Verkaufsfläche soll um 200 Quadratmeter ansteigen – Aldi beschränkt sich auf zulässige Grenze  Lidl hofft auf Wohlwollen der Stadt 

Rahden (WB). Die Firma Lidl möchte ihren Supermarkt an der Eisenbahnstraße in Rahden erweitern. Eine entsprechende Bauvoranfrage hat der Discounter an den Kreis als Baubehörde gerichtet.

Von Michael Nichau
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 Doch in diesem Fall ist nicht nur der Kreis Minden-Lübbecke gefragt, denn die maximale Verkaufsfläche für das Geschäft ist baurechtlich auf 1000 Quadratmeter beschränkt.

 »Wir haben 1000 Quadratmeter Fläche und möchten die Verkaufsfläche um 200 Quadratmeter erweitern«, schilderte Bodo Konway, Bereichsleiter Immobilien bei Lidl (Westerkappeln) die Ziele des Unternehmens. Als die Fremd-Bäckerei noch integriert war, hätte der Lidl damit bereits über 1050 Quadratmeter Verkaufsfläche verfügt. Das sei heute wieder anders.

 Laut geltendem Bebauungsplan sind auf dem Grundstück an der Eisenbahnstraße lediglich 1000 Quadratmeter zulässig, bestätigte Rahdens Bauamtsleiter Dieter Drunagel. Auch sei im Zuge des Genehmigungsverfahrens – vor etwa acht Jahren – eine Grundbucheintragung zugunsten der Stadt Rahden erfolgt, die ebenfalls dieses Limit vorgebe.

 Damals ging Lidl juristisch gegen die Stadt Rahden vor, um überhaupt eine Baugenehmigung zu erhalten. Im Zuge des Verfahrens kam es zu den genannten Flächen-Festlegungen. Wolle Lidl in Rahden erweitern, so müsse in diesem Fall der geltende Bebauungsplan geändert werden, hieß es aus der Rahdener Verwaltung.

 »Wir haben unsere Anfrage an den Kreis gerichtet und führen derzeit Gespräche mit der Stadt Rahden, um zu einer Lösung zu gelangen«, erläuterte Konway gestern im Gespräch mit der RAHDENER ZEITUNG. Nach derzeitigem Stand werde Lidl einen Antrag auf Änderung des Bebauungsplanes stellen.

 Klar und deutlich möchte Konway herausgestellt wissen: »Mit der Erweiterung der Verkaufsfläche geht keine Sortimentserweiterung einher.« Es gehe bei dem Unterfangen zum einen um Logistikvorteile (50 Quadratmeter mehr Lagerfläche), zum anderen darum, das Geschäft – auch durch Verbreiterung der Gänge zwischen den Regalen und niedrigere Regale – für die Kunden attraktiver sowie barrierefrei für Behinderte zu gestalten, sagte er.

 Dazu sei vorgesehen, das vorhandene Gebäude zur Rückseite hin um zehn Meter in Richtung Böschung zu verlängern. »Das ist ohne großen Aufwand zu realisieren und bei der Wahl der Baufläche von uns bereits berücksichtigt worden«, meinte der Immobilien-Bereichsleiter.

 »Es hieß von der Stadtverwaltung in Rahden, dass die Erweiterung ein schwieriges Unterfangen werde«, berichtete Konway von den Gesprächen. »Sie sind vielleicht durch die juristische Auseinandersetzung von vor einigen Jahren noch belastet«, deutet er an.

 Konway meint allerdings, dass es in der Zwischenzeit vielleicht einige »Veränderungen in der Betrachtungsweise« der Discounter an der Eisenbahnstraße gegeben haben könnte. »Ich hatte den Eindruck, dass sich die Stadt damals vor den Karren bestimmter Kaufleute hatte spannen lassen. Da mag es vielleicht Wechsel gegeben haben«, sagte Konway.

 Er sei zudem der Ansicht, dass die Bevölkerung vielleicht anderer Ansicht sei, als Verwaltung oder Politik. »Die Verkaufsflächenbeschränkung war damals ein Deal (Handel), um die Baugenehmigung zu erhalten«, sagte Konway. »›Handel ist Wandel‹ lautet unser Wahlspruch. Und vielleicht ist es an der Zeit, auch mal über seinen eigenen Schatten zu springen«, meinte er. Konway gestand außerdem zu: »Die Herangehensweise mit einem erneuten Verträglichkeitsgutachten in Bezug auf die Geschäfte in der Innenstadt ist ein gangbarer Weg.«

 Er hätte grundsätzlich auch keine Bedenken, mit einer Filiale in die Innenstadt zu gehen. »Nur: Dann muss sich ein geeignetes Grundstück mit etwa 7500 Quadratmetern Fläche finden. Das ist auf der ›grünen Wiese‹ einfacher.«

 Was macht Aldi?

Wie Lidl möchte auch der Aldi an der Eisenbahnstraße erweitern. Hier ist allerdings die Rede von künftig 1000 Quadratmetern Verkaufsfläche. Um diese Größe zu erreichen, möchte Aldi allerdings das vorhandene Gebäude abreißen und an der bisherigen Stelle komplett neu bauen. »Wir wollen dabei die vom Bebauungsplan vorgegebenen Größen einhalten, denn wir möchten jetzt bauen und nicht in zwei Jahren«, sagte Thorsten Effner, Leiter Immobilien bei Aldi (Rinteln).

 Die Verkaufsfläche des Aldi wachse mit dem Neubau von derzeit 745 Quadratmetern auf 1000 an. Der Neubau werde eine Breite von 19,6 Metern haben. »Das derzeitige Gebäude gibt die Erweiterung von der Statik nicht mehr her. Wir möchten auch eine ganz neue Ansicht erreichen. Außerdem werden das Lager von 280 auf 334 Quadratmeter und die Sozialräume um 30 Quadratmeter vergrößert«, erläuterte Effner.

 Der Neubau mache auch den Einsatz neuer Heizungstechnik möglich. »Es wird eine Wärmeverbundanlage geben, die mit der Abwärme der Kühltruhen heizen kann. Zusätzlich ist eine Photovoltaikanlage auf dem Flachdach vorgesehen«, erläuterte er. Die Baupläne seien bereits mit dem Kreis Minden-Lübbecke abgeklärt: »Wir haben ein positives Signal erhalten. Im Mai wird von dem bisherigen Markt nichts mehr zu sehen sein. Ab Herbst sind wir wieder vertreten«, sagte Effner, der den Vorstoß des Mitbewerbers Lidl nicht kommentieren wollte.

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