Ausschluss aus Dachverband drohte – Waldorfpädagoge hatte Kontakte ins rechte Milieu Schule entlässt umstrittenen Lehrer

Minden (epd/WB). Jetzt ist es offiziell: Der Lehrer der Mindener Waldorfschule, dem Kontakte zur rechten Szene vorgeworfen wurden, wird die Einrichtung verlassen. Das hat die Schule am Montag mitgeteilt.

An der Freien Waldorfschule Minden war der Lehrer sehr beliebt.
An der Freien Waldorfschule Minden war der Lehrer sehr beliebt.

Zumindest nach außen hin ist die Trennung einvernehmlich. Beide Seiten – sowohl die Schule als auch der betreffende Lehrer – haben am Freitag einen Auflösungsvertrag unterschrieben. Über die Bedingungen, unter denen der Pädagoge die Waldorfschule verlässt, wollte Schulsprecher Ulrich Schubert aber nichts sagen. Nur soviel: Gemeinsam mit den jeweiligen Anwälten sei die Entscheidung in der vergangenen Woche gefallen.

Vorwürfe werden gründlich geprüft

Bevor die Schule das Ergebnis gestern öffentlich machte, erfuhren Lehrer, Schüler und Eltern davon. Die Vorwürfe gegen den 53-jährigen Lehrer, der Handwerk und Kunstgeschichte unterrichtete, waren einige Wochen vor den Sommerferien hochgekocht. Es ging, wie berichtet , um Publikationen in nationalistischen Schriften und Verbindungen zu rechten Vereinigungen.

Nach einem Gutachten der Mobilen Beratungsstelle gegen Rechts (Herford) und einer Abstimmung durch die Schulgemeinschaft wurde der Pädagoge vor den Ferien suspendiert. »Wir wollten den Kollegen nicht vorverurteilen, sondern die Vorwürfe gegen ihn gründlich prüfen«, erklärte Schubert. Das Gutachten der  »Mobilen Beratung gegen
Rechtsextremismus im Regierungsbezirk Detmold« kam zu dem Ergebnis, dass sich in seinen Texten Denk- und Argumentationsmuster von rechtsextremer Ideologie wiederfinden ließen.

Foto mit ehemaligem SS-Führer

Als zuletzt ein Gruppenfoto auftauchte, das den Mindener Lehrer gemeinsam mit dem ehemaligen SS-Führer Erich Priebke zeigte, schien das Maß voll. Doch auch dafür habe der Kollege – laut einer Umfrage im Februar der beliebteste Oberstufenlehrer der Schule – eine Erklärung, sagte Schubert. Er sei damals in Argentinien Mitglied eines Schulfestkomitees gewesen und habe nicht mit Priebke im Vorstand der deutschen Schule gearbeitet. All das sei noch vor Bekanntwerden von Priebkes Nazi-Vergangenheit gewesen. Zudem ist der Lehrer Vorsitzender der »Ahnenstätte Conneforde« in der Nähe Oldenburgs, in der sich häufig Altnazis bestatten lassen. Er hatte zwar sein Engagement für die Ahnenstätte eingeräumt, den Vorwurf einer rechtsextremen Gesinnung jedoch zurückgewiesen. Er soll jedoch auch für mehrere rechtsextreme Publikationen geschrieben haben.

Schule droht Ausschluss

Auch wenn es immer noch Kollegen gibt, die hinter dem Pädagogen stehen: Der Preis, den die Waldorfschule zahlen müsste, wenn er bleiben würde, wäre zu hoch. Der Bund der Freien Waldorfschulen (BdFWS) hatte sogar angekündigt, die Mindener Schule dann ausschließen zu wollen. »Die Chance zu überleben wäre gering, wenn wir versuchen würden, ihn zu halten«, räumte Schubert ein. Dann würden auch Lehrer gehen und Eltern ihre Kinder abmelden. Und man würde womöglich ein anderes Klientel anziehen. 

Gegen Radikalismus sensibilisieren

»Ich glaube, dass dieser Schritt für die Schule die einzige Möglichkeit war, nach vorne zu gehen – und auch für den Lehrer selbst«, sagte Henning Kullak-Ublick, Sprecher vom BdFWS. Mit Hilfe der Mobilen Beratungsstelle gegen Rechts will die Schule die Ereignisse nun aufarbeiten. Ziel sei es, »die Schulgemeinschaft wieder zusammenzuführen und gegen jede Form von Radikalismus zu sensibilisieren«, heißt es in der gestrigen Mitteilung der Schule.

Waldorfschulen distanzieren sich

Der Bund der Waldorfschulen begrüßte die Trennung von dem Lehrer. Rechtsextremismus in jeder Form sei weder mit der Pädagogik noch mit dem zivilgesellschaftlichen Selbstverständnis der Waldorfschulen vereinbar. Die Waldorfschulen distanzierten sich ausdrücklich von jeder Form des Rechtsextremismus, Nationalismus, Rassismus oder anderen Formen der Diskriminierung, erklärte der Dachverband.

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