Regionalforstamt OWL informiert über den Orkan von 2007 und die Folgen Kyrill schockierte und setzte Kräfte frei

Preußisch Oldendorf (WB). Der Orkan Kyrill, der vor zehn Jahren über Deutschland tobte, hat auch in der hiesigen Region große Waldflächen verwüstet. Viele Waldbesitzer mussten damals schwere Verluste verkraften. Im Haus des Gastes in Bad Holzhausen informierte jetzt das Regionalforstamt OWL über »Kyrill und die Folgen«.

Von Arndt Hoppe

Revierleiter Jürgen Rolfs berichtete zunächst in einem Bildervortrag über das Ausmaß der Schäden in OWL und speziell im stark betroffenen Preußisch Oldendorf. Anschließend leitete er eine kleine Exkursion auf den Limberg, wo er zusammen mit den teilnehmenden Waldbesitzern, Fachleuten und interessierten Laien eine Fläche besichtigte.

»Die Situation nach dem 19. Januar 2007 war für viele Waldbesitzer nicht rosig. Am Morgen nach dem Sturm habe ich einen Hubschrauberflug gemacht, um mir ein Bild vom Ausmaß der Schäden zu machen«, sagte Rolfs. Wo er zuständig war, habe es fast 1000 Eigentümer gegeben.

80 Hektar betroffenen Flächen

Förster Daniel Finke schneidet auf einer Entwicklungsfläche Birken zurück. Foto: Arndt Hoppe

Allein in Preußisch Oldendorf seien es auf den 80 Hektar betroffenen Flächen 300 verschiedene Parzellen: »Alle wollten wissen: Was ist nun?« Es sei ein großes Glück gewesen, dass über die Bad Holzhausener Familie von Rundstedt, deren Waldflächen stark in Mitleidenschaft gezogen waren, der Kontakt zur Spezialfirma TTW (Turn und Taxis Wals) hergestellt werden konnte, die sich um die Verarbeitung des Holzes kümmerte.

Henriette von Rundstedt sagte im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT im Rückblick: »Es war dramatisch. In unserem Wald lag auf einen Schlag so viel Holz wie wir normalerweise in zehn Jahren herausgeholt hätten. Und die bereits gefällten Stämme waren unten drunter.«

»Es lagen so viele Bäume kreuz und quer im Wald, dass die Arbeit, das Holz aus den Flächen zu holen, zum Teil lebensgefährlich war. Da waren Profis erforderlich«, erinnerte sich Jürgen Rolfs. Noch zwei Wochen nach dem Sturm sei in Börninghausen ein Arbeiter tödlich verunglückt.

650 Lastwagen 20.000 Festmeter Holz verschifft

Für den Abtransport der vielen Stämme sei extra der Getmolder Hafen wieder geöffnet worden. »Tag und Nacht waren Lkw unterwegs, um das Holz dorthin zu bringen. Das letzte Schiff fuhr im Oktober 2007. Bis dahin waren mit 650 Lastwagen 20.000 Festmeter Holz verschifft worden«, berichtete Rolfs. »Wir haben regelmäßig Schotter auf die Wege geschüttet, um sie wieder befahrbar zu machen. »Den Anliegern kann man hoch anrechnen, dass sie sich niemals über die Belästigungen beklagt haben.«

Aufgrund des plötzlichen Überangebotes an Holz hätten die Besitzer einen starken Einbruch der Holzpreise von 75 auf unter 50 Euro pro Festmeter hinnehmen müssen. Bei allen Schicksalsschlägen für die Waldbesitzer sei die Geschichte des Orkans aber auch in mancher Hinsicht eine Erfolgsgeschichte. »Niemand hätte damit gerechnet, dass schon im Frühjahr 2008 die Windwurfflächen von Holz befreit sein würden.« Allein auf dem Gebiet des damaligen Forstamtes Minden seien 110.000 Festmeter Holz angefallen.

Vielfalt wurde erhöht

Als Erfolg sieht der Waldfachmann Rolfs auch die Entwicklung an, die die betroffenen Flächen zum Beispiel auf dem Limberg genommen haben. Die Vorgehensweise der Förster kann als gelungenes Experiment angesehen werden. Denn statt die Flächen komplett wieder aufzuforsten, wurden lediglich 20 Prozent des Areals gezielt mit bestimmten Baumarten bepflanzt. Der Rest bekam Gelegenheit, sich natürlich zu entwickeln.

Wie die Teilnehmer der Exkursion sehen konnten, siedelten sich dort zunächst Birken an, aber auch zahlreiche Fichten. Zusätzlich wurden andere Baumarten wie die tiefwurzelnden Tannen oder auch verschiedene Laubbäume gepflanzt. »Früher standen in vielen Wäldern mehr als 90 Prozent Fichten. Nach den Erfahrungen mit Kyrill ist das Ziel eine größere Vielfalt, um die Widerstandsfähigkeit zu erhöhen«, sagt Rolfs.

Allerdings erweise sich auf dem Limberg, dass die Fichte (Baum des Jahres 2017) sehr wertvoll bei der Wiederbesiedlung sei. »Die Waldbesitzer haben viel Vertrauen in die Natur und die Arbeit der Förster bewiesen. Schon in zehn Jahren können wir hier eventuell Brennholz ernten. Hätten wir alles mit Fichten aufgeforstet, wäre das wohl erst nach 30 Jahren möglich«, sagte Rolfs als Verfechter naturnaher Waldwirtschaft.

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