Kreis-Landfrauen treffen sich zum Frühstück und diskutieren über Gleichstellung  »Politik ist keine Männerdomäne« 

Rahden/Altkreis Lübbecke (WB). »Wenn Sie in der Politik etwas gesagt haben wollen, wenden Sie sich an einen Mann. Wenn Sie etwas getan haben wollen, wenden Sie sich an eine Frau.« Mit diesem Zitat der englischen Politikerin Margret Thatcher hat Marlies Klocke, Kreisvorsitzende des Landfrauenverbandes, ihren Jahresausblick bei der Frühjahrstagung beendet.

Von Maresa Schmalgemeier
Diese Landfrauen mischen sich ein (von links): Holle Niemann (Kreisvorstand CDU), Marlies Klocke (Vorsitzende der Landfrauen), Ulla Thielemann (Ortsvorsteherin in Kleinendorf und Ratsmitglied), Christel Senckel (stellvertretende Bürgermeisterin Espelkamp), Bianca Winkelmann (Fraktionsvorsitzende der CDU Rahden und Ratsmitglied), Ute Grell (Geschäftsführung der Landfrauen), Iris Niermeyer (Kreisvorstand der Landfrauen) und Heidi Bierbaum (Arbeitsgemeinschaft Frauengruppen im Kreis).
Diese Landfrauen mischen sich ein (von links): Holle Niemann (Kreisvorstand CDU), Marlies Klocke (Vorsitzende der Landfrauen), Ulla Thielemann (Ortsvorsteherin in Kleinendorf und Ratsmitglied), Christel Senckel (stellvertretende Bürgermeisterin Espelkamp), Bianca Winkelmann (Fraktionsvorsitzende der CDU Rahden und Ratsmitglied), Ute Grell (Geschäftsführung der Landfrauen), Iris Niermeyer (Kreisvorstand der Landfrauen) und Heidi Bierbaum (Arbeitsgemeinschaft Frauengruppen im Kreis).

 Etwa 40 Frauen hatten sich in der Gaststätte am Museumshof zum Jahresbericht und anschließender Podiumsdiskussion unter dem Thema »Landfrauen mischen sich ein« zusammen gefunden.

 Die Teilnehmerinnen, allesamt ehrenamtlich engagiert, richteten während der Diskussion einen klaren Appell an die Mitglieder, aber auch an alle anderen Frauen im Kreis: »Mischen Sie sich ein!« Denn auch wenn sich in den vergangenen Jahren viel getan habe, seien Frauen in der Politik noch immer deutlich unterrepräsentiert.

 »Von 36 Mitgliedern im Rahdener Stadtrat sind neun weiblich. Und damit haben wir noch eine der besten Quoten im Umkreis«, berichtete Bianca Winkelmann, Fraktionsvorsitzende der CDU und Ratsmitglied in Rahden. Dabei mangele es gerade bei Ehrenämtern nicht an Möglichkeiten zum Einstieg. Die Frauen sollen mehr Selbstbewusstsein zeigen und sich etwas zutrauen. »Man wächst mit seinem Amt – Es lohnt sich.«

 Anders sei die Situation noch vor 30 Jahren gewesen, wie Christel Senckel, stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Espelkamp, aus eigener Erfahrung erzählte. Damals habe man sich über Verbände wie die Frauenunion ein Sprachrohr verschaffen müssen. Die Union habe ihr letztlich auch geholfen, 1999 in den Stadtrat gewählt zu werden. Dies mache deutlich, wie wichtig es sei, dass Frauen sich zusammenschließen, auch wenn es in den meisten beruflichen und gesellschaftlichen Bereichen heute kaum noch Barrieren gebe.

 Dennoch sind sich die Teilnehmerinnen einig, dass die Frauenquote ihren Sinn und Zweck habe. »Ich selbst habe mich zu Beginn nicht zu den Befürwortern der Frauenquote gezählt. Doch die Entwicklung hat gezeigt, dass wir ohne Quote nicht gehört wird«, brachte Heidi Bierbaum (AG-Frauengruppen) es treffend auf den Punkt. Ulla Thielemann, Ortsvorsteherin von Kleinendorf und Ratsmitglied der Stadt Rahden schloss sich dieser Aussage an.

 Selbstbewusstes Auftreten sei oft noch immer negativ besetzt und werde häufig fehlinterpretiert. »Frauen wird der Rücken nicht freigehalten. Sie müssen sich stärker profilieren, um die hohen Positionen zu erreichen«, sagte Thielemann.

 Dazu trage auch die hohe Doppelbelastung von Beruf und Ehrenamt, häufig sogar noch durch die Familie bei. Das Amt gehe mit großem Zeitaufwand einher, zumal Arbeitgeber längst nicht mehr so großzügig seien, wie sie es einmal waren. Eine Freistellung während der Arbeitszeit muss häufig mit Überstunden aufgewogen werden. Dadurch nehme die Qualität politischer Arbeit immer mehr ab. Doch gerade das lässt die Damen appellieren. »Natürlich übt man sein Amt auf Kosten der Freizeit aus. Doch für mich ist das Ehrenamt keine Belastung, sondern viel mehr ›Wohlfühlzeit‹ und ›Kraft tanken‹. Das möchte ich auf keinen Fall missen«, erzählte Holle Niemann-Ahnefeld. Die zweifache Mutter führt ihren eigenen Betrieb und ist außerdem Mitglied im Kreisvorstand der CDU Minden-Lübbecke.

 Für jede der Frauen sei es aber vor allem die Arbeit mit den Menschen und für die Leute vor Ort, die sie motiviere. »Die Hauptaufgabe eines Politikers ist es, den Menschen zugewandt zu sein«, sagte Niemann-Ahnefeld. »Jeder möchte in seiner Umgebung etwas positiv verändern«, ergänzte Christel Senckel. Um aber wirklich etwas bewirken zu können, seien ein großes Netzwerk und gute Kontakte unabdingbar. Gerade über die verschiedenen Ehrenämter sei dies den Anwesenden möglich.

 Das Schlusswort hielt Annegret Flömer, stellvertretende Vorsitzende der Landfrauen. Themen wie der Bau von Windkraftanlagen und die Schließung von Grundschulen mache den Aufruf, sich als Verein einzubringen, erforderlich. Mit 43000 Mitgliedern in fast 400 Orts- und 20 Kreisverbänden seien die Landfrauen in NRW ein einflussreicher Verband, der sich darüber hinaus dafür einsetzen solle, dass der ländliche Raum eine wirtschaftliche Kraft ist und bleibt.

 Entgegen dem Aufruf zu gesellschaftlichen Engagement von Iris Niermeyer (Kreisvorstand) betonte Bianca Winkelmann im Anschluss an die Diskussion die Relevanz politischer Tätigkeit. »So sehr man sich ehrenamtlich engagiert, die wichtigen Entscheidungen werden in der Politik getroffen.« Sie nannte dabei als Beispiel die viel diskutierten Grundschulschließungen im Kreisgebiet.

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