillismus hin zu einem Expressionismus, der im Laufe der Jahre dann immer abstrakter wird.

In mehr als 40 Werken präsentiert das Kunstbuch einen repräsentativen Querschnitt des Oeuvres von Ernst Lindemann. Insgesamt, meint Matthias Bronisch, gibt es 1000 Werke – Aquarelle und Kohlezeichnungen – von Ernst Lindemann. Sie sind auf ganz Deutschland verteilt. Die Werke im Buch stammen aus seinem Privatbesitz und aus dem Besitz seines Cousins. »Es sind Bilder, auf die ich Zugriff habe«, sagt Bronisch.

Das Buch mit dem Titel »Der Maler Ernst Lindemann« ist im Buchhandel erhältlich. ISBN: 978-3-939264-18-7.

Ernst Lindemann

Ernst Lindemann besuchte 1886 in Kunstgewerbeschule Düsseldorf, wo ihn vor allem Clemens Buscher beeinflusste. 1888 wechselte er nach Berlin und schrieb sich an der Königlichen Kunstschule ein. Auch diese Schule verließ er schon nach einem Jahr und besuchte nun die Königliche Webe-, Färberei- und Appreturschule in Krefeld. Nach Abschluss der Ausbildung ging er 1891 als Musterzeichner nach Chemnitz. Sowohl hier wie in Cottbus brach er seine Tätigkeit nach kurzer Zeit ab. Schließlich bewarb er sich bei der Tapetenfabrik Penseler & Sohn in Lüneburg, wohin er 1895 zog. Durch verwandtschaftliche Beziehungen bekam er Verbindung mit den »Lüneburgschen Anzeigen«, für die er später auch kulturelle Artikel schrieb. Seine Verbundenheit mit der Lehrerin Olly Pöschmann wurde eine Lebensbeziehung. Von Lüneburg aus fuhr er ans Meer, das für ihn zur wichtigsten Quelle seiner Bildmotive wurde. In Hamburg lernte er auch die Werke der Maler der Brücke, van Goghs und Edvard Munchs kennen, die ihn doch sehr beeindruckten.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.