SPD-Chef Volker Oestreich gibt Ämter auf – Nachfolger wird Marvin Schrodke – viel Kritik an Koalition Groko-Debatte und ein neuer Vorsitzender

Preußisch Oldendorf (WB/fn). Die Unruhe in der SPD rund um die Koalitionsverhandlungen in Berlin ist an der Basis in Preußisch Oldendorf deutlich spürbar. Es gab viele kritische Stimmen bei der Jahreshauptversammlung des Ortsvereins am Donnerstag – und gleich zu Beginn einen Paukenschlag: Vorsitzender Volker Oestreich ist nach dem »Ja« des Sonderparteitags zu den Groko-Verhandlungen Ende Januar von allen Parteiämtern zurückgetreten.

Der neue erste Vorsitzende Marvin Schrodke (Mitte) umrahmt von seinen Stellvertretern Brigitte Rose und Günter Meyerholz sowie von den Beisitzern (von links) Georg Hegner, Renate Frommberger, Heike Scholz, Martin Frommberger, Karsten Wolf und Iris Pfeiff.
Der neue erste Vorsitzende Marvin Schrodke (Mitte) umrahmt von seinen Stellvertretern Brigitte Rose und Günter Meyerholz sowie von den Beisitzern (von links) Georg Hegner, Renate Frommberger, Heike Scholz, Martin Frommberger, Karsten Wolf und Iris Pfeiff. Foto: Friederike Niemeyer

Wie seine Stellvertreterin, Versammlungsleiterin Brigitte Rose berichtete, behält Oestreich aber sein Parteibuch.

21-Jähriger an der Spitze

Die 26 Stimmberechtigten wählten (bei einer Nein-Stimme) den 21-jährigen Hedemer Marvin Schrodke zum neuen Vorsitzenden. »Ich mache mein Erzieher-Anerkennungsjahr, bin seit vier Jahren in der SPD und seit Sommer sachkundiger Bürger«, stellte sich Schrodke vor. Als eine seiner ersten Amtshandlungen überreichte er Neu-Mitgliedern ihre Parteibücher: Fünf Eintritte hat es in Preußisch Oldendorf gegeben.

Ratsherr Jan Hendrik Maschke (31), selbst mit Erfahrungen als junger Vorsitzender, kritisierte nicht nur den Rücktritt von Volker Oestreich scharf (»nicht richtig«, »feige«), sondern nannte es »grob fahrlässig«, dass der Vorstand mit Marvin Schrodke einen so jungen Mann für den Ortsvereinsvorsitz vorschlage: »Ich weiß, was das für eine Belastung ist und hoffe, dass es ihm besser ergeht als mir.« Versammlungsleiterin Brigitte Rose zeigte Verständnis für Bedenken, begrüßte aber ausdrücklich, dass man einen so jungen Mann habe gewinnen können.

Vervollständigt wird der Vorstand durch die Stellvertreter Brigitte Rose und Günter Meyerholz sowie Kassiererin Iris Pfeiff, Schriftführer Martin Frommberger, Mitgliederbetreuerin Renate Frommberger sowie die Vor-Ort-Betreuer Marlotte Oestreich, Brigitte Rose, Georg Hegner und Rolf Köster. Weitere Beisitzer sind Rita Rüter, Heike Scholz, Karsten Wolf und Claudia Schulte-Bredemeier.

Aussprache mit viel Kritik

Ernst-Wilhelm Rahe leitete die Aussprache zum Koalitionsvertrag. Sowohl für ein Ja als auch für ein Nein gebe es gute Gründe, sagte er und bekannte, selbst nach jetzigem Stand mit Nein stimmen zu wollen. Karl-Friedrich Rahe berichtete von einem Wechselbad der Gefühle: »Die Postenfrage überlagert die Verhandlungserfolge.« In die neue Führung setzt er die Hoffnung, das Profil der SPD deutlich machen zu können. »Ich bin für die Koalition, aber nicht aus vollem Herzen«, sagte der Lübbecker.

Geben Impulse für die Groko-Diskussion in Preußisch Oldendorf: (von links) Karl-Friedrich Rahe, Ernst-Wilhelm Rahe und Reinhard Wandtke. Foto: Friederike Niemeyer

Dieser Haltung schloss sich Brigitte Rose an: »Es gibt Inhalte, die umgesetzt werden sollten.« Auch die Klausel, dass nach zwei Jahren die Arbeit der Koalition überprüft werden soll, mache ihr die Zustimmung leichter.

Reinhard Wandtke kann sich dagegen eine Groko nur unter Führung der SPD vorstellen. »Mir muss niemand mit staatspolitischer Verantwortung kommen. Die haben wir oft genug bewiesen«, sagte der 64-Jährige. Kritisch äußerte sich auch Jens Hageböke: »Eine Minderheitsregierung würde eher die Chance bieten, dass über Inhalte geredet wird.« Mit dem Satz »Jeder möchte seinen Posten behalten« sprach Günter Meyerholz vielen aus dem Herzen. So nannte es Jan Hendrik Maschke eine »bodenlose Frechheit«, dass Martin Schulz Sigmar Gabriel als Außenminister ausgebootet habe.

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