Der Bund plant an der Porta eine Bahnstrecke, die vor Ort niemand haben will Milliarden-Tunnel umstritten

Minden (WB). Kein verspäteter Aprilscherz, Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) meint es ernst: Er hat einen Neubau der Bahnstrecke Porta Westfalica-Bückeburg ins Auge gefasst, inklusive eines Tunnels durch das Wesergebirge. Baukosten: schlappe 1,88 Milliarden Euro. Vor Ort will allerdings niemand dieses Mammutprojekt.

Von Bernd Bexte
Blick auf den Jakobsberg bei Porta Westfalica: Durch ihn würde der Bahntunnel geführt werden, am Fuß ist der Bahnhof Hausberge zu sehen.
Blick auf den Jakobsberg bei Porta Westfalica: Durch ihn würde der Bahntunnel geführt werden, am Fuß ist der Bahnhof Hausberge zu sehen.

Das Vorhaben, das nicht neu ist, taucht jetzt wieder im Entwurf zum Bundesverkehrswegeplan 2030 auf. Demnach soll eine zweigleisige Hochgeschwindigkeitsstrecke (bis zu 230 Stundenkilometer) zwischen Porta Westfalica und Echtorf bei Bückeburg entstehen. Bereits 2002 war ein solcher Plan auf Widerstand gestoßen und hatte ein breites Bürgerbündnis von Porta Westfalica bis Wunstorf mobilisiert.

Die Strecke, im Bundesverkehrswegeplan in die Kategorie Vordringlicher Bedarf eingeordnet, soll bei Porta durch den Jakobsberg geführt werden – mit einem Tunnel. Bei Bückeburg würde die Strecke wieder auf die alte Nordbahntrasse treffen. Gesamtkosten der neuen Bahnstrecke samt Tunnel laut Bundesverkehrswegeplan: 1,88 Milliarden Euro. Die sogenannte Nordbahn wäre dann auch in diesem Abschnitt viergleisig: Zwei Gleise führten auf der alten, zwei auf der neuen Strecke.

Alte Trasse würde nicht ausgebaut

Der jetzige Streckenverlauf (blau) macht einen Schlenker über Minden. Die im Plan vorgesehene Schnelltrasse der Bahn samt Tunnel würde diese abkürzen. Foto: Mirko Sonntag

Die alte Nordbahntrasse würde demnach nicht ausgebaut, »was allerdings deutlich billiger wäre«, sagt der SPD-Bundestagsabgeordnete Stefan Schwartze (Herford), der wie viele andere für diese Alternative plädiert. So haben sich bereits die Bürgermeister von Minden, Porta Westfalica und Bückeburg in einer gemeinsamen Erklärung für diese Variante und gegen den Tunnel ausgesprochen.

Der Bund erwartet durch den Streckenneubau eine Zeitersparnis auf der wichtigen Fernverkehrtrasse von etwa zehn Minuten. »Allerdings würde Minden dann vom Fernverkehr der Bahn abgehängt. Das geht gar nicht«, sagt Schwartze. Am 29. April wird er deshalb mit anderen Bundestagsabgeordneten aus der Region zwischen Bielefeld und Hannover an einem Gespräch im Bundesverkehrsministerium teilnehmen.

Ablehnung sei einhellig und parteiübergreifend

Die Ablehnung in der Region sei einhellig und parteiübergreifend, »von der IHK bis zu Umweltverbänden«, sagt Schwartze. Seine Befürchtung: Aufgrund der Höhe der Investition werde in es in diesem Bereich auf absehbare Zeit zu überhaupt keiner Verbesserung im Schienenverkehr kommen.

Gesine Frank, Sprecherin der Linken in Porta Westfalica, kritisiert, dass vom Lärmschutz an der bestehenden Trasse in der Planung nichts zu lesen sei. Der Mindener Bahnhof als zentraler Punkt für den Fernverkehr werde nicht berücksichtigt. »Der simple Zubau von zwei Gleisen an der bestehenden Strecke« könne hingegen die Engpässe beseitigen, meint Frank.

Auch mit Blick auf den neuen Mindener Containerhafen Regioport, der im Herbst 2017 fertig gestellt werden soll, werde eine gute Schienenanbindung benötigt. Aufgrund von Anwohnerprotesten ist beim Hafenausbau jedoch mit einem langwierigen Klageverfahren und einer Verzögerung zu rechnen.

»Region dabei gut weggekommen«

»Der Tunnel macht keinen Sinn«, meint auch Reinold Stücke (CDU), Vorsitzender des Detmolder Regionalrates, dem politischen Gremium bei der Bezirksregierung. Der Regionalrat wird morgen zu einer Sondersitzung zusammenkommen, bei der sich die Mitglieder ausschließlich mit dem Bundesverkehrswegeplan befassen und eine gemeinsame Stellungnahme für den Regierungsbezirk Detmold erarbeiten wollen.

Stücke findet aber auch Positives an den Planungen des Bundesverkehrsministeriums: »Insgesamt ist unsere Region dabei gut weggekommen.« Die Bewertung jedes einzelnen Projektes des Bundesverkehrswegeplans kann von Bürgern eingesehen und bis zum 2. Mai kommentiert werden.

Kommentare

Leider wird nicht über die massive Beeinträchtigung/Zerstörung von Naturschutzgebieten wie den Bückeburger Niederungen hingwiesen.
Ausserdem würde das ganze ein Bauwerk, dass teilweise 12m hoch in die Landschaft gestampft würde. Eine Beleidigung für jedes Auge.

Bitte ünterstützt die BIGTAB, die Bürgerinitiative, die sich dagegen wehrt.

Neubaustrecke Porta-Bückeburg

Daß nun Minden vom Fernverkehr abgekoppelt wird, kann nicht ganz stimmen. Sicherlich werden die heutigen ICE-Züge von Köln nach Berlin die Schnellfahrstrecke befahren, aber die ICs der Linie Amsterdam-Berlin und Köln-Dresden könnten doch weiterhin über die Altstrecke fahren und in Minden halten.

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