Ein Kunstwerk schmückt das Wohnzimmer der Familie Meier in der Weihnachtszeit  Hobbyschnitzer baut Pyramide 

Rahden (WB). »Ich muss etwas zu tun haben, ich kann nicht einfach auf dem Sofa sitzen«, sagt Wolfgang Meier (65). Der Rentner und ehemalige Buchdruckermeister beschäftigt sich leidenschaftlich mit Holzarbeiten. Diesmal ist eine mannshohe Weihnachtspyramide dabei herausgekommen.

Von Michael Nichau
Wolfgang Meier hat die Pyramide angefertigt, die ihn selbst überragt.
Wolfgang Meier hat die Pyramide angefertigt, die ihn selbst überragt.

 Nach dem Vorbild der Pyramiden aus dem Erzgebirge hat Wolfgang Meier in akribischer Feinarbeit die sechsstöckige Pyramide gefertigt. Etwa zwei Meter hoch ist sie geworden. Der Fuß hat einen Durchmesser von 80 Zentimetern.

 Und das ist nicht alles: Integrierte Beleuchtung, ein spezieller Motor, der die vier Scheiben, auf denen sich Waldmotive tummeln, in Bewegung setzt. Auf Knopfdruck spielt die Pyramide Weihnachtsmelodien ab. »Die Pyramide ersetzt in diesem Jahr unseren Weihnachtsbaum«, sagt Ehefrau Vera Meier. Im nächsten Jahr will sie aber wieder einen Tannenbaum haben, macht sie – trotz aller Begeisterung für die Künste ihres Mannes – deutlich. Dann soll die Pyramide an einem anderen Ort ausgestellt werden, so lautet die Vorstellung.

 Noch aber sorgt die überdimensionale Bastelarbeit für adventliche Stimmung im Wohnzimmer der Meiers am Nordweg. »Die Feuerwehr fehlt mir schon«, sagt Meier, der sich dort jahrzehntelang engagiert hatte. Jetzt beschäftigt er sich ausgiebig mit einem Hobby, das er bereits als junger Mann gern verfolgte: dem Modellbau.

 »Ich habe im Schuppen auch ein 2,20 Meter langes Modell der ›Prinz Eugen‹ stehen«, berichtet er. Natürlich sei das Schiff nicht aus einem Bausatz hergestellt. Gleiches gilt auch für die Dinge, die Wolfgang Meier in der Vergangenheit bereits gefertigt hat: Mühlen für den Garten, Krippen und Buddelschiffe. Die Mühlen im Vorgarten seien immer wieder von Unbekannten zerstört worden, so dass er den Bau dieser Wahrzeichen aufgegeben habe.

 Er besuche mit seiner Frau gern Krippen- und Adventsausstellungen und bewundere immer wieder die zum Teil recht teuren Pyramiden aus dem Erzgebirge. Daraus sei die Idee entstanden, so etwas selbst zu bauen – in Handarbeit. Im Vorjahr fertigte Meier das erste Exemplar. Dieses ist »klein«, misst nur 90 Zentimeter. Aber auch hier wird schon deutlich, was sich in dem großen Kunststück fortsetzt: »Alle Motive sind mit der Laubsäge ausgeschnitten. Hier ist nichts vorgefertigt oder maschinell gelasert, wie bei Kauf-Pyramiden«, sagt Meier.

 »Die kleine Pyramide wird auch im kommenden Jahr wieder aufgestellt. Die andere ist mir zu groß«, sagt Vera Meier, die die Bastel-Lust ihres Mannes ansonsten wohlwollend begleitet. »Die Figuren für die große Pyramide hat er selbst im Wohnzimmer geschnitzt«, schildert sie. Ansonsten arbeite er in der Keller-Werkstatt.

 Von Hirsch mit Geweih über Tannenbäume – gedrechselt und geschnitzt – bis hin zum Eichhörnchen und Igel hat Wolfgang Meier die Wald-Figuren für die Etagen selbst aus Lindenholz geschnitzt. »Ich habe jetzt mal mit dem Schnitzen angefangen und es sind, glaube ich, ganz gute Dinge dabei herausgekommen«, sagt er.

 So ist die große Pyramide auch nicht eigentlich weihnachtlich, sondern spiegelt eher das Leben im Wald – einschließlich des Jägers mitsamt Hund – wieder. »20 Rehe, vier Hasen, zwei Füchse, zwei Igel...«, zählt der Hobbyschnitzer die Figuren auf. Auch Ställe und Futterkrippen finden sich auf den sich drehenden Scheiben. »Für so einen kleinen Tannenbaum brauche ich schon etwa drei Stunden«, beschreibt er den Arbeitsaufwand.

 Auch den Sockel, der den Motor und den Antrieb aufnimmt, hat Meier selbst gefertigt. Nicht zu vergessen sind die Details: Selbst Vögel drehen über den Rehen – aufgehängt an einem Faden – ihre Runden. »Noch bis nach Weihnachten. Dann wird das Ding verpackt und wartet auf das kommende Jahr«, sagt Vera Meier, der die Pyramide doch ein »bisschen zu groß fürs Wohnzimmer« ist. Was kommt im nächsten Jahr? »Leuchttürme reizen mich«, sagt Wolfgang Meier. »Aber so ganz klein sollen die dann nicht werden«, deutet er an.

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