Ratsfraktionen nehmen Stellung zum Thema mögliche Werksstraßen »Auf der Welle«  Politik versteht Firmen und Anwohner 

Rahden (WB). Für Zündstoff in der Bevölkerung und in der Politik haben öffentliche Überlegungen der Freien Wählergemeinschaft (FWG) Rahden zu den beiden möglichen Werksstraßen im Bereich der Straße »Auf der Welle« gesorgt.

Von Elke Bösch
Zurzeit gilt in Stellerloh sowohl aus Richtung der Mindener als auch Weher Straße noch die Regelung, dass die Durchfahrt für Personen- und Lastverkehr grundsätzlich frei ist. Lediglich Lastwagen ab einer gewissen Schwere dürfen nur Anlieger anfahren.
Zurzeit gilt in Stellerloh sowohl aus Richtung der Mindener als auch Weher Straße noch die Regelung, dass die Durchfahrt für Personen- und Lastverkehr grundsätzlich frei ist. Lediglich Lastwagen ab einer gewissen Schwere dürfen nur Anlieger anfahren.

 Vorschlag der FWG: Wie die RAHDENER ZEITUNG berichtete, hat FWG-Fraktionschefin Gundel Schmidt-Tschech unter anderem angeregt, die Straßenabschnitte vor den Firmen Meier-Guss und Siedenburger den beiden Unternehmen zu übereignen und für den öffentlichen Verkehr zu schließen. Die Straße »Lange Reihe« soll nach FWG-Meinung von der Querung »Stellerloh‹ in westlicher Richtung an zur Sackgasse werden. Die FWG regt weiter an, eine Fuß- und Radwegverbindung hinter dem Werksgelände von Meier-Guss von der »Langen Reihe« zur Weher Straße zu schaffen. Die Straßen »Auf der Welle« und »Stellerloh« könnten von der Mindener Straße bis zur Querung »Lange Reihe« für den Durchgangsverkehr gesperrt werden. »Der Anliegerverkehr ist frei«, schreibt die FWG.

 »Der Verkehr aus Richtung Espelkamp zum Gewerbegebiet-Ost wird zunächst über die Lübbecker-, Mindener-, Eisenbahn- und Weher Straße geführt. Das meint die CDU: »Die Situation der Firma Meier-Guss beschäftigt auch die CDU seit langem. So haben wir vollstes Verständnis für die Anliegen der Anwohner der Straßen ›Lange Reihe‹ und ›Stellerloh‹ Diese befürchten durch eine mögliche Einziehung der Straße »Auf der Welle« erhebliche Mehrbelastungen durch Ausweichverkehr auf ihren Straßen. Vor allem ›Stellerloh‹ ist in ihrem Zustand für Schwerlastverkehr, der eigentlich dort gar nicht durchfahren sollte, völlig ungeeignet«, betont Fraktionschefin Bianca Winkelmann.

 Auf der anderen Seite stünden die Anliegen von Meier-Guss. Das Unternehmen sei Arbeitgeber fürmehr als 100 Familien allein aus Rahden. »Eines wurde in den Gesprächen, die die CDU geführt hat, immer deutlich. Niemand, weder Meier noch die Anlieger, ist glücklich über den Standort ›Auf der Welle‹. Und, besonders auch unter dem Aspekt der Schulwegsicherung besteht Handlungsbedarf, dessen sind wir uns bewusst. Das gilt für ›Stellerloh‹ allerdings genauso«, teilt die CDU mit. Aus den Beiträgen der Anwohner während der Bauausschusssitzung im November sei deutlich geworden, dass die Lösung durch einen Fuß- und Radweg an anderer Stelle die Problematik nicht lösen werde.

 Einen »Königsweg« habe auch die CDU noch nicht gefunden, da leider die Querung der Bahn, als direkteste Ausweichverbindung, aus rechtlicher Sicht nicht möglich scheine. »Aus Sicht der CDU ist es daher am sinnvollsten zunächst, wie einstimmig im Bauausschuss verabschiedet, das Gutachten des Städte- und Gemeindebundes abzuwarten. Denn im weiteren Verfahren werden dann alle Betroffenen die Gelegenheit haben, sich öffentlich zu äußern. Unnötige vorzeitige Stimmungsmache ohne brauchbare Lösungsvorschläge bringen niemanden wirklich weiter« , heißt es von der CDU. Die FDP erklärt: »Die FDP-Fraktion ist der Meinung, dass der Wunsch der Firma Meier-Guss verständlich und gerechtfertigt ist. Die von Meier-Guss vorgebrachten Gründe für eine Umwidmung der Straße »Auf der Welle« in eine Werksstraße, insbesondere die Aspekte der Verkehrssicherheit und die weitere betriebliche Entwicklung, sind für unsere Fraktion ebenso schwerwiegend, wie auch nachvollziehbar«, sagt Fraktionschef Hans-Eckhard Meyer. Allerdings sei die FDP-Fraktion der Meinung, dass dieses Anliegen von Meier-Guss nicht isoliert betrachtet werden dürfe, sondern in eine Gesamtlösung für die Verkehrsführung im Bereich Stelle, Stellerloh und »Lange Reihe« gefasst und gelöst werden müsse. »Hierbei soll auch der Wunsch und das Anliegen der Firma Siedenburger Gewächshausbau und die künftig zu erwartende Mehrbelastung des öffentlichen Verkehrsraumes durch die Erweiterung der Firma Harting im Gewerbegebiet-Ost berücksichtigt und eine Lösung für die kommende Situation erarbeitet werden«, erläutert Meyer. Die FDP setze auf die Beteiligung eines erfahrenen Verkehrsplanungsbüros, das nicht nur verlässliche Erhebungsdaten liefere, sondern auch Vorschläge für Lösungen erarbeite, die für die Anrainer akzeptabel sein könnten. »Grundsätzlich halten wir es für richtig, zukunftsgerichtet zu planen und die Interessen aller am Verfahren beteiligten Bürger und Unternehmen zu berücksichtigten, damit die Politik auf dieser Grundlage eine verlässliche und nachvollziehbare Entscheidung für das Wohl der Stadt Rahden und seiner Bürger fällen kann«, betont Hans-Eckhard Meyer. Bevor dieser Sachverhalt im Rat erneut zur Beratung gelange, müsse allerdings das beim Städte- und Gemeindebund beantragte Gutachten zur Einziehung der Straße »Auf der Welle« vorliegen. »Vorher macht es für unsere Fraktion keinen Sinn, in weitere konkrete Überlegungen einzusteigen«, ist Meyer überzeugt. Das sagt die SPD: Marion Spreen, stellvertretende Ortsvereinsvorsitzende, hat Verständnis für die Sorgen der Anlieger (wir berichteten am 3. Januar). Deshalb habe die SPD auch das Gespräch gesucht, um sich Argumente anzuhören. Die Resonanz darauf war sehr groß. Immerhin seien bereits mehr als 110 Unterschriften gegen die Schließung und der Straße »Auf der Welle« gesammelt worden. Spreen regt an, bezüglich der Schulwegsicherung und der Gefährdung durch den querenden Staplerverkehr von einem Teil des Firmengeländes von Meier-Guss zum anderen doch noch einmal über die Ampellösung nachzudenken. »Wenn wir die Straße, die immerhin noch im Zentrum von Rahden liegt, abbinden, können wir das nie wieder rückgängig machen.« Das erklären die Grünen: »Eine Lösung für dieses Problem zu finden, ist sehr schwierig«, meint Fraktionschef Winrich Dodenhöft. Wir würden gern die Interessen der Firmen und der Bürger in Einklang bringen. Die Grünen haben einen Gesprächstermin bei der Gießerei und wollen diesen Termin abwarten.« Das gelte auch für das Rechtsgutachten. Friedhelm Ortgies: Von dem hält Friedhelm Ortgies, der an der »Langen Reihe« wohnt gar nichts. »Es entscheidet doch nicht das Gutachten, sondern der Rat muss das tun. Eine Expertise entbindet das Stadtparlament doch nicht von einem Beschluss.« Auch der Vorschlag der FWG, Schilder mit »Anlieger frei« in Stellerloh aufzustellen, trifft nicht auf seine Zustimmung. »Darüber kann ich nur lachen. Wer hält sich denn daran? Zudem wundere ich mich immer, wie locker andere Leute über Flächen entscheiden wollen, die ihnen gar nicht gehören«, spricht Ortgies die Anregung der FWG an, hinter dem Werksgelände eine Fuß- und Radwegverbindung von der »Langen Reihe« zur Wehe Straße anzulegen: »Diese Flächen gehören mir und werden nicht verkauft. Ich habe mein Grundstück von der Firma Meier abgegrenzt. Jetzt werde ich es weder mir noch nachfolgenden Generationen antun, dort eine Straße bauen zu lassen.«

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