Schule untersucht Rechtsextremismus-Vorwürfe weiter – Dachverband droht mit Ausschluss Waldorf-Lehrer suspendiert

Minden (WB). Die endgültige Entscheidung fällt der Mindener Waldorfschule schwer: Der Lehrer, dem Kontakte zur rechten Szene nachgewiesen wurden, soll vorerst nur vom Dienst suspendiert werden. Sollte die Waldorfschule sich nicht von ihm trennen, könnte sie im Extremfall sogar ihren Namen einbüßen.

Von Christina Ritzau
An der Freien Waldorfschule Minden ist der Lehrer sehr beliebt.
An der Freien Waldorfschule Minden ist der Lehrer sehr beliebt.

Die Entscheidung, die die Schulführungskonferenz am späten Donnerstagabend nach langer Diskussion getroffen hat,  ist ein  Kompromiss. Die Schule verschafft sich  Zeit, um »den Prozess«, wie es intern heißt, in Ruhe abzuwickeln. Die  Aufarbeitung solle dazu dienen, die Zerrissenheit der Schulgemeinschaft zu überwinden und sich  verstärkt gegen Rechtsextremismus zu positionieren, heißt es in einer Mitteilung. »Die Suspendierung gilt bis auf Weiteres«, sagte ein Sprecher der   Waldorfschule Minden, der nicht namentlich genannt werden möchte.  »Wir planen erst einmal mit drei Monaten.«

In den nächsten sechseinhalb Wochen ruht der Fall  allerdings. »Wir werden in den Ferien nicht tagen. Das ist bei uns nicht üblich«, erklärte der Sprecher. Eins ist der Schule  bewusst: Eine  »richtige« Entscheidung sei in dieser Situation ohnehin nicht  möglich.
Gegen den  53-jährigen Handwerkslehrer, der seit mehr als 20 Jahren an der Waldorfschule unterrichtet und dort sehr beliebt ist, waren im April Vorwürfe  wegen Kontakten zur rechten Szene laut geworden. Es ging unter anderem um seinen Vorsitz in dem Verein  »Ahnenstätte Conneforde« – einem Friedhof bei Oldenburg, auf dem einige alte Nazis ruhen –, um seine früheren Aktivitäten im rechten »Bund Deutscher Unitarier« sowie um Kontakte zur »Artgemeinschaft«, einer extrem rechten und geschlossenen  Organisation.
Der Pädagoge hatte  seine  Aktivitäten mit kulturellem Interesse begründet und erklärt, er lehne seit jeher »jede menschenverachtende oder extremistische Denkweise ab«. Der Lehrer stammt aus Buenos Aires und kam 1992 von Argentinien nach Deutschland.
Die Bezirksregierung Detmold  warnt vor einer Vorverurteilung des Lehrers. »Die Schule ist in ihrer Entscheidung völlig frei«, betonte Sprecher Andreas Moseke. Die  Bezirksregierung ist seit Montag  über den Fall unterrichtet und untersucht jetzt die Lehrbefugnis des Pädagogen. Im Extremfall könnte diese entzogen werden. 

Der Bund der Freien Waldorfschulen (BdFWS) setzt der Mindener Schule angesichts der Vorfälle die Pistole auf die Brust: Der Dachverband will die Einleitung eines Ausschlussverfahrens gegen die Schule prüfen lassen, sollte sie nicht unmittelbar nach den Ferien beschließen, sich von dem Lehrer zu trennen. »Die Konsequenz wäre, dass sie den Namen ›Waldorf‹ nicht mehr tragen dürfte«, erklärte Henning Kullak-Ublick, Sprecher des BdFWS. »Das ist schon eine harte Sanktion für eine Schule«, räumte er ein. »Aber letztlich ist das ein Markenname, der viel Inhalt transportiert.«

Bei einem Ausschluss wäre die Schule völlig isoliert

Ohne den Bund der Waldorfschulen im Rücken wäre die Mindener Einrichtung völlig isoliert und zum Beispiel bei der Organisation und Finanzierung von Lehrerfortbildungen und bei schulpolitischen Fragen komplett auf sich allein gestellt. Aus dem Verband sei bisher nur eine Schule ausgeschlossen worden, sagte Henning Kullak-Ublick. Das war die Waldorfschule Kempten. Einigen Lehrern war dort »Körperverletzung im Amt« vorgeworfen worden.

Im Mindener Fall geht Kullak-Ublick nicht davon aus, dass es tatsächlich zu einem Ausschluss kommt. »Und ich hoffe es auch nicht«, sagte er. »Das wäre die Ultima Ratio.«

Kommentare

Was genau

Ich habe in der ganzen Berichterstattung bisher nicht ein Wort zu lesen bekommen, was genau dem Lehrer eigentlich vorgeworfen wird.

Wer genau ist denn in der "Ahnenstätte Coennenförde" begraben? Welche Rolle haben diese Personen im "Dritten Reich" gespielt, und warum sollte man sie nicht begraben?

Was ist die "Artgemeinschaft", was hat der Lehrer dort getan, was ist ihm vorzuwerfen?
Es kann doch nicht ernstlich eine Rolle spielen, mit wem er sein Feierabendbier trinkt?

Man sollte mal Butter bei die Fische tun. Ein allgemeines Geraune, angereichert mit einer bestimmten Frequenz von Schlagworten, kann doch nicht ausreichen, um einen Lehrer zu entlassen. Wo sind wir denn!

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