Nach Mähdrescher-Unfall: Familie Stork päppelt verletzten Feldhasen auf »Hasi« erlebt sein neuntes Weihnachten

Preußisch Oldendorf (WB). »Hasi« ist robust. In diesem Jahr erlebt Meister Lampe aus Bad Holzhausen schon sein neuntes Weihnachtsfest. Damit dürfte der Feldhase von Familie Stork zu den ältesten Langohren in Ostwestfalen-Lippe gehören. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Tiere beträgt nämlich nur neun Monate.

Von Lena Knickmeier
Heute fühlt sich »Hasi« in seinem Stall pudelwohl. Isabel Stork kümmert sich jeden Tag um ihr Haustier.
Heute fühlt sich »Hasi« in seinem Stall pudelwohl. Isabel Stork kümmert sich jeden Tag um ihr Haustier. Foto: Lena Knickmeier

»Wir hätten selber nicht damit gerechnet, dass Hasi so alt wird. Er war ja noch ganz klein und verletzt, als wir ihn gefunden haben«, erzählt Isabel Stork. Das ist jetzt neun Jahre her. Damals hätte es mit »Hasi« beinahe ein frühes ­Ende genommen.

In den ersten Wochen musste der Feldhase mit der Pipette ernährt werden. Er kam schnell auf die Läufe.

Als knuffiger Junghase geriet der Mümmler in die scharfen Klingen eines Mähdreschers. Familienvater Uwe Stork fand ihn bei der Strohernte. Der Feldhase war am linken Hinterlauf verletzt, hatte nur noch zwei Zehen – doch im Gegensatz zum Rest seiner Familie hatte er die Begegnung mit dem Mähdrescher überlebt.

»Alleine hätte er keine Überlebenschance gehabt«, sagt Uwe Stork. Nach seiner Verletzung habe »Hasi« nicht mehr die Höchstgeschwindigkeit eines Feldhasen erreichen können. Das hätte ihn zur leichten Beute für seine natürlichen Fressfeinde gemacht.

Mischung aus warmer Milch, Wasser und Zucker

Auch so schien seine Lebenserwartung limitiert. »Als wir ihn nach Hause brachten, war er in einem jämmerlichen Zustand. Keiner von uns hat geglaubt, dass er lange leben würde«, erinnert sich Isabel Stork. Trotzdem versuchte die Familie, das Tier in einem Kaninchenstall aufzupäppeln. Der Feldhase erhielt eine Mischung aus warmer Milch, Wasser und Zucker. Zuerst wurde er alle zwei Stunden gefüttert, dann alle vier. Und siehe da, »Hasi« kam wieder auf die Läufe.

Nach einiger Zeit konnte der Feldhase in einen Pferdestall umziehen. Für den Feldhasen wurde das Gebäude ausbruchssicher gemacht. »Wir mussten die Trenngitter mit Doppelstegplatten abhängen, weil ›Hasi‹ immer wieder einen Weg nach draußen suchte«, sagt Uwe Stork. Zwischenzeitlich lief das Tier frei auf der Deele herum oder leistete den Pferden Gesellschaft. Möglicherweise führte diese Nähe auch dazu, dass »Hasi« eine Vorliebe für Pferdefutter entwickelte. Karotten lässt er stattdessen links liegen.

Bekannt wie ein bunter Hund

Heute teilt sich der Feldhase den Stall mit einem Kaninchen. Im Sommer darf »Hasi« mit seinem mümmelndem Kumpel hinaus in den Garten. »Dort bauen wir dann immer ein großes Gehege auf, wo die Tiere sich austoben können«, sagt Isabel Stork. Im Winter laufen Kaninchen und Feldhase auf der Deele herum.

Im Ort ist der alte Hase inzwischen bekannt wie ein bunter Hund. Was auch daran liegt, dass er oft mit den Kindern Isabel, Felix und Sven Gassi gegangen ist. Früher hätte man das Tier auch streicheln und auf den Arm nehmen können«, heißt es von Familie Stork. Mit fortschreitendem Alter sei der Feldhase diesbezüglich etwas eigen geworden. Das nimmt dem Senior mit den langen Löffeln aber niemand übel. Wie lange »Hasi« noch auf dem Hof herum hoppelt, ist unklar. »Wir hoffen, dass er noch ein paar schöne Jahre bei uns verbringt«, sagt Isabel Stork.

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