Familienvater zu zwölf Monaten Haft auf Bewährung verurteilt Mann verschickt Kinderpornos

Rahden/Espelkamp (WB). Es ist eine »kurze Episode« im Leben des Mittvierzigers gewesen, die jedoch ausreichte, um nach seinen Worten »viel kaputt zu machen«: Wegen der Verbreitung sowie des Besitzes kinder- und jugendpornografischer Bilder sowie Videos musste sich am Freitag ein Espelkamper vor dem Amtsgericht Rahden verantworten.

Von Charlotte Peitsmeier
Symbolbild.
Symbolbild. Foto: dpa

Im September 2015 hat der, zu diesem Zeitpunkt noch in Kleinendorf lebende Angeklagte, während eines etwa vierwöchigen Zeitraums in 15 Fällen kinder- und jugendpornografische Schriften per Chatkommunikation an Whats-App-Kontakte versendet. Bei einer Hausdurchsuchung stellte die Polizei am 29. September vergangenen Jahres Smartphone und Laptop des Angeklagten sicher. Auf ihnen befanden sich jeweils mehr als 100 kinder- und jugendpornografische Bild- und Filmdateien. Sie zeigten unter anderem Mädchen im jugendlichen Alter und solche deutlich unter vierzehn Jahren gänzlich unbekleidet posierend sowie bei der Vornahme sexueller Handlungen.

Zu Beginn der Verhandlung legte der Angeklagte über seinen Rechtsanwalt ein umfassendes Geständnis ab. Die Ermittlungen gegen ihn und dessen Folgen hätten für den Familienvater einen »heilsamen Schock« dargestellt, betonte sein Verteidiger. Er mache seither eine schwere Zeit durch: »Wegen der Tatvorwürfe trennte sich seine Ehefrau von ihm, er verlor seinen Job und die beiden Kinder sieht er nur noch selten«, erklärte der Anwalt.

Staatsanwältin forderte Bewährungsstrafe von 20 Monaten

Diese persönlichen Umstände sowie die Tatsache, dass sich der Angeklagte voll geständig zeigte, wertete auch die Staatsanwaltschaft strafmildernd. Gleichzeitig müsse jedoch in Abwägung gebracht werden, dass die Taten als aufs Höchste verwerflich anzusehen seien: »Hinter jedem der verbreiteten Bilder und Videos steckt immer das Schicksal eines Kindes.« Daher forderte die Staatsanwältin eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten für den Angeklagten, die jedoch zur Bewährung ausgesetzt werden könne.

Der Verteidiger plädierte für eine Bewährungsstrafe von sieben Monaten. Zur Diskussion stand, ob das Verschicken mehrer Whats-App-Nachrichten kinderpornografischen Inhalts an dieselbe Nummer Tateinheit oder Tatmehrheit darstelle. Während der Verteidiger argumentierte, dass in einem Abstand von einigen Minuten gesendete Bilder eine natürliche Handlungseinheit darstellten und damit in Tateinheit stünden, hieß es seitens der Staatsanwaltschaft, dass sich in einer solchen Chatkommunikation auch mehrere Bilder auf einmal schicken ließen. Das Versenden einzelner Nachrichten in einem zeitlichen Abstand begründe daher stets einen neuen Tatentschluss und damit Tatmehrheit.

3000 Euro für den Kinderschutzbund

Der Richter nahm die Argumente zur Kenntnis, verwies jedoch darauf, dass dies im konkreten Fall keine erheblichen Auswirkungen auf das Strafmaß habe. Für Verbreitung und Besitz kinderpornographischer Schriften sieht das Gesetz eine Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren vor, während das Strafmaß bei Fällen von Jugendpornografie bei einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe liegen kann.

Zwölf Monate auf Bewährung, lautete das Urteil. Zudem muss der Angeklagte 3000 Euro an den Kinderschutzbund zahlen. Der Richter begründete seine Entscheidung mit der Einsichtsfähigkeit und der günstigen Sozialprognose für den Angeklagten: »Das Verfahren hat Wirkung gezeigt«. Das Urteil ist rechtskräftig.